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04.08.2010

TOP DE: Siemens will für Wechsel in neue SIS 3 Jahre Kündigungsschutz geben - Kreise

Von Matthias Karpstein DOW JONES NEWSWIRES

Von Matthias Karpstein DOW JONES NEWSWIRES

MÜNCHEN (Dow Jones)--Der Siemens-Konzern steht bei der Ausgliederung seiner IT-Sparte SIS nach zähen Verhandlungen mit den Arbeitnehmern kurz vor dem Ziel. Der DAX-Konzern will Mitarbeitern, die in die neue, eigenständige SIS-Gesellschaft übergehen, drei Jahre Kündigungsschutz gewähren, wie Dow Jones Newswires von mehreren mit der Angelegenheit vertrauten Personen erfahren hat. Mit dem Angebot will Siemens den Übergang in die neue SIS attraktiver machen und somit die bislang verwehrte Zustimmung der Arbeitnehmerseite erreichen.

Siemens ist seit Jahren unzufrieden mit den Ergebnissen der IT-Sparte Siemens IT Solutions and Services (SIS). Im abgelaufenen dritten Quartal fiel ein Minus von 81 Mio EUR an, im Vorjahresquartal war noch ein kleines Plus von 19 Mio EUR gelungen. Im März hatte der Technologiekonzern daher angekündigt, bei SIS weltweit 4.200 Stellen zu streichen und die Sparte auszugliedern, um sie fit für die Partnerschaft mit einem Wettbewerber oder gar für einen Börsengang zu machen.

Auch nach Käufern für SIS hatte sich Siemens bereits umgesehen, die Großkundensparte der Deutschen Telekom, T-Systems, hat aber schon dankend abgelehnt. Die Pläne für einen Kauf von SIS "haben wir ad acta gelegt", hatte Reinhard Clemens, CEO von T-Systems, Ende April gesagt.

2.000 der 4.200 SIS-Stellen will Siemens den bisherigen Plänen zufolge in Deutschland streichen, wo im abgelaufenen Geschäftsjahr 2008/2009 (30. September) rund 9.700 der weltweit gut 35.000 SIS-Beschäftigen gearbeitet haben. Die Verhandlungen über den Stellenabbau mit der Arbeitnehmerseite gestalteten sich dabei für Siemens bislang schwieriger als erwartet. Ursprünglich wollte der DAX-Konzern zum 1. Juli die rechtliche Verselbständigung der Sparte erreichen. Diese Frist musste das Management bereits verstreichen lassen.

Zur Vorlage der Drittquartalszahlen vor einer Woche bezeichnete Finanzvorstand Joe Kaeser die Gespräche mit den Arbeitnehmern als "schwierig, aber konstruktiv". Er sah aber gleichzeitig "eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass die Kosten für SIS noch im vierten Quartal gebucht werden können". Für die Ausgliederung und Restrukturierung von SIS rechnet Siemens mit Kosten von 500 Mio EUR.

Am heutigen Mittwoch stellt Siemens der Arbeitnehmerseite das Angebot eines dreijährigen Kündigungsschutzes in der Sitzung des Wirtschaftsausschusses vor, wie es von mehreren mit der Angelegenheit vertrauten Personen hieß. "Wir befinden uns mit den Arbeitnehmervertretern in Gesprächen über die Maßnahmen bei der SIS im Rahmen unserer heutigen Wirtschaftsausschussitzung. Nach Abschluss der Sitzung werden wir uns noch im Laufe des Tages öffentlich zum Ergebnis der Gespräche äußern", sagte ein Siemens-Sprecher am Mittwoch auf Anfrage. Zu Details der Gespräche wollte er sich nicht äußern.

Die IG Metall hat sich bisher vehement gegen die Ausgliederung gewehrt. Der Verbleib der SIS in der Siemens AG ist eine Kernforderung der Gewerkschaft, die sie seit Monaten in Montagsspaziergängen auf die Straße trägt. Nun werden IG Metall und der Gesamtbetriebsrat von Siemens über das Angebot des Kündigungsschutzes beraten. Beim Stellenabbau ist man sich über rund 1.400 Stellen bereits einig geworden, die vor allem über Altersteilzeit abgebaut werden sollen.

Im Wirtschaftsausschuss wird zudem auch über den Problembereich Electronic Design and Manufacturing (EDM) beraten, einer weiteren Baustelle des DAX-Konzerns, wie zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen sagten. Siemens hatte vor zehn Monaten angekündigt, das Geschäftssegment EDM auszugliedern. EDM ist mit insgesamt rund 650 Mitarbeitern innerhalb der Division Industry Solutions (IS) für die kundenspezifische Entwicklung und Fertigung von Industrieelektronik zuständig.

Bei EDM sieht Siemens keine Synergien zu den Aktivitäten der Division IS und will den Bereich daher in eine eigenständige Gesellschaft ausgliedern. Der Fertigungsstandort München soll dabei geschlossen werden, Vertrieb und Entwicklung sollen allerdings in München erhalten bleiben. Bei EDM seien aber noch viele Fragen offen, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person.

Seit Januar laufen laut IG Metall die Verhandlungen mit Siemens über die Ausgliederung von EDM. Mittlerweile sei ein Interessenausgleich gefunden worden, betriebsbedingte Kündigungen soll es demnach nicht geben. Zudem soll den bisherigen Plänen zufolge zu Beginn des kommenden Jahres eine Beschäftigungsgesellschaft gegründet werden. Nach erfolgter Ausgliederung will Siemens für EDM alle Optionen prüfen.

Webseite: www.siemens.com -Von Matthias Karpstein, Dow Jones Newswires, +49 8955214030, matthias.karpstein@dowjones.com DJG/mak/kgb/brb

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