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23.05.1997 - 

Vom Notebook-Spezialisten zum Komplettanbieter?

Toshiba wagt in Europa den Schritt in den Desktop-Markt

Trotz optimistischer Voraussagen von Analysten, die einmal eine massive Verdrängung von stationären PCs durch tragbare Geräte prognostiziert hatten, dümpelt der Anteil von Notebooks am gesamten Rechnermarkt in Deutschland seit Jahren relativ konstant um 15 Prozent. Will Toshiba weiter wachsen, muß die Firma also zwangsläufig versuchen, etwas von den restlichen 85 Prozent des Marktes abzubekommen.

Im Gegensatz zu den Vereinigten Staaten, wo die Japaner zuerst mit der "Infinia"-Reihe von Multimedia-PCs für den Home-Markt, die auch auf der CeBIT '97 zu sehen waren, erfolgreich gestartet waren, beginnt Toshiba Europe mit Rechnern für den Business-Bereich. Diese Entscheidung ist logisch: Nachdem das Unternehmen seine hochpreisigen Notebooks jahrelang vornehmlich bei Geschäftskunden abgesetzt hat, verfügt Toshiba insbesondere für dieses Kundensegment über die entsprechende Infrastrukur bei Vertriebskanal und Support.

Gleichzeitig hofft der Hersteller darauf, daß das gute Image der Marke die Entscheidungen der Beschaffer auch bei Desktops positiv beeinflussen wird. Toshiba ist nach eigenen Angaben und auch nach den Zahlen der International Data Corp. (IDC) und des mittlerweile zur Gartner Group gehörenden Marktforschungsinstituts Dataquest mit kurzen Unterbrechungen seit nunmehr elf Jahren Marktführer bei mobilen PCs.

Weitere entscheidende Gründe für den Einstieg mit Business-PCs sind das deutlich zweistellige Wachstum dieses Marktsegments in Deutschland und die Tatsache, daß die großen Mitbewerber in diesem Bereich (IBM, Compaq, SNI) allesamt eine komplette Produktpalette vorweisen können. Auf lange Sicht will deshalb Toshiba ebenfalls mit einem Rundumangebot aufwarten können und - vermutlich ab der ersten Hälfte 1998 - auch eigene Server anbieten.

Bereits um 1989 hatte Toshiba in Europa einen Versuch unternommen, zusätzlich zu Notebooks Rechner im Markt zu plazieren. Das damalige Vorhaben, Notebook-Umgebungen mit Docking-Konzepten und Netzwerkkarten für mobile Systeme mit Abteilungs-Servern zu kombinieren, kam eindeutig um Jahre zu früh. Marketing-Chef Ralf Schraven erläutert: "Die Sache ist schlicht und einfach daran gescheitert, daß damals kein Markt dafür vorhanden war. Fünf oder sechs Jahre später hätte das möglicherweise ganz anders ausgesehen."

Ob dem neuen Versuch mehr Glück beschieden sein wird, hängt vor allem davon ab, ob es Toshiba gelingt, den angestammten Platzhirschen Marktanteile abzujagen. Bei der Einführung der Desktops in den USA waren die Analysten eher skeptisch. "Ich würde nicht allzu hoch auf einen Erfolg wetten", meinte etwa Bruce Stephen von der IDC, "es ist zu schwierig, den Top Five ein Stück vom Kuchen zu nehmen." Kevin Hause vom gleichen Institut führte allerdings ein wichtiges Gegenargument zugunsten der Komplettanbieter an: "Immer mehr Firmenkunden wollen alles bei einer Adresse kaufen, weil Standardisierung einen der einfachsten Wege zu niedrigen Supportkosten darstellt."

Die neue Desktop-Serie trägt den Kunstnamen "Equium" und startet zunächst mit vier Modellen. Entsprechend den Anforderungen der Kunden wird die Familie dann sukzessive um weitere Typen erweitert, eine unnötige Vielzahl von Varianten will Toshiba zugunsten einer überschaubaren Palette vermeiden.

Allen Modellen gemeinsam ist eine Ausstattung mit 32 MB Hauptspeicher, einem "Business-Audio"-System zur Unterstützung von Telefonie- und Konferenzfunktionen sowie einem integrierten 100Base-T-Ethernet-Adapter und Anschlüssen für Peripheriegeräte des neuen Universal-Serial-Bus-(USB-)Standards. Bereits im Vorfeld wurden alle Typen für alle Windows-Varianten (3.1x, 95 und NT 4.0), Novell Netware (Client) sowie OS/2 und Solaris als Betriebssystem zertifiziert.

Bei der Entwicklung der Equium-PCs hat der Hersteller versucht, die Anforderungen der Unternehmens-DV besonders zu berücksichtigen. Die Maschinen sollen durch Erweiterungsmöglichkeiten über die gesamte Abschreibungszeit technologisch auf der Höhe der Zeit sein und sich durch Servicefreundlichkeit und verbesserte System-Management-Funktionen auszeichnen. Deshalb unterstützen alle Toshiba-PCs das Desktop Management Interface (DMI) 2.0 und Intels Landesk Manager 3.0. Diese ermöglichen Selbstdiagnose, Schutz vor Manipulationen (etwa mit Sensoren, die ein Öffnen des Gehäuses feststellen), Überwachung der Betriebstemperatur und intelligente Lüftersteuerung sowie Energiesparfunktionen.

Alle Modelle verfügen mit der "Instant-On"-Funktion über einen Ruhezustand (vergleichbar mit der "Suspend/Resume"-Funktion portabler Rechner), der automatisch aktiviert wird, wenn das Gerät längere Zeit unbenutzt bleibt. Zusätzlich wurde (für die Betriebssysteme Windows 95 und NT) ein weiterer Spezialmodus namens "Secure Sleep" integriert. Dieser stammt aus dem gemeinsam mit Microsoft und Intel entwickelten Standard "Advanced Configuration and Power Interface" (ACPI) und ermöglicht ein ferngesteuertes Einschalten und Bedienen des Geräts, das dabei ausgeschaltet aussieht und sich nicht lokal bedienen läßt. Diese Betriebsart läßt sich vom IT-Management beispielsweise für Softwaredistribution, Inventur oder Tests des Systemstatus nutzen.

Aus dem Notebook-Bereich wurde das sogenannte Kensington-Lock übernommen, bei dem sich der Rechner mittels eines Drahtseils am Arbeitsplatz anketten läßt. Gleichzeitig verhindert die Sperre, daß das Gehäuse geöffnet wird. Das ermöglicht einer zentralen Bestandsverwaltung, im Falle von Diebstählen oder Beschädigungen den Versicherungsfall festzustellen.

Gebaut werden die neuen Desktop-Maschinen nicht von Toshiba selbst, sondern von SCI. Bei dieser Firma handelt es sich - in der Computer-Öffentlichkeit weitgehend unbekannt - um den weltweit größten OEM-Hersteller von PC-Systemen. In rund 20 über den Globus verstreuten Werken montiert SCI PC-Systeme, in Europa unter anderem im französischen Grenoble und in Irland. Eine weitere neue Fertigungsstätte befindet sich im schottischen Irvine in der Nähe von Greenock, wo unter den üblichen Toshiba-Qualitätskontrollen die neuen Desktops gebaut werden. Das ISO-9002-zertifizierte Werk in Regensburg ist mit Bau und Lokalisierung von rund 50 000 Notebooks pro Monat sowie DVD-Geräten ausgelastet, so daß Toshiba auf den OEM-Hersteller ausweichen muß.

Anders als bei der Produktion geht Toshiba beim Verkauf der Equium-Rechner keine neuen Wege. Ein Großteil der bisherigen Notebook-Händler wird auch die Desktop-Systeme verkaufen, einige reine Desktop-Vertreiber kommen neu dazu. Insgesamt werden rund 70 Partner die Rechner anbieten. Ergänzt wird der Handelskanal durch Distributoren, die in Kürze bekanntgegeben werden sollen. Die entsprechenden Verhandlungen sind laut Toshiba bereits gelaufen.

IM DETAIL

-"Equium 5160D": Pentium MMX mit 166 Megahertz Taktrate, 2,1-GB-Festplatte, integrierter ATI-"Range-II"-Grafikadapter mit 2 MB SGRAM, Windows 3.11/95 Dual Boot, Preis 3800 Mark.

-"Equium 5200 D": Pentium MMX mit 200 Megahertz Taktrate, 2,5-GB-Festplatte, CD-ROM-Laufwerk mit zwölffacher Geschwindigkeit, Grafikadapter wie 5160 D, Windows 3.11/95 Dual Boot, Preis 4400 Mark.

-"Equium 6200D": Pentium Pro mit 200 Megahertz Taktrate, 3,0-GB-Festplatte, CD-ROM-Laufwerk mit zwölffacher Geschwindigkeit, integrierter "S3-Virge"-Grafikadapter mit 2 MB EDO-RAM, NT 4.0 Workstation, Preis 5300 Mark.

-"Equium 6260M": Pentium II mit 266 Megahertz Taktrate, 512 KB Cache, 4,0-GB-Festplatte, CD-ROM-Laufwerk mit 16facher Geschwindigkeit, ATI-"Rage-II+"-Grafikadapter mit 4 MB SGRAM, Minitower, Preis 6300 Mark.

-optional: 15- oder 17-Zoll-Bildschirm mit TCO-92-Siegel, Preise zwischen 850 und 1700 Mark.