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15.09.1978

Total-Ersatz

Sie sehen es gar nicht gern, daß um ihr Konzept, die Hardware-Kosten durch Einsatz 370-kompatibler Zentraleinheiten drastisch zu senken, so viel Wirbel gemacht wird. Denn für die EDV-lnsider bei Maizena (siehe auch Seite 1) und Krauss-Maffei ist klar, daß der Marktführer 370-Replacements nur bis zu einer bestimmten Grenze - und das Ist noch immer eine Frage des Marktanteils - tolerieren kann.

Und so löst jeder neue Erfolg der "Austausch-Mainframer" (Amdahl, Itel etc.) Spekulationen aus: Wie wird IBM reagieren? Dabei haben Branchen-Kenner immer IBM's Marketing-Strategie gegen die Hersteller steckerkompatibler Peripheriegeräte - die sogenannten PCM's - vor Augen: Hier brachte die Ankündigung neuer Speicher-Technologien ("Winchester") den ungestümen Vorwärtsdrang der Mixed-Hardware-Anbieter zum Stillstand.

Was den "Total-Ersatz" angeht, ist die (Markt-)Lage für IBM offensichtlich weniger prekär. Noch ist nämlich von der "Aussteige-Bewegung" lediglich ein kleiner Teil des IBM-Kundenparks betroffen. Schließlich darf dabei nicht vergessen werden, welch relativ bescheidene Verkaufsziele sich die Anbieter steckerkompatibler Zentraleinheiten gesteckt haben. Itel hielte es beispielsweise schon für einen "Riesenerfolg", wenn 20 AS-Systeme in Europa abgesetzt werden könnten. So wie es allerdings jetzt aussieht, besteht kein Anlaß, diesen Shipping-Plan nach unten zu revidieren.

Im Gegenteil: Sechs AS-lnstallationen in zwei 78er Quartalen belegen, daß die 370-Replacement-Welle Epidemie-Charakter anzunehmen droht.

Nach welchem Kalkül unvoreingenommenen EDV-Chefs ihre Hardware-Entscheidungen treffen, liegt auf der Hand: Die neuen Mainframe-Alternativen, der 370-Architektur - in allerdings modernerer Technik - nach gebaut und mit nahezu identischen internen Leistungsdaten, sind erheblich billiger als ihre IBM-Pendants bei 65 Prozent Einsparung wird die Loyalität vieler IBM-Anwender gewiß auf eine harte Probe gestellt.

Nun könnte die Uralt-Formel "In der Masse stirbt's sich leichter" das Gleichgewicht der Argumente wiederherstellen - zumal sie ja hauptsächlich in Verbindung mit der Gretchenfrage nach Umfang und Qualität des technischen Kundendienstes verwendet wird. Im Falle Amdahl, Itel & Co. heißt das allerdings: Fehlanzeige.

Weniger Teile (modernste Schaltkreis-Technologie) bedeuten erhöhte Betriebssicherheit - wer einmal einen Blick in den CPU-Schrank einer Amdahl 470/V6 oder Itel AS/5 geworfen hat, der braucht über diesen Punkt keine weiteren Nachhilfestunden.

Kunststück: Wo Nachbau der 370-Architektur - um Software-Kompatibilität ohne Emulation auf Betriebssystem- und Benutzerprogramm-Ebene sicherzustellen - oberstes Gebot ist, muß dem Hardware-Feature vermehrte Aufmerksamkeit gechenkt werden - man sieht's am Ergebnis.

Damit wird der "Grenzübertritt" vollends zum unproblematischen Alltags-Trip, verliert das "Fremdgehen" den letzten Rest von Abenteuerromatik. Das werden all die bedauern, die sich schon immer das Recht auf Extravaganz leisten konnten. Doch diesmal betrifft es nicht nur Honeyweller und Siemensianer: Daß IBM's Betriebssysteme (DOS/VS, OS/VS1 und MVS) und sogar die vom Anwender geschriebenen Aktionsprogramme auf den Amdahl-/ltel-Maschinen ohne Einschränkung gefahren werden können - wie Benchmarks beweisen -, muß die Umstellungsängste, insbesondere bundesrepublikanischer EDV-Chefs, mildern.

Und waren es bisher stets IBM-Anwender mit mehreren Systemen, die sich für einen "Teil-Ersatz" entschieden haben, so beweist der Maizena-Fall, daß eine Kostensenkungs-Therapie durch "Total-Austausch" ohne lästige Nebenwirkungen durchgezogen werden kann.

Das könnte Signalwirkung haben - im doppelten Sinne: Einmal werden sicher viele IBM-Anwender, die eine zweite Anlage brauchen, ihre Hardwareplanung neu überdenken, zum anderen dürfte IBM bald merken, daß es nicht mehr reicht, - wie es im Boxsport-Jargon heißt - nur mit einer Hand zu fighten.

Bleibt zu fragen, ob der Marktführer mit neuer Hardware (Serie "E") oder mit einer neuen Software-Policy kontern wird.