Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

29.10.1993

TK-Tarife als Allheilmittel

Nun hat die Debatte um den Standort Bundesrepublik auch noch die Telekommunikation erfasst. Anders jedenfalls laesst sich die Emsigkeit und Aufgeregtheit, mit der sich die deutsche Wirtschaft seit einigen Monaten diesem Thema widmet, kaum interpretieren. Es ist offenkundig "in", ueber hohe Tarife und unzureichende Infrastrukturen zu klagen - wobei so mancher Industriekapitaen und Verbandsfunktionaer wohl in erster Linie sein eigenes Sueppchen kocht, um von den tatsaechlichen Ursachen der Konjunkturflaute abzulenken.

Es ist ferner nichts Neues und durchaus richtig, dass das Telefonieren beziehungsweise die Gebuehren fuer Mietleitungen zur Daten- und Sprachkommunikation in Deutschland - im internationalen Vergleich - zu teuer sind. Darauf immer wieder hinzuweisen und Aenderungen einzuklagen, ist - um Missverstaendnissen vorzubeugen - ein legitimes Anliegen der Geschaeftskunden der Telekom. Zu pruefen bleibt allerdings, ob man sich durch Larmoyanz und Penetranz unbedingt glaubwuerdiger macht - noch dazu, wo gleichzeitig der Faktor TK-Kosten zur fast alles entscheidenden Standortfrage hochstilisiert wird.

Dies ist um so weniger ueberzeugend, als diese Kosten erst seit dem Zeitpunkt eine Rolle spielen, wo einige - und bei weitem nicht alle - Unternehmensvorstaende angesichts explodierender Ausgaben die Notbremse ziehen. Man gibt zuviel Geld fuer Telekommunikation aus, das ist richtig; weiss aber in den meisten Faellen nicht genau wo, warum und wozu. Was man lediglich glaubt zu wissen, ist, dass einem ohne ausreichende Moeglichkeiten zur TK die Felle im globalen Wettbewerb davonschwimmen und die Bundesrepublik beziehungsweise Europa in Sachen Kommunikations-Infrastruktur nicht die erste Geige spielt. Dabei geht es nicht mehr nur ums blosse Telefonieren, sondern um die weltweite Kommunikation mit Daten-, Sprach- und Bilduebertragung - nach Moeglichkeit innerhalb einer hochleistungsfaehigen Netzstruktur.

Bei all dem, was derzeit in diesem Zusammenhang an Visionen und Zukunftstechnologien (Corporate Networks, Multimedia, Datenautobahnen etc.) gehandelt und gefordert wird, muss allerdings schon die Frage nach dem jeweiligen Zweck entsprechender Applikationen und deren technischer Umsetzung erlaubt sein. Jedenfalls dort, wo man sowohl im Voice- (Ermittlung von Bedarf und Kosten) als auch im Non-voice-Bereich (Client-Server-Com- puting) seine Hausaufgaben noch nicht gemacht hat. Wer beide Welten zusammenfuehren will, hat zweifelsohne sein Ohr am Puls der Zeit, muss aber zuvor definieren, was er hat und was er will. Dass genau dies momentan nicht besonders populaer ist, spricht nicht unbedingt fuer diejenigen, die allein in guenstigeren TK-Tarifen die Loesung ihrer Probleme sehen. gh