Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

05.06.1998 - 

Allianz will 1-Gbit-Standard entwickeln

Token-Ring-Anwender haben Anspruch auf Skalierbarkeit

CW: Der Anstoß für einen 100-Mbit/s-Token-Ring kam im Sommer 1997 zu einem Zeitpunkt, als Gigabit Ethernet bereits auf dem Weg war. Ist es für den HSTR nicht schon zu spät?

Olechovsky: Es sieht so aus, als hätten wir den Start verschlafen, aber mit der raschen Entwicklung des Standards bis heute wurde wichtige Zeit wettgemacht. Das wird der schnellste Standard, den das IEEE jemals abgesegnet hat.

CW: Wann wird 802.5 offiziell als Norm verabschiedet?

Olechovsky: Über den Entwurf (Draft) wird das IEEE im Juli 1998 endgültig abstimmen. Die Verabschiedung ist allerdings reine Formsache. Die Ratifizierung wird Ende 1998 erfolgen.

CW: Haben die Anwender am HSTR überhaupt noch Interesse?

Olechovsky: IBM hat, nachdem die HSTR-Initiative bekannt wurde, Umfragen von Telequest sowie IDC durchführen lassen. Beide ergaben, daß sich rund 50 Prozent der befragten Unternehmen für die schnelle Technologie interessieren.

Wir haben außerdem selbst über 500 Token-Ring-Anwender zu ihren Investitionsplänen befragt. Nur fünf Prozent gaben an, ihre Token-Ring-Netze auszumustern und sich anderen Technologien zuzuwenden. Das Interesse am Token Ring ist also weiterhin vorhanden.

CW: Ist das Interesse an Token Ring auch durch Marktzahlen belegt?

Olechovsky: Der Token-Ring-Markt ist nach wie vor sehr lukrativ. Das beweist das Geschäft mit Adaptern. 1996 wurden weltweit rund vier Millionen Token-Ring-Karten verkauft, 1997 waren es sogar 4,8 Millionen. Einen Boom erleben auch die Token Ring Switch Ports. Hier hat sich der Abverkauf im vierten Quartal 1997 verdoppelt (siehe Grafik).

CW: Worauf führen Sie diese Entwicklung zurück?

Olechovsky: Sie ist durch die deutliche Reduzierung der Kosten pro Switch-Port zu erklären. Token-Ring-Desktop-Switching wird zunehmend attraktiver, weil sich die Preise in Richtung derer von Hubs entwickelt haben.

CW: Wie viele Token-Ring-Karten sind weltweit installiert?

Olechovsky: Nach Schätzung der Marktforscher dürften es weltweit rund 20 Millionen sein.

CW: Token-Ring-Erzeugnisse waren im Vergleich zu Ethernet-Komponenten immer teurer. Wird es bei den HSTR-Produkten auch so sein?

Olechovsky: Wir müssen den Fast-Ethernet-Markt beobachten, weil die Kunden nur begrenzt bereit sind, höhere Token-Ring-Preise im Vergleich zu Ethernet zu akzeptieren. Die Tatsache, daß Token-Ring-Produkte rund 25 Prozent teurer sind, liegt darin begründet, daß die physikalischen Komponenten gegenüber Ethernet wesentlich spezifizierter sind.

Für die Kunden rechnen sich die Mehrkosten dennoch, weil sie ihre Token-Ring-Installationen behalten können. Ein Wechsel auf Ethernet oder sonstige Technologien würde wesentlich teurer kommen.

Wilber: Natürlich sind sich die Hersteller darüber im klaren, den HSTR nicht als kostspieliges High-end-Produkt vermarkten zu können. Wir werden jedenfalls versuchen, die 100-Mbit-Adapter zu einem Preis anzubieten, der dem der 4- und 16-Mbit-Karten sehr nahekommt. Außerdem, wenn Adapter künftig ohnehin Transferraten von 4, 16 und 100 Mbit/s unterstützen, werden Unternehmen aus Gründen des Investitionsschutzes mit Sicherheit diese Karten kaufen, selbst wenn sie 100 Mbit nicht nutzen.

CW: Für welches Einsatzszenario taugt der HSTR?

Olechovsky: HSTR ist optimal, wenn in Teilsegmenten des Netzes die Bandbreite erhöht werden soll. Anwendern, die zum Beispiel eine Wiring-Closet-Installation mit lokal angebundenem Server über Full-Duplex-16- Mbit-Token-Ring hatten, ging bei der Bandbreite die Puste aus. Die einzige Möglichkeit für sie ist, ATM oder Ethernet zu implementieren. ATM zu integrieren wäre zwar möglich, ist aber zu kostspielig und äußerst komplex, insbesondere in Bereichen, für die ATM eher überdimensioniert ist. ATM ist eben eine Backbone-Technologie. Bei einem Wechsel auf Ethernet wären Layer-3-Switches nötig, um Ethernet auf Token Ring zu realisieren. HSTR ist deshalb ein einfacher Weg, um auf höhere Geschwindigkeiten aufzurüsten, insbesondere im lokalen Netzszenario.

CW: Wie steht es um die Performance des HSTR?

Wilber: Tests haben ergeben, daß der HSTR einen Durchsatz von 98 Mbit/s schafft, während Ethernet im besten Fall 90 Mbit erreicht. Dieser Leistungsvorsprung ist auf eine bessere Ausnutzung der CPU und auf größere Frames zurückzuführen.

CW: Cisco Systems ist vor Wochen aus der Allianz ausgetreten. War dieser Ausstieg eines prominenten Branchenvertreters nicht ein Prestigeverlust für den Fast Token Ring?

Wilber: Es ist nichts Ungewöhnliches, daß Hersteller Allianzen beitreten und sie auch wieder verlassen. Ihr Ziel ist, den Standard in seiner Entwicklung mitzuprägen. Dies war auch bei Cisco der Fall, das sich außerordentlich engagiert hat. Die Verantwortlichen hatten einfach das Gefühl, der Standard sei ausreichend entwickelt, die Teilnahme nicht länger erforderlich. Natürlich bedauern wir den Ausstieg von Cisco, viel wichtiger ist aber, daß wir den Standard in trockenen Tüchern haben.

CW: Der Rückzug Ciscos wirkt sich also nicht auf die Normierung aus?

Olechovsky: Nein, er ist in keiner Weise für die Normierung relevant. Der Standard wird auch ohne Cisco vorangetrieben. Aus Sicht der IBM ist der Rückzug von Cisco sogar ein Vorteil, weil wir HSTR auf IBM-Routern anbieten und dieses Marktsegment für uns gewinnen können.

CW: Cisco sucht sein Heil beim 100-Mbit-Token-Ring in einem proprietären Ansatz. Die Begründung: Anwender hätten kein Interesse an einer standardisierten Lösung. Wie bewertet die Allianz diese Einschätzung?

Wilbert: Wir haben über 500 Anwender großer Token-Ring-Umgebungen befragt, ob sie einen proprietären Standard unterstützen werden. Nur ein Unternehmen war bereit, die Cisco-Lösung zu implementieren. Dieses Ergebnis spricht eindeutig für sich: Die Token-Ring-Basis fordert einen offenen Standard.

CW: Wodurch unterscheidet sich Ciscos Ansatz von dem der Allianz?

Olechovsky: Wie schon gesagt, die Lösung von Cisco ist herstellerspezifisch, funktioniert also nur innerhalb einer Cisco-Umgebung. Vereinfacht gesagt, betreibt Cisco ein Tunneling, das heißt, Token-Ring-Frames werden auf Basis des Cisco-Protokolls Inter Switch Link (ISL) über Ethernet als Transport Layer transportiert. Die Cisco-Lösung ist eine reine Switch-to-Switch-Technologie. ISL bietet aber keinerlei Switch-Server-Optionen. Gerade auf diesem Gebiet hat jedoch der kommende offene Standard unserer Meinung nach seine Vorteile. Genau im Bereich Switch-Server, das haben Umfragen bei Anwendern ergeben, liegt der größte Engpaß.

CW: Aber auch 3Com, das ebenfalls ein Mitglied der Allianz ist, geht eigene Wege.

Olechovsky: Es gibt definitiv unterschiedliche Ansätze, um Token Ring auf höhere Geschwindigkeiten zu trimmen. Der Ansatz 802.1 q von 3Com ähnelt dem von Cisco. Aber wie gesagt, die 3Com- und Cisco-Lösungen arbeiten nur von Switch zu Switch und nicht vom Switch zum Server.

CW: Wenn Cisco und 3Com ihr eigenes Süppchen kochen, wie sollen Anwender dann Vertrauen in den HSTR bekommen?

Olechovsky: Wir müssen Anwender und Analysten davon überzeugen, daß sich das HSTR-Modell ideal als Backbone-Technologie für kleine und mittelgroße Token-Ring-Netze eignet. Außerdem ist der HSTR unter dem Aspekt der Cost of Ownership eine ernsthafte Alternative.

CW: Wann ist mit HSTR-Produkten zu rechnen?

Olechovsky: Als wir uns im August 1997 zur HSTRA zusammengeschlossen haben, war unser Ziel, schnellstmöglich einen Standard zu entwickeln. Wir sind im Fahrplan geblieben und werden die in den Labors bereits entwickelten Produkte nun durch unabhängige Prüfer auf ihre Interoperabilität testen lassen. Dieser Prozeß läuft gerade an. Ab dem dritten oder vierten Quartal (siehe unten) werden also Produkte unterschiedlicher Hersteller verfügbar sein, die dann vollständig kompatibel sind.

CW: Wird es beim Token Ring bald auch einen Gbit-Standard geben?

Olechovsky: Die Aufgabe, einen 1-Gbit-TR-Standard zu entwickeln, wollen wir im Sommer in Angriff nehmen. Dazu sind wir schon deshalb verpflichtet, weil die Token-Ring-Anwender über 100 Mbit hinaus Anspruch auf eine skalierbare Lösung haben. Diese Klientel soll - ebenso wie die Ethernet-Nutzer - Anspruch auf eine kontinuierliche Upgrade-Infrastruktur bekommen.