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31.07.1981 - 

MIT arbeitet an Executive Information Support (ElS)-Systemen:

Top-Entscheider greifen auf EIS zu

CAMBRIDGE/MASS. (cw) - Manager auf Geschäftsführerebene werden in den nächsten Jahren viel mehr als bisher selbständig auf die in den Computersystemen gespeicherten Daten zugreifen müssen. Diese Ansicht vertrat kürzlich ein Wissenschaftler des Massachusetts Institute of Technology (MIT) auf einem Seminar dortselbst.

Eine Datensichtstation zur Online Abfrage neben dem Schreibtisch haben erst wenige der Top-Manager, die an der Spitze von Großunternehmen stehen, bemängelte Dr. John F. Rockart. Normalerweise delegieren die Top-Manager die Interpretation von Daten, die in den Prozeß der Gesamtplanung eingehen, an die Planungsabteilungen. Das dürfte sich nach' Ansicht von Rockart rasch ändern. Rockart leitet das Center für Information Systems Research (CIRS) an der Sloan School of Management des MIT. Anläßlich eines jährlichen Seminars, auf dem neueste Ergebnisse aus dem Gebiet der Systemforschung bekanntgegeben werden, betonte Rockart, daß obere und oberste Führungskräfte von sich aus den interaktiven Zugriff zu leicht abzufragenden Datenbanken verlangen. Mit dem Lernen komplizierter Abfragesprachen wollten sie allerdings nichts zu tun haben, fügte er hinzu.

Die gegenwärtigen Technologien haben zwar bereits hier und da zu derartigen Systemen des "Executive Information Support" (EIS) geführt, bei Sloan und an anderen

Forschungsstätten arbeitet man aber noch an den Grundlagen, auf denen die Methoden zum erfolgreichen Betrieb von EIS-Systemen der Zukunft aufgebaut werden können. Bei einer eingehenden Untersuchung von 20 amerikanischen Großunternehmen, die zwei Jahre in Anspruch nahm, konnte Rockart eine ganze Reihe unterschiedlicher Vorgehensweisen bei der Einrichtung von Systemen zur Unterstützung des Entscheidungsprozesses feststellen. Gleichzeitig fand er fünf Elemente, die in jedem Fall vorliegen müssen, um Systemen dieser Art zum Erfolg zu verhelfen.

Zugänglich und änderungsfähig

Erstens setzt das ElS-System eines Unternehmens eine "Datenbank zur Informationsunterstützung" voraus. Sie enthält Datentabellen, die gelegentlich auch unvollständig sein können, Ieicht zugänglich und änderungsfähig sind, ohne aber ständig einer Aktualisierung zu bedürfen. Im Gegensatz dazu verlangt die herkömmliche Transaktionsverarbeitung lückenlose Datenbanken mit häufiger Aktualisierung, sagte Rockart. Die Datenbanken zur Transaktionsverarbeitung sind oft nicht so leicht zugänglich, da ihre Speicherung im Hinblick auf eine optimierte Effizienz der Betriebsmittel erfolgt. Der Zugriff zu den Daten, die Entscheidungsprozesse unterstützen, leidet daher oft unter den Zwängen einer optimalen Nutzung vorhandener Kapazitäten und einer Erzielung höchster Produktionsleistungen. Außerdem müssen bei Änderungen der Transaktions-Datenbanken Auswirkungen berücksichtigt werden, die sich bis in die unteren Ebenen verzweigen und fortpflanzen können, fuhr Rockart fort.

Ein zweites Element, das allen erfolgreich verwalteten ElS-Systemen eigen ist, sind die auf den Anwender zugeschnittenen Zugriffsmethoden, betonte Rockart auf dem Seminar. Innerhalb eines Unternehmens bedürfe jeder Anwender seiner eigenen, auf ihn zugeschnittenen Zugriffsmethode. Erfolgreiche EIS-Verwalter stellen deshalb sicher, daß die Anwender die Zugriffsmethoden erhalten, die für sie erforderlich sind. Ihre Auswahl erfolgt aus dem großen Spektrum verfügbarer Methoden. Drittens wurde den Systemspezialisten bei erfolgreich geleiteten EIS-Systemen jede Möglichkeit einer gründlichen, weiterführenden Ausbildung zuteil. Rockart schlug die Einsetzung von EIS-Beratern vor, deren Aufgabe neben der Mitwirkung bei Ausbildungskursen in der Beteiligung an größeren Projekten oder an deren Planung bestehen sollte. Die EIS-Berater sollten wie Unternehmensberater arbeiten und mehr helfen als mitarbeiten, betonte Rockart. Bei einem der vom CISR-Direktor untersuchten Großunternehmen waren einige EIS-Berater vorher als professionelle Unternehmensberater tätig. Die EIS-Berater sollten aber nicht dem Bereich Informationssysteme angehören, empfahl er. Es sei dann nämlich praktisch zwangsläufig, daß sie in die Entwicklung überfälliger Anwendungen eingespannt würden, womit ihr Image als Berater verlorenginge.

Viertens beteiligen sich bei Unternehmen mit erfolgreichen EIS-Systemen die Manager im Geschäftsführerrang an Entscheidungen über die Art der von ihnen später zu benützenden Datenbanken und Zugriffsmethoden. Im Gegensatz zum Entwurf von Datenbanken und Zugriffsmethoden für Stäbe und die Linienmanager müssen Spezifikationen für die Top-Manager auch "Sperrgebiete" umfassen.

Flexibilität entscheidend

Während herkömmliche Systeme, wie zum Beispiel die Gehaltsabrechnung voll erschlossen sind, kann man das für Systeme zur Unterstützung der Geschäftsführung nicht sagen. Sie stellen in mancherlei Hinsicht Neuland dar, sagte Rockart. Nur das Top-Management kann nämlich den Systemingenieuren sagen, worauf es ankommt und welche Daten sie für ihre Tätigkeit brauchen. Schließlich müssen erfolgreiche EIS-Systeme so flexibel sein, daß sie sich neuen Einsichten der Geschäftsführung anpassen. Dieses fünfte Element ist von entscheidender Bedeutung, gab Rockart zu verstehen, weil noch so wenig von der Organisationsdynamik der Informationsverarbeitung erforscht worden ist. EIS-Systeme, deren Strukturen zementiert worden sind, dürften den Unternehmen auf lange Sicht kaum nützen.

Informationen: Dr. John F. Rockart, CISR, Sloan School of Management, MIT, Room E530420, Memorial Drive, Cambridge, Mass. 02139.

Aus COMPUTERWORLD vom 29.6.1981 übersetzt von H. J. Hoelzgen, Böblingen