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03.10.1997 - 

Boxenstop für DB2 und SQL Anywhere

Toyota schickte Datenbanken zur technischen Überprüfung

Bei der Evaluierung stach das Borland-Produkt die Datenbanken "Informix SE 7.2 TE 1", "Sybase SQL Anywhere 5.5" und "IBM DB2 2.1.2" aus. Die Analyse fand im Zusammenhang mit einem Auftrag von Toyota Deutschland statt, in dem die Entwicklung multimedialer Verkäuferarbeitsplätze gewünscht wurde. Die Händler sollen in der Lage sein, mobil oder im Netz sämtliche Fahrzeuginformationen abzurufen - von Preisen über Ausstattungsdetails und Kundenstammdaten bis hin zu Leasingkonditionen.

Stand-alone- und Client-Server-Lösung

TIS hatte drei Konfigurationen zu berücksichtigen. Das Programm muß auf einem Windows-95-Laptop und in einem Windows-95-LAN mit zwei bis fünf Arbeitsplätzen lauffähig sein sowie als Client auf einem bei den Händlern eingerichteten Warenwirtschafts- und Finanzbuchhaltungssystem aufsetzen können. Bei dieser ebenfalls von TIS entwickelten betriebswirtschaftlichen Anwendung mit der Bezeichnung "Topco" handelt es sich um ein autarkes, in "Rosi-SQL"-Syntax und mit einem TIS-Precompiler in C++ umgewandeltes Programm. Derzeit sind rund 470 der 800 deutschen Toyota-Händler damit ausgestattet. Laut Hermann Kanne, Projektleiter Verkäuferarbeitsplätze bei TIS, werden bis zum Jahr 2000 auch die restlichen 330 Händler auf Topco umgestiegen sein.

Die Anwendung läuft auf RS/6000-Rechnern der IBM unter AIX und legt die Daten in Informix-SE-Datenbanken ab. Darüber hinaus kommuniziert das Händlersystem mit Mainframe-Programmen bei Toyota Deutschland und der Toyota-Kreditbank. Bestelldaten inklusive Informationen über Ersatzteile werden via Btx im Online-Dialog übertragen, für den Datenaustausch in Garantiefragen nutzt Toyota den File-Transfer. Künftig will der Automobilhersteller per Internet-Technik mit seinen Händlern kommunizieren, die nach und nach ins Extranet eingebunden werden.

Mit dem neuen mobilen Arbeitsplatz stehen den Verkäufern lokal Kunden- und Fahrzeugdaten zur Verfügung, die sie selber pflegen müssen. Dazu kommen Stammdaten wie Berufsgruppen und andere Kundenkategorien, die von Topco-Programmen übergreifend verwaltet werden, sowie unternehmensverbindliche Informationen wie Modell und Technikdaten, die Toyota zur Verfügung stellt.

Somit müssen die Verkäufer auf den bestehenden Informix-Datenpool zugreifen können. Die TIS hielt einen direkten, nativen Zugriff der Verkäufer-Clients für notwendig. In die Vorauswahl der Datenbanksysteme gelangten daher Produkte, die ein solches Verfahren erlauben. Zudem kamen nur Datensysteme in Frage, die eine ereignis- oder zeitgesteuerte Replikation im Windows-95-LAN zulassen. Das war zum Beispiel das Kriterium, an dem DB/2 scheiterte. Darüber hinaus nahm die DB2-Installation mehr als 100 MB für sich in Anspruch, während die Informix-, Sybase- und Borland-Datenbanken jeweils 20 MB benötigten.

Die Tests auf liefen Pentium-Rechnern, die mit 133-Megahertz-Prozessoren, 64 MB Hauptspeicher, 2,1 GB Festplatte und SVGA-Grafiksystem mit 2 MB RAM ausgestattet waren. Die Konfiguration von Interbase und SQL Anywhere erwies sich als problemlos, da die notwendigen Systemeintragungen während der Installation vorgenommen wurden und die Datenbanken nach einem Reboot des Systems lauffähig waren.

Das Informix-System habe allerdings "einigen Aufwand" erfordert. Die Dateien "autoexec.bat" und "windows

Services", sowie das produkteigene Konfigurationssystem "setnet32" konnten laut TIS nur geändert werden, indem man den technischen Support von Informix zu Rate zog. Bei dem DB2-System konnte auch der IBM-Support nicht helfen. "Deshalb haben wir auf weitere Tests verzichtet", so die TIS.

Außer der Installation und Konfiguration des Systems überprüften die Softwarespezialisten die Replikationsverfahren sowie das Laden und Entladen von Daten aus und in formatierte ASCII-Dateien. Ferner spielten sie anwendungsnahe Selektionen mit Hilfe von SQL-Utilities sowie C++-Programmen und entsprechenden Treibern durch.

Testkonfiguration mit Echtdaten

Das Laden und Entladen von Echtdaten funktionierte laut TIS-Bericht beim Informix-Produkt ohne Probleme. SQL Anywhere benötigte eine temporäre Änderung des Formats und der Sortierreihenfolge von Datumsfeldern mit Hilfe zweier SQL-Statements.

Interbase dagegen kennt die SQL-Statements "Load" und "Unload" nicht. Borland lieferte deshalb ein Hilfsprogramm mit der Bezeichnung "Datapump". Dieses erlaubt den Datenaustausch zwischen unterschiedlichen Datenbank-Management-Systemen, sofern ein entsprechender Treiber zur Verfügung steht.

Im Selektionstest sollten alle Kundendaten eines Verkäuferarbeitsplatzes zusammengestellt und aufgelistet werden. Dazu war es notwendig, eine temporäre Tabelle sowie weitere zehn Relationen pro Kunde zu generieren. Als Datenbasis dienten 2879 Kunden, von denen 25 mittels Matchcode ermittelt wurden. Die Informix-Datenbank benötigte 8,7 Sekunden, Interbase 8,35 und SQL Anywhere 4,18 Sekunden. Die deutliche höhere Performance des Sybase-Systems erklärt sich daraus, daß der SQL-Interpreter permanent im Hintergrund läuft und somit bei Bedarf nicht extra geladen werden muß.

Die Matchcode-Selektion aus einem C++-Testprogramm heraus benutzte einen Query-by-form-Algorithmus. Das SQL-Statement wird dabei dynamisch erzeugt. Bei zehn Abfragen ergab sich ein Mittelwert von 5,59 Sekunden bei Informix SE, 4,86 bei Interbase, und SQL Anywhere benötigte 6,31 Sekunden.

Die Replikation im Windows-95-Netz erwies sich jedoch als Fallstrick für das Sybase-Produkt. Nach Angaben des Anbieters existiert ein "Replication Server". Allerdings war der Hersteller laut TIS nicht in der Lage, diesen innerhalb von zwei Monaten zur Verfügung zu stellen. Zudem deuteten Vorabinformationen darauf hin, daß mit erheblichem Konfigurationsaufwand zu rechnen sei.

Somit standen lediglich noch die Replikations-Features von Informix SE und Interbase auf dem Prüfstand. Interbase bietet laut TIS eine konfektionierte Lösung an. Mit Hilfe eines "Replication Manager" lassen sich Replikationsvorgänge verfolgen und protokollieren. Informix repliziert die Daten unter Einsatz von vier verschiedenen Agenten: "Disseminator", "Consolidator", "Eliminator" und "Administrator". Die TIS-Experten halten deren Konfiguration allerdings für zu kompliziert.

Letztlich entscheidet der Preis

Daß letztlich die Wahl auf Interbase fiel, so erläutert TIS-Mann Kanne, verdankt die Datenbank auch ihrem Preis, der rund 60 Prozent eines vergleichbaren Informix-Systems ausmacht. Dagegen habe die Entscheidung für das Borland-Programmier-Tool "C++ Builder" keine Rolle gespielt. Diese sei bereits im Februar dieses Jahres gefallen, als sich das Werkzeug noch im Betastadium befand und die Datenbankevaluation noch längst nicht abgeschlossen war.