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14.08.1987

Toleranzgrenze

In der Frage von Konzentration und Wettbewerb gibt Lufthansa-Chef Heinz Ruhnau keinen Pardon: "Wer (aber) die größte Marktmacht hat, der kann auch das Aufkommen von Newcomern verhindern oder kleinere aufnehmen, weil der Kleine gegen ihn gar keine Chance hat. Er kann ihn mühelos unterbieten, denn der schmale Streifen, in dem konkurriert wird, das sind für den Kleinen 100 Prozent, für den Großen aber nur 2 Prozent." (Zitat aus "Süddeutsche Zeitung")

Für Ruhnau ist es kein Widerspruch, daß ein modernes DV-Transaktionssystem den Wettbewerb gerade unter denjenigen Airlinern fördern soll, die sich zur Einführung und gemeinsamen Nutzung der neuen Technik, hier des Online-Vertriebssystems "Amadeus", zusammengefunden haben. Der oberste Lufthansa-Manager stößt sich auch nicht daran, daß das Einschwenken der bisherigen Sperry-Anwender Lufthansa, Air France, Iberia und SAS der IBM die Netzhoheit im Luftverkehr verschafft (siehe auch Seite 1: Zitat der Woche).

Ein Grund, dem Amadeus-Quartett den fachjournalistischen Applaus zu verweigern, läßt sich aus der Ruhnau-Logik herleiten, die auf den schmalen Grat zwischen Verdrängungsabsicht (siehe oben) und Monopolverdacht abzielt: Es gibt das marktpolitische Kalkül der IBM, die BUNCH und Newcomer, also sämtliche Nicht-IBM-Anbieter, mit Zuckerbrot und SNA auf Distanz zu halten. Wie das geht, hat der DV-Multi oft genug vorexerziert. Im Mainframe- und Netzbereich, bei großen Dienstleistern wie Banken, Versicherungen und Touristik-Unternehmen etwa, befindet sich die IBM heute in einer Quasi-Monopol-Position. Woher wissen die Anwender mit IBM-kompatiblen Zentraleinheiten eigentlich, wie die PCM-, Speicher- und Terminal-Hersteller das Schnittstellen-Know-how bilden sollen, jede Entwicklung der großen IBM nachzuvollziehen?

Das Problem von heute ist indes nicht so sehr, daß die Amdahls und Tandems dieser Netzwerk-Welt Anbieter von IBMs Gnaden sind. Die DV, da hat Ruhnau recht, wird für Serviceorientierte Anwenderfirmen immer mehr die einzige Chance, ihre Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen. Informationstechniken, dies gilt es zu beachten verstärken aber auch die Wettbewerbsintensität - die Vernetzung der Systeme führt zur Abhängigkeit von "Information"(Amadeus-Effekt).

Als ob dies nicht genug der Verwirrung wäre, glauben es sich viele Anwender leisten zu können, die Abhängigkeit von einem DV-Hersteller hinzunehmen. Dabei käme es doch gerade darauf an, sich bei der Entscheidungsfindung in Sachen Informationstechnik für die 90er "Jahre" möglichst viele Optionen offenzuhalten. Eile ist nicht geboten, denn vorerst jongliert die DV-Industrie mit "Erwartungen" - CIM und Office Automation sind dafür typische Beispiele.

Das Problem von heute ist, daß das Quasi-Monopol der IBM im Markt der Unternehmensdatenverarbeitung von ihren Kunden und Konkurrenten toleriert wird - da regt sich kaum Widerspruch, ja die IBM wird noch in Watte gepackt. Angesichts der zunehmenden Komplexität vernetzter Transaktionssysteme scheint die Toleranzgrenze überschritten. Die neue Informationstechnik, dies das Fazit, ist für die Anwenderfirmen zu wichtig geworden, als daß sie den DV-Spezialisten überlassen werden sollte zu wichtig auch, um sich auf einen DV-Hersteller allein zu stützen.