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21.05.1982 - 

Massachusetts Institute of Technology (MIT):

"Tote Sperlinge können nicht fliegen"

BOSTON. MASS. (cw) - Das Wesentliche an der kiinstlichen Intelligenz ist eine Paradoxie: "Was schwierig ist, geht leicht, und was leicht ist, geht schwierig."

Marvin Minsky, Professor of Science am Massachusetts Institute of Technology (MIT), nannte die künstliche Intelligenz ein "Konglomerat von Dingen, mit denen wir in der Informatik noch nicht umzugehen verstehen", als er kürzlich die Data Training '81 Conference in Boston mit einem Vortrag über den Stand der Technik und einem Uberblick über noch ungelöste Probleme der künstlichen Intelligenz abschloß.

Die grundlegende Frage, ob es überhaupt möglich sei, eine wirklich intelligente Maschine zu bauen, beantwortete der Gründer des Artificial Intelligence Laboratory am MIT so: "Ich glaube wohl, weil ja der Mensch selbst eine gewisse Art von Maschine ist."

Auf die Frage, wann er soweit sei, verwies Minsky auf den Pionier der künstlichen Intelligenz, John McCarthy von der Stanford University. Dieser hatte einem Journalisten gegenüber erklärt: "In vier bis 400 Jahren." Diese sehr vage Aussage schien nach den Worten Minskys den Journalisten vor den Kopf gestoßen zu haben. Der Sirger der Journalisten sei aber nichts im Vergleich zu dem, was die auf diesem Gebiet tätigen Praktiker auszustehen hätten. Sie machten alle paar Jahre enorme Fortschritte, bekämen dabei aber mit immer neuen Problemen zu tun.

Menschenverstand ist das Schwierigste

Gesunder Menschenverstand ist nach den Erfahrungen des MIT-Professors mit Sicherheit das Schwierigste, was einem Computer beigebracht werden kann. Der Grund: Begriffe, die dem Menschen einfach erscheinen, sind für den Computer schwierig zu erfassen. Mathematische Probleme von hoher Komplexität dagegen, die hohe Rechengeschwindigkeit und langwierige Rechenoperationen erfordern, sind für eine Maschine einfach, für den Menschen aber durchaus schwierig. Während einem Computerprogramm für die Lösung formaler mathematischer Probleme beste Noten zu geben wären, versage es bei sprachlichen Problemen infolge der erforderlichen Kombination von Syntax und Semantik. Minsky zufolge wird gerade auf diesem Gebiet intensiv gearbeitet.

Bei Aussagen im Alltagsleben gebe es beispielsweise eine Fülle von Ausnahmen. So werden etwa bei dem Syllogismus "Sperlinge sind Vögel- Vögel können fliegen-also können Sperlinge fliegen." Feststellungen des gesunden Menschenverstandes nicht berücksichtigt, wonach weder tote noch Spielzeugsperlinge fliegen können.

Nun sind sich Erwachsene über solche Dinge jederzeit im klaren, weil sie dies jahrelang gelernt haben. Ein Computer kennt solche Zusammenhänge nicht und kümmert sich nicht darum. Es ist auch so gut wie unmöglich, für einen jeden Fall alle Ausnahmen im Computer zu speichern.

Mögliche Lösungen dieser Probleme sind neue Methoden des automatischen Programmierens, die Entwicklung extrem schneller "Supercomputer" und die bessere semantische Darstellung in einem System, das nach Minskys Worten bisher noch "zu seicht" ist.

Schon jetzt sind manche Programme der künstlichen Intelligenz auf bestimmten Gebieten "klüger als die Experten", stellte der MIT-Experte fest. Als Beipiel erwähnte er die Programme Macsyma und Chess von MIT und das Stanford-Programm Mycin. Massyma beispielsweise beherrsche die höhere Mathematik auf manchen Gebieten besser als jeder zeitgenössische Mathematiker. Insgesamt gesehen ist das Programm "so gut wie ein Mathematikstudent im ersten Semenster". In einem MIT-Seminar über höhere Mathematik erhielt es die Note "Eins".

Mycin ist eine Datenbank von mehreren tausend Antibiotika und Infektionen und Chess-so die Einschätzung Minskys-ein ziemlich gutes, aber noch keineswegs sehr gutes Schachspielprogramm. "Schachprogramme sind deswegen noch nicht so gut wie ein menschlicher Schachmeister,weil dieser einen Überblick und ein oder zwei strategische Konzepte hat" Gerade dies sei aber schwierig zu programieren.

Seit den Tagen von Ada Lovelace, die sich bereits um 1840 mit Theorien der mechanischen Rechentechnik beschäftigte, wird immer wieder betont, daß Computer niemals kreativ sein und nur dashervorbringen könnten ,was der Mensch in sie hingedacht habe.

Mikys Anmerkung dazu:"Das stimmt zwar, doch liegt das Geheimnis der

künstlichen Intelligenz ja darin, daß man den Computer anweisen kann, eine Unmenge verschiedener Dinge zu tun, um schließlich eine treffsichere Antwort zu liefern."

*Übersetzt aus COMPUTERWORLD vom 21. Dezember ?81von Hans J.Hoelzgen, Böblingen.