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16.06.1995

Todesstoss fuer Notes oder OS/2

Waehrend der Softwaregigant Microsoft noch die geplatzte Intuit- Akquisition verdauen muss, erreichte ihn mit der geplanten Lotus- Uebernahme durch den Erzrivalen IBM eine neue Hiobsbotschaft. Zudem soll eine erneute Verspaetung von Windows 95 unter allen Umstaenden verhindert werden. Steve Ballmer, Executive Vice-President und zweiter Mann hinter Bill Gates, stand CW-Redakteur Alexander Deindl Rede und Antwort.

CW: Was sagen Sie zur geplanten Uebernahme von Lotus durch die IBM?

Ballmer: Die IBM versucht noch, Lotus zu uebernehmen (Anmerkung d. Red.: Mittlerweile ist der Deal perfekt). Sollte der Kauf nicht zustande kommen, waere das sowohl fuer Lotus als auch fuer die IBM katastrophal. Selbst eine erfolgreiche Uebernahme koennte negative Auswirkungen auf beide Beteiligten mit sich bringen. Ich bezweifle jedoch, dass die Leute, die zu Lotus gegangen sind, um bei einer PC-Company zu arbeiten, auch fuer die IBM taetig sein moechten. Diese Mitarbeiter werden nicht beim Unternehmen bleiben, weil sie sich der IBM-Struktur unterwerfen muessten.

CW: Wo liegt denn der Unterschied zwischen einer Taetigkeit bei Big Blue oder Microsoft?

Ballmer: IBM ist eine traege, buerokratische, schlichtweg furchtbare Company. Ich kenne die IBM. Wenn jemand sagt, er wolle dort arbeiten, muss ich mich doch sehr wundern. IBMs neue Lotus-Division wird sich schwer tun, um ihre Mitarbeiter behalten zu koennen. Ausserdem hat die IBM bislang einen schlechten Job bei der Entwicklung und im Marketing von PC-Software gemacht. Werden sie dann gute Arbeit leisten, wenn es heisst, den Verkauf und das Marketing von Lotus-Software voranzutreiben? Das ist doch sehr unwahrscheinlich.

CW: Glauben Sie, dass eine geglueckte Uebernahme Auswirkungen auf die Windows-Entwicklung bei Lotus haben wird?

Ballmer: Es kann im Uebernahmefall einfach keinen Gewinner geben. Wenn die IBM Lotus dahingehend trimmen wird, kuenftig OS/2 zu bevorzugen, wird das den Absatz von Lotus-Produkten sicherlich nicht ankurbeln. Solch eine Strategie bedeutet naemlich den Todesstoss fuer Notes und Smartsuite. Sollte die IBM Lotus aber auch weiterhin fuer Windows entwickeln lassen, ist das das Ende fuer OS/2.

CW: Weshalb?

Ballmer: Ein IBM-Verkaufsmanager, der Lotus-Produkte an den Mann bringen will, kann nicht einfach argumentieren: Lassen Sie uns Windows und NT einsetzen, weil diese Betriebssysteme die besten Plattformen fuer Notes darstellen. Ich persoenlich wuerde mir jedoch wuenschen, dass Lotus unabhaengig bleibt. Ausserdem sollten wir erst einmal abwarten, ob diese Akquisition tatsaechlich zustande kommt. Zwischen "Wir wollen eine Firma kaufen" und "Wir haben ein Unternehmen erworben" existieren gravierende Unterschiede.

CW: Das mussten Sie mit der gescheiterten Uebernahme von Intuit ja erst kuerzlich am eigenen Leib erfahren. Geben Sie das elektronische Kommerz-Business nun auf?

Ballmer: Nein, keinesfalls. Wir muessen da einfach mitspielen. Deshalb werden wir unser Finanzpaket Money ganz einfach weiterentwickeln.

CW: Aber verglichen mit Quicken, das momentan einen Marktanteil von rund 90 Prozent innehat, fuehrt Money mit fuenf bis zehn Prozent derzeit doch ein Schattendasein. Glauben Sie wirklich, dieses Duell gewinnen zu koennen?

Ballmer: Vor fuenf Jahren hatte Lotus im Bereich der Tabellenkalkulationen noch einen Marktanteil von 90 Prozent, Wordperfect ebenfalls. Jetzt haben wir uns diesen Anteil ergattert. Warum sollte uns das nicht auch mit Money gelingen?

CW: Wie steht es um Windows 95? Wann wird das Produkt nun definitiv erscheinen?

Ballmer: Fuer den US-Markt rechnen wir mit dem 24. August 1995. Trotzdem steht dieser Termin noch nicht hundertprozentig fest. Wir wollen zuerst saemtliche Bugs beseitigen.

CW: Mit anderen Worten, die Auslieferung koennte sich erneut verschieben?

Ballmer: Ja, es besteht durchaus die Moeglichkeit, dass wir entscheiden, das Produkt erst spaeter auszuliefern. Wenn wir in den naechsten fuenf Wochen nicht das erreichen, was noch getan werden muss, wird das Produkt nicht zum geplanten Termin erscheinen. Ich persoenlich bin allerdings zuversichtlich, dass Windows 95 bis zum 24. August ausgeliefert wird.