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06.05.1988 - 

Tochtergesellschaften sichern Marktanteile in Europa:

Toshiba Deutschland peilt Umsatzmilliarde an

MÜNCHEN (dow) - Für die Expansion im europäischen High-Tech-Markt trifft der japanische Toshiba-Konzern Vorbereitungen: Bis 1990 soll allein die Unternehmenssparte Industrial Electronics" (IE) in der Bundesrepublik rund 1,4 Milliarden Mark Umsatz bringen, erklärte Friedrich W. Becker-Birck, Präsident der deutschen GmbH.

Im gerade abgeschlossenen Geschäftsjahr (31. März) erreichten die Japaner auf dem Sektor Datenverarbeitung 658 Millionen Mark Umsatz mit der GmbH, die damit stärkste Auslandstochter des Konzerns ist. Die nicht veröffentlichte Gewinnmarge liegt nach Schätzung von Insidern bei 5 Prozent des Umsatzes. Die Zahl der Mitarbeiter soll bis 1990 von derzeit 400 auf rund 1200 aufgestockt werden.

Japaner umgehen die EG-Zollbeschränkungen

Mit einem jüngst eröffneten Informationszentrum des Unternehmens in München wollen die Marktführer im Laptop-Geschäft ihre Position auch in anderen Bereichen über den Support und die Schulung von Anwendern und Vertriebsleuten weiter ausbauen. Weitere Zentren in Stuttgart, Frankfurt und Hamburg sollen bis Mitte 1989 entstehen. Ausschlaggebend für München als erstem Standort für ein Firmen-Center ist, nach Auskunft Becker-Bircks, das Zugeständnis der Japaner an die bayerische Hauptstadt als High-Tech Metropole der Republik. Die Unternehmenszentrale für den deutschen und auch europäischen Markt wird aber weiterhin im rheinischen Neuss beheimatet bleiben.

Zollbeschränkungen der Europäischen Gemeinschaft, nach denen Andestens 40 Prozent eines verkauften Produktes innerhalb der EG gefertigt sein müssen, umgehen die Japaner mit dem Aufbau eigener Fertigungsstätten in der Bundesrepublik, in Großbritannien und in Frankreich. Auf den Vorwurf, daß japanische Unternehmen mit Dumpingpreisen die europäische Wettbewerbsstruktur verzerren, mochte der Vertreter des Unternehmens- und Präsident der Toshiba Europe (IE), Koichi Inagaki, nicht eingehen. Er verwies auf die noch ausstehende Entscheidung der europäischen Kommission in Brüssel zu diesem Konflikt. Europäische Hersteller hatten die Forderung aufgestellt, japanische Produkte mit Strafzöllen von 100 Prozent und mehr zu belegen.

Die Strategie, durch die Hintertüre, nämlich über Beteiligungen und Gründungen von Töchtern in Europa präsent zu sein, wird wohl auch in Zukunft weiterverfolgt werden: Ein Abkommen mit der französischen Alcatel-Gruppe über die Fertigung von Telekopierern sichert die meisten Anteile in diesem, nach Einschätzung der Japaner stark boomenden Markt. Für europäische Mitbewerber bleibt da kaum noch eine Chance, meint Inagaki. Auch Nixdorf und Siemens seien bei dem Geschäft mit Telekopieren auf OEM-Produkte aus Fernost angewiesen. Für den Bau von Telekopierern hätten die Japaner weltweit das größte Know-how.

Im Geschäftsjahr 1987 konnte Toshiba Deutschland mit 66 000 Stück doppelt soviel Telekopiergeräte absetzen wie im Vorjahr. Für 1988 erwartet Becker-Birck eine weitere Verdoppelung auf 130 000 Stück. Seiner Einschätzung nach wächst dieses Geschäft sogar schneller als das mit den Kopierern, bei dem Toshiba den zweiten Platz nach NEC beansprucht.

Im Gegensatz zu den Kopierern, für die er eine relative Preisstabilität voraussagt, erwartet Becker-Birck bei Telekopierern in den nächsten zwei bis drei Jahren einen durchschnittlichen Preisverfall von mehr als 25 Prozent. Der Einsatz von Telekopieren werde aber in der Bundesrepublik - anders als zum Beispiel in Italien, wo die Briefübermittlung nicht so gut funktioniere wie bei der Deutschen Bundespost - überwiegend auf den privaten Bereich beschränkt bleiben. Eine Preissenkung der Geräte bis unter 1500 Mark, die vielleicht auch private Anwender zum Kauf reizen könnte, sei außerdem nicht in Sicht.

Konkurrenz fürchten die Japaner auch nicht seitens der Koreaner, mit denen sie ebenfalls in einem Joint-venture zusammenarbeiten, Toshiba hat mit Samsung ein Abkommen über die gemeinsame Herstellung von Chips geschlossen. Für die europäische Konkurrenz in diesem Bereich hat Inagaki nur ein höfliches Lächeln übrig: Sicher produziere man gemeinsam mit deutschen Unternehmen den 1-Megabit-Chip. Fortschritte in der Entwicklung jedoch fänden in Japan statt, wo der 16-Megabit-Chip entwickelt wird. Die Zusammenarbeit mit Siemens an dem Vorzeigeprojekt zur Entwicklung eines 4-Megabit-Chips überging der japanische Vertreter des Unternehmens völlig.