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22.05.1987 - 

Terminal-Emulation und File-Transfer allein machen noch keine Lösung aus

Tools für die PC-Mainframe-Integration noch Mangelware

Personal Computing auf Sachbearbeiter-Ebene ist heute eine Selbstverständlichkeit, trotzdem wird der PC jedoch nur zögernd in EDV-Gesamtkonzeptionen integriert. Es wird zwar mehr und mehr versucht, mit Terminalemulation und File-Transfer die scheinbar unüberwindbare Mauer zwischen Arbeitsplatzrechner und zentraler DV einzureißen, der entscheidende Durchbruch ist aber bis heute nicht gelungen. Das liegt im wesentlichen am fehlenden Instrumentarium. das die bewährten Mainframe-Methoden auf den PC portiert. Deshalb ist im folgenden ein Anforderungsprofil für ein Instrumentarium skizziert. mit dem eine moderne PC-Mainframe-Integration ermöglicht werden soll.

Eine sinnvolle Arbeitsteilung zwischen PC und Mainframe ist nur möglich, wenn beide

- die gemeinsamen Hardware- und Software-Ressourcen wechselseitig nutzen können und

- über eine einheitliche Programmieroberfläche verfügen.

Diese Grundanforderungen müssen sich an den Rahmenbedingungen orientieren, wie wir sie heute in der EDV-Welt vorfinden:

- Bei zunehmender Komplexität der Aufgabenstellung sind die Endanwender überfordert, ihre spezifischen Aufgaben mit Endanwendersystemen selbst zu lösen. EDV-Profis müssen ergänzend eingesetzt werden.

- Abteilungsübergreifende Aufgaben sind nur innerhalb eines EDV-Gesamtkonzepts lösbar und setzen die Unterstützung durch die EDV-Abteilung voraus.

- Neue Anwendungen müssen nicht zwingend mit neuen Methoden erschlossen werden, weil ein Instrumentarium um so effizienter ist, je mehr es das im Unternehmen vorhandene Wissen integriert. Im Umfeld moderner Dialogprogrammierung betrifft das vor allem die "klassischen" Programmiersprachen und die Techniken der Mainframe-TP-Monitore.

Unter diesen Prämissen muß ein Instrumentarium für die PC-Mainframe-Integration den professionellen Anwendungssoftware-Entwickler beim Lösen der folgenden Aufgaben in wirtschaftlicher Weise unterstützen:

1) Entwickeln von Dialoganwendungen, einheitlich für PC und Mainframe;

2) Flexible Programm-zu-Programm-Kommunikation zwischen Mainframe und PC;

3) Entwickeln von Mainframe-Anwendungen auf dem PC

4) Realisieren einheitlicher Anwendungslösungen für PC und Mainframe.

Gespiegelt an diesen Aufgaben sollte ein Instrumentarium für die PC-Mainframe-Integration über die im folgenden grob umrissenen Bausteine und Funktionen verfügen.

Funktion 1: Entwicklungsumgebung für Dialoganwendungen

Moderne Dialoganwendungen sollten mit einer für PC und Mainframe einheitlichen Masken- und Dateiverarbeitung realisierbar sein. Für die Maskenerstellung sollte folgendes gelten:

- Fullscreen-Maskeneditor,

- Maskenfeldbezogene Attributzuordnung, z. B. für Farbe, Feldtyp und Prüfvorschrift,

- Masken- und feldbezogener Datenschutz,

- Zusammenfassen verschiedener Masken zu einer Maskengruppe,

- Masken- und feldbezogene Bedienerführungen,

- Maskentest in der Designphase.

Bei der Maskenverarbeitung müßten die folgenden Funktionen im Vordergrund stehen:

- Masken- und Feldverarbeitung über ein separates Laufzeitsystem,

- Aufruf des Laufzeitsystems über CALL aus mehreren Programmiersprachen,

- Ändern von Feldattributen, Feldpositionen und Prüfvorschriften zur Laufzeit,

- Unterstützen von Ein- und Ausblendungstechniken (Window-Technik),

- Maskengruppenverarbeitung mit selbsttätigem Vorwärts- und Rückwärtsblättern.

Die Dateiorganisation sollte folgendes berücksichtigen:

- Dateiverarbeitung über ein separates Laufzeitsystem,

- Generic- und Split-Keys; Matchcode,

- Reorganisationsfreiheit; Freiplatzverwaltung,

- DOS-Pfadkonzept; Dateitest in der Designphase

- Großzügige Dimensionierbarkeit von Dateien und Datensätzen.

Funktion 2: Kommunikation

Bausteine und Funktionen für die PC-Mainframe-Kommunikation sollten die gebräuchlichen Kommunikationsprozeduren und -Hardware-Komponenten unterstützen. Ein Beispiel für IBM-Rechner veranschaulicht hierfür Bild 1. Im einzelnen muß die Kommunikation folgendes leisten:

- Terminalemulation, bidirektionaler File-Transfer,

- Frei programmierbare Programm-zu-Programm-Kommunikation,

- Gleichzeitige Verbindung zu verschiedenen TP-Monitoren.

Funktion 3: Mainframe-Anwendungen auf dem PC

Der TP-Monitor CICS für IBM-Großrechner beispielsweise stellt Service-Funktionen für Terminal- und Dateiverarbeitung sowie für Programmverbindungen bereit, die in Anwendungsprogrammen zur Laufzeit über CICS-Befehle aktiviert werden. Ein Instrumentarium, das die CICS-Programmierung auf dem PC unterstützen soll, muß nun folgendes anbieten:

- CICS-Prozessor-Funktion: CICS-Befehle in die zulässigen Befehle der jeweiligen Programmiersprache umsetzen.

- CICS-Simulation: CICS-Befehle offline auf dem PC durchführen unter Einbeziehung der PC-Umgebung.

- CICS-Emulation: CICS-Befehle unter Einbeziehung der Mainframe-Umgebung ausführen, mit Durchgriff auf Mainframe-Dateien, -Datenbank und -Programme von PC-Programmen aus.

Bei der CICS-Simulation muß es möglich sein, mit Original-CICS-Befehlen entsprechende Funktionen wie Datei- und Bildschirmverarbeitung sowie Programmverbindungen offline in der PC-Umgebung auszuführen.

Wesensmerkmal der CICS-Emulation muß sein, CICS-Programme auf dem PC zu erstellen, deren komplette Programmlogik auf dem PC auszuführen, wobei aber Zugriffe auf Dateien und Programme zum Mainframe weitergeleitet und dort von einem allgemeinen CICS-Request Driver abgehandelt werden. Damit kann die PC-Anwendung mit Original-CICS-Befehlen auf die gesamte Mainframe-Umgebung durchgreifen. Hierfür dürfen jedoch keine besonderen Vorkehrungen für die PC-Mainframe-Kommunikation oder für die Befehlsausführung auf dem Mainframe erforderlich werden.

Funktion 4: Einheitliche Anwendungslösungen

Durch kombiniertes Anwenden der hier beschriebenen Funktionen muß das Instrumentarium für die PC-Mainframe-Integration die Möglichkeit bieten, PC und Mainframe in einheitliche Anwendungslösungen einzubeziehen. Diese müssen den Endanwender unabhängig machen von der Fragestellung, welches System (PC oder Mainframe) seine jeweilige Aufgabe am besten löst, das heißt, der Endanwender muß über einen PC verfügen, der fallweise ohne Bedienereingriff direkt auf die Mainframe-Umgebung durchgreift. Eine für PC und Mainframe einheitliche Systemsteuerung muß ferner die Umschaltung zwischen reinen PC- und Mainframe-Anwendungen sowie gemischten Anwendungen unterstützen. Da das Mainframe-Security-System stets aktiv ist, kann der EDV-Leiter nun auch PC-Anwendungen zulassen, die einen direkten Update sensibler Mainframe-Daten bewirken.

Der Markt bietet heute viele Lösungen an, die bei Terminalemulation und File-Transfer stehengeblieben sind. Wenige Produkte gehen darüber hinaus und gestatten den dedizierten Zugriff auf Mainframe-Datenbestände, zum Beispiel mit einer Query Language. In Summe reicht das aber bei weitem nicht aus, eine volle PC-Mainframe-Integration zu realisieren. Das Instrumentarium für eine schrittweise ausbaubare PC-Mainframe-Integration (siehe Bild 2) ist gemäß den hier genannten Funktionen deshalb idealerweise ein System von aufeinander abgestimmten Software-Tools, wie zum Beispiel das System "Verus" der DVO - das den personellen Anwendungssoftware-Entwickler unterstützt. Bei diesem System ist es auch unerheblich, ob der Entwickler überwiegend oder ausschließlich PC- oder Mainframe-Anwendungen erstellt.