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29.04.2010

TOP DE: Auch MAN sieht Signale für anhaltende Branchenerholung

Von Nico Schmidt DOW JONES NEWSWIRES

Von Nico Schmidt DOW JONES NEWSWIRES

FRANKFURT (Dow Jones)--Mit Rückenwind vom boomenden brasilianischen Markt hat der Lkw- und Motorenbauer MAN im ersten Quartal einen deutlich höheren operativen Gewinn verbucht. Da sich das Europa-Geschäft aber erneut schwach entwickelte, blieben die Münchener leicht hinter den Erwartungen zurück.

Obwohl die weltweite Nachfrage merklich anzog und die Auftragseingänge zwischen Januar und März in die Höhe schnellten, gab der DAX-Konzern am Donnerstag erneut keine konkrete Prognose ab. Wie bereits die Wettbewerber in den vergangenen Tagen sieht aber auch MAN Signale für eine anhaltende Erholung der krisengebeutelten Branche.

Diese machte sich im Auftaktquartal vor allem in den Bestellbüchern bemerkbar: Die Auftragseingänge, die ein wichtiger Indikator für die zukünftige Entwicklung sind, legten gegenüber dem extrem schwachen Vorjahr um 54% auf 3,52 Mrd EUR zu. Der Umsatz stieg um 22% auf 3,12 Mrd und lag damit auf dem Niveau der Vorquartale.

In den ersten drei Monaten des Jahres profitierte MAN massiv von der starken Entwicklung des Brasiliengeschäfts, das die Münchener Anfang 2009 von ihrem Großaktionär Volkswagen für rund 1,2 Mrd EUR übernommen hatten. MAN Latin America wurde im Auftaktquartal 2009 noch nicht in den Büchern erfasst und trug nun 716 Mio EUR zum Umsatz der Münchener und 70 Mio EUR zum operativen Gewinn bei. Befeuert wurde die Nachfrage dort durch Steuersenkungen durch die brasilianischen Regierung.

Das Brasiliengeschäft bildet gemeinsam mit der "alten" Nutzfahrzeugsparte, in der aufgrund der geringen Kapazitätsauslastung erneut tiefrote Zahlen geschrieben wurden, den Geschäftsbereich "Commercial Vehicles". Dort legten die Einnahmen um gut ein Drittel auf 2,17 Mrd EUR zu und der operative Gewinn auf 13 (5) Mio EUR. Im zweiten Geschäftsfeld "Power Engineering", in dem die fusionierte MAN Diesel & Turbo sowie die Getriebesparte Renk aufgegangen sind, wurden 974 Mio EUR erlöst und 118 (132) Mio EUR Gewinn erwirtschaftet.

Der neue MAN-Vorstandssprecher Georg Pachta-Reyhofen erklärte: "Die Quartalsergebnisse zeigen, dass die Internationalisierung mit Fokus auf die BRIC-Länder bereits Früchte trägt." MAN sei mit dem Engagement in den wachstumsstarken Ländern Brasilien, Russland, Indien und China auf einem sehr guten Weg. Nach der Übernahme des VW-Lateinamerikageschäfts hatte sich MAN beim chinesischen Lkw-Hersteller Sinotruk eingekauft, um am Wachstum des Marktes teilzuhaben. Im ersten Quartal trug diese Beteiligung 6 Mio EUR zum operativen Gewinn von MAN bei.

Am Aktienmarkt wurden die Erstquartalszahlen gemischt aufgenommen. Zwar legte der Auftragseingang deutlicher zu als erwartet, angesichts der starken Zahlen, die die MAN-Konkurrenz in den vergangenen Tagen vorgelegt hatte, war auf eine deutlichere Gewinnsteigerung gehofft worden. Nachdem die MAN-Aktie mit Kursverlusten in den Handel gestartet war, drehte das Papier am frühen Mittag ins Plus und notierte gegen 12.56 Uhr bei 67,89 EUR - entsprechend einem Plus von 1,6%.

Im vergangenen Jahr hatte die Lkw-Branche massiv unter der Wirtschaftskrise gelitten. Die Bestellungen von MAN waren um fast ein Drittel eingebrochen; im Nutzfahrzeuggeschäft sogar um mehr als 40%. Die wichtigsten Konkurrenten hatten allesamt tiefrote Zahlen geschrieben. Die Bayern hatten daraufhin ein umfassendes Sparprogramm gestartet. 2009 sanken die Kosten dank des Maßnahmenpakets um mehr als 700 Mio EUR. Auch in diesem Jahr soll der Sparkurs fortgesetzt werden: Angesichts des in Europa weiter schwierigen Marktumfelds werde MAN nicht nachlassen, weiter Kosten zu senken und die Effizienz zu steigern, sagte Pachta-Reyhofen.

Dass sich das Umfeld zum Jahresauftakt aber deutlich verbesserte, zeigt ein Blick auf die Zahlen der größten MAN-Konkurrenten, die sich bereits vor den Münchenern in die Bilanz hatten schauen lassen: Der weltgrößte Lkw-Hersteller Daimler schrieb zwischen Januar und März einen operativen Gewinn von 130 Mio EUR und verdreifachte vor einigen Tagen das Gewinnziel für 2010.

Die weltweite Nummer Zwei, Volvo, konnte nach sechs verlustreichen Quartalen in Folge entgegen den Erwartungen einen operativen Gewinn in Milliardenhöhe einfahren und der Volkswagen-Tochter Scania gelang es, den operativen Gewinn fast zu vervierfachen. Sämtliche Konzerne berichteten zudem von Erholungstendenzen.

Bei den Erwartungen für das laufende Jahr blieb MAN wenig konkret. Die ersten Anzeichen einer Erholung im europäischen Nutzfahrzeugmarkt auf niedrigem Niveau sollten sich 2010 fortsetzen, hieß es von den Münchenern. MAN Latin America werde aufgrund der positiven Marktentwicklung in Brasilien weiterhin ein stabiler Ergebnisträger bleiben. Sollte der Positivtrend auf den europäischen Nutzfahrzeugmärkten anhalten, werde sich das Geschäftsfeld Commercial Vehicles weiter verbessern.

Im Geschäftsfeld Power Engineering rechnet MAN mit einem weiter niedrigen, aber stabilen Auftragsniveau. Dank des hohen Auftragsbestands soll hier die Zielrendite von 8,5% aber übertroffen werden. Auf Konzernebene erwartet MAN eine "Fortsetzung des positiven Trends".

Pachta-Reyhofen hatte Mitte Februar für 2010 ein stabiles operatives Ergebnis in Aussicht gestellt. 2009 hatte MAN operativ trotz der schweren Krise noch gut eine halbe Milliarde Euro verdient - fast drei Viertel weniger als noch 2008. Netto waren die Münchener aufgrund von Abschreibungen und Kosten im Zusammenhang mit der Schmiergeldaffäre sogar in die roten Zahlen gerutscht.

Webseite: www.man.de - Von Nico Schmidt, Dow Jones Newswires; +49 (0)69 297 25 114; nico.schmidt@dowjones.com DJG/ncs/brb Besuchen Sie auch unsere Webseite http://www.dowjones.de

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