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13.05.1983

Tools: Wirtschaftlichkeit im voraus schwer kalkulierbar

Einig sind sich die DV-Verantwortlichen darin, daß der richtige Einsatz von Software-Tools Die Produktivität bei der Programmentwicklung steigert und zu besseren Arbeitsergebnissen führt. Unsicher reagieren die Entscheider allerdings, wenn es darum geht, vor der Anschaffung die tatsächliche Wirtschaftlichkeit zu messen. Als besonders problematisch erweist sich die Berechnung der nicht quantifizierbaren Faktoren wie größere Anwenderzufriedenheit oder termingerechte Kundenbetreuung. Davon sollten sich die Datenverarbeiter aber nicht abschrecken lassen, Tools einzusetzen, meint Frank Ebbesen, Geschäftsführer bei Prompt DV Informations-Systeme in Quickborn. Es sei besser, nach Anschaffung eines Werkzeugs flexibel, als bei der Wirtschaftlichkeitsberechnung perfekt zu sein. (ih)

Joachim Spöth Leiter DV/Org. Grünenthal GmbH, Pharmaunternehmen, Stolberg

Kein halbwegs gescheiter EDV-Profi schreibt heute noch Anwendungssoftware in Assembler oder bastelt seinen Sort selbst. Selbstverständlich wird in einer höheren Programmiersprache entwickelt, werden Copy-Strecken angelegt und der Editor virtuos beherrscht.

Wäre eine Standard-Programmier-Logik im Cobol-Compiler enthalten oder ein Data Dictionary zwangsweise im Betriebssystem integriert, würden auch diese Werkzeuge selbstverständlich genutzt. Der Nutzen käme uns dann automatisch zugute, er bräuchte nicht in Frage gestellt oder berechnet zu werden.

Die gewollten oder ungewollten Versäumnisse der Mainframer zwingen den weitblickenden EDV-Chef zu handeln. Aber es wird ihm schwer gemacht vom Mainframer, der Tools anbietet, sie aber im eigenen Haus nicht nutzt. Diverse Software-Werkzeuge müssen also untersucht und ausgewertet werden, Kosten und Nutzen werden gegenübergestellt, die Geschäftsführung muß gewonnen werden, die eigenen Mitarbeiter überzeugt werden und last not least, die Werkzeuge müssen auch wirklich angewendet werden. Dies alles ist eine wesentliche Bewährungsprobe für den EDV-Leiter.

Dabei bedarf es keiner Frage, daß jedes gute Tool - in der richtigen Umgebung konsequent eingesetzt - wirtschaftlich ist. (Die Datenverarbeitung mal insgesamt als Werkzeug betrachtet, gründet ihren phänomenalen Verbreitungsgrad in allererster Linie auf wirtschaftliche Aspekte.) Wir setzen in unserem Haus seit über zehn Jahren einen Generator für normierte Programmierung ein, mehr als 2000 Programme haben wir damit generiert. Wenn man nur einen einzigen Tag Arbeitsersparnis pro Programm ansetzt und den Tag nur mit 400 Mark Kosten bewertet - so hat uns der Generator schon 800 000 Mark eingespart. In Wirklichkeit ist die Ersparnis sogar ein Vielfaches davon, sowohl bei der Programmentwicklung als auch beim Test, bei der Wartung und nicht zuletzt bei den Rechenkosten. Von den vermiedenen tausenden schlaflosen Nächten will ich gar nicht erst groß sprechen. Gekostet hat uns das 30 000 Mark und den Kopf des damaligen Chefprogrammierers.

Ebenso setzen wir Listengeneratoren, ein bewährtes Data Dictionary und andere selbst entwickelte Tools ein, jedes einzelne Instrument hat sich schon längst mehrfach amortisiert.

Die Unfähigkeit unseres Mainframers, uns rechtzeitig die richtigen, sprich, einfachen, praktikablen Werkzeuge zur Verfügung zu stellen, hat uns zur Selbsthilfe greifen lassen. Wir haben einen Maskengenerator (Grundbild), eine universelle Dialog-Datenverarbeitung (Grunidav) und einen TP-Monitor entwickelt. Auch diese Vorhaben sind nach unserer Kalkulation äußerst wirtschaftlich.

Rainer Jung Unternehmensberater, Wiesbaden

Seit der Entwicklung und Erfindung von Werkzeugen würde kein Mensch mehr auf die Idee kommen, diese Werkzeuge durch Menschen zu ersetzen, um den gleichen Arbeitserfolg beziehungsweise -ergebnis zu erhalten. Diese Entwicklung hat seit Jahrhunderten die Produktivität gesteigert beziehungsweise die Kosten gesenkt und zu besseren Arbeitsergebnissen geführt. Dies gilt auch oder ganz besonders im Zeitalter der EDV. Wenn es um den Einsatz von Software-Tools, sprich Werkzeugen, geht, so ist vorher grundsätzlich eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung durchzuführen. Hier geht es nicht um die Frage, ob zum Beispiel eine zusätzliche Programmiertruppe den Einsatz von Programmierhilfen überflüssig macht, sondern um die Frage, welches der vorhandenen Hilfsmittel oder Werkzeuge zum Einsatz kommen soll, um den größtmöglichen Erfolg zu erzielen.

Die angesprochenen Wirtschaflichkeitsüberlegungen sind Voraussetzung jeder EDV-Aktivität. Hierbei tauchen jedoch Schwierigkeiten auf, da es in der Praxis häufig an Verfahren mangelt, die voraussichtlichen Erträge und manchmal auch die Kosten eines Projekts zu bestimmen. Problematisch ist mitunter auch die Bewertung der nicht quantifizierbaren Elemente, die ein Werkzeug mit sich bringt, wie zum Beispiel größere Anwenderzufriedenheit termingerechtere Kundenbetreuung, Erweiterung und Verbesserung der zur Verfügung stehenden Informationen.

Wie bei der Umstellung von bisher manuellen Arbeitsabläufen zu einer Automation eine Analyse durchzuführen ist, so auch hier.

Bei der Realisierung von EDV-Anwendungen sind einmalige Aufwendungen wie

- Systemanalyse Org./EDV,

- Beteiligung der Fachbereiche,

- Programmierung und zugehöriger Test,

- Parallelläufe,

- Schulung und Einführung und laufende Aufwendungen in Zeit- oder Arbeitseinheiten wie

- laufende Datenerfassung,

- Maschinenzeiten,

- Wartung,

- Sonstiges (Papier, Datenträger und so weiter) zu unterscheiden.

Berücksichtigt werden müssen auch die Kosten der bisher laufenden Verfahren beziehungsweise die Einsparungen die durch den Einsatz von Werkzeugen oder Umstellungen realisiert werden können. Ähnliches gilt auch für den Einsatz von Werkzeugen im Rechenzentrum selbst.

Beim Einsatz von automatischen RZ-Planungs- und -Jobsteuerungssystemen, von Plattenverwaltungssystemen und beim Einsatz von einem solch simplen Werkzeug wie einer Magnetbandverwaltung, liegen die Vorteile auf der Hand:

- größerer Durchsatz,

- zeitgerechtere Bearbeitung,

- Reduzierung der Schichtbetriebe,

- mögliche operatorlose Nachtschicht,

- geringerer Speicherplatz bedarf,

- absoluter Daten- und Dateischutz.

Mögliche Personalfreisetzungen sind mit Hilfe von Tätigkeitsanalysen durchzuführen. Die Bestimmung und Gewichtung der genannten Kriterien im Rahmen solcher Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen sind jedoch unbedingt betriebsspezifisch durchzuführen.

Die Frage - Software-Tool oder neues Personal - beantwortet sich eindeutig zu Gunsten des Werkzeugs.

Frank Ebbesen Geschäftsführer Prompt DV Informations-Systeme GmbH, Quickborn

Die Anschaffung von Softwaretools beziehungsweise -werkzeugen ist Deutschland noch lange keine Selbstverständlichkeit. Es gibt viele Gründe dafür. Hier einige der wichtigsten:

- Die Entscheidung, ein Werkzeug einzusetzen, also der Preis, ist kostenmäßig exakt meßbar, der Nutzen nicht. Der Nutzen kann nur ungefähr berechnet werden, wobei der Faktor Zeitersparnis eine große Rolle spielen dürfte. Trotzdem ist und bleibt der Kauf ein Risiko.

- Die Schwierigkeit zu definieren, was genau benötigt wird. Problematisch ist hierbei, daß ein DV-Leiter heute meist nicht die Zeit hat, sich mit den von Mitarbeitern an ihn hernagetragenen Wünschen nach Hilfsmitteln so zu beschäftigen, wie es nötig wäre.

- Das Problem festzustellen ob es das benötigte Tool auf dem Markt überhaupt gibt.

- Und wenn ein Werkzeug angeboten wird, herauszufinden, ob es qualitativ gut ist.

Was soll der Anwender tun Der Rat sich einen Berater für eine solche Entscheidung zu suchen, ist nur dann sinnvoll, wenn beide wirklich zusammenarbeiten. Der Externe sollte den Mitarbeitern helfen, durch eine Schulung die Fragen richtig zu stellen und nach Lösungsmöglichkeiten zu suchen.

Die Frage ist nun, ob sich die ganze Mühe lohnt, ober ob man die Anschaffung von Softwaretools dann nicht ganz bleiben lassen sollte. Meine Meinung: Es lohnt sich. Wer keine Werkzeuge und Programmiermethoden einsetzt, seien es eigene oder fremde, sollte möglichst bald damit anfangen. Werkzeuge bringen eine wesentlich höhere Effizienz, und es ist besser, mehr Flexibilität zu erreichen als hohe Perfektion. Flexibilität bringt Geld - Perfektion kostet Geld. Jeder Markt hat gute und schlechte Produkte, und von daher kann es jedem passieren, einemal eine falsche Entscheidung zu treffen. Eine falsche Entscheidung ist aber immer noch besser als gar keine.