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Düstere Zukunftsaussichten für das Verfahren

Token Ring verabschiedet sich in kleinen Schritten

17.09.1999
MÜNCHEN (ave) - Naht das Aus für den Token Ring? Seit eh und je wurde die Technologie vornehmlich in Spezialbereichen wie Banken oder Versicherungen eingesetzt. Doch auch in diesen Sektoren erobert zusehends das billigere Konkurrenzverfahren Ethernet die Herzen und Netze der Anwender.

Die Spezialisten des Beratungs- und Schulungshauses Comconsult warnen: Die Zeit des Token Ring neigt sich dem Ende zu. Die Aachener Berater sehen "ein ernstzunehmendes Risiko, daß der Token-Ring-Markt in sehr kurzer Zeit einbricht". Die Situation der Anwender der Technologie stufen sie als "heikel" ein.

Viele Faktoren tragen zu dieser Entwicklung bei. Laut IDC teilten sich bis vor kurzem drei wesentliche Player den Token-Ring-Markt: IBM besaß 49 Prozent, Madge hatte 24 und Olicom 22 Prozent Marktanteile. Diese und andere Hersteller riefen die High-speed Token Ring (HSTR) Alliance ins Leben, um eine 100 Mbit/s schnelle Variante der Technologie durchzusetzen und den Anwendern eine neue Perspektive zu bieten. Die Allianz fand jedoch nie den Zuspruch, den sie sich erhoffte, und steht mittlerweile kurz vor der Auflösung. Schon früher hatte sie mit Cisco und 3Com zwei prominente Mitglieder verloren, andere Hersteller wie Bay Networks wurden gekauft oder gaben aus sonstigen Gründen ihr Engagement auf.

Jüngstes Opfer des Konzentrationsprozesses wurde die Token-Ring-Sparte von Olicom, die der Hersteller an Madge abtrat. Seitdem sind nur noch dieser Anbieter und Big Blue aktiv in der Allianz vertreten. Dies spiegelt auch nahezu die Situation im Markt wider: Die beiden Player teilen sich den Löwenanteil des Token-Ring-Geschäfts zu fast gleichen Teilen, Anbieter wie Cisco oder 3Com fallen kaum ins Gewicht.

Kurioserweise sucht man - abgesehen von Adapterkarten - HSTR-Produkte auf den Web-Seiten von IBM vergebens, obwohl das Unternehmen noch im letzten Jahr mitgeteilt hatte, die installierte Basis weiter unterstützen zu wollen. Auch die Position von Madge in puncto Token Ring ist nicht ganz eindeutig: Robert Madge, bis vor kurzem Chairman und Chief Executive Officer (CEO) von Madge Networks, räumte gegenüber der CW ein, daß das bisherige Hauptgeschäftsfeld seines Unternehmens nur noch ein "bescheidenes Wachstum" aufweist. Der Hersteller hat vor einem knappen halben Jahr angekündigt, sich neben seinem klassischen Token-Ring-Geschäft eine neue Existenz als Anbieter von verwalteten Netzservices aufzubauen.

Dieser Schritt sorgte für Verunsicherung unter den Token-Ring-Anwendern. Damit erweckte der Anbieter nämlich den Anschein, er wolle sich rechtzeitig vor dem endgültigen Aus für die Technologie ein neues Unternehmensstandbein schaffen.

Aus der Luft gegriffen sind die Zweifel der Anwender nicht. Dan McLean, Research Manager bei International Data Corp. (IDC), weist darauf hin, der Token Ring sei Ethernet zwar technologisch überlegen, habe aber unter anderem aus Kostengründen nie eine wirkliche Chance gehabt, sich am Markt durchzusetzen. "Heute baut niemand mehr neue Token-Ring-Infrastrukturen auf", berichtet er und ergänzt: "Versuchen Sie mal, einen Service-Provider zu finden, der so eine Implementierung vornimmt - das ist alles andere als einfach." Seiner Meinung nach kann auch eine technologische Weiterentwicklung wie High-speed Token Ring (HSTR) "das Ende von Token Ring nur hinauszögern". Eine Befragung von 200 Token-Ring- Anwendern durch IDC ergab, daß mehr als 60 Prozent planen, ihren Backbone auf Ethernet, Asynchronous Transfer Mode (ATM) oder Fiber Distributed Data Interface (FDDI) umzurüsten.