Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

27.03.1992 - 

Phase-out-Programme könnten zum Eigentor werden

TPM-Markt: SCS-Interface für kompatible Massenspeicher

Thomas Hertel ist freier Fachjournalist in München

Nachdem Digital im Massenspeicher-Bereich in den letzten Monaten Marktanteile vor allem in den Gerichtssälen zu gewinnen trachtete, setzen die Maynarder jetzt wieder auf den Markt. Mit drastischen Preissenkungen und einer erheblichen Ausweitung des OEM-Geschäftes will DEC zum Major Player im SCSI-Geschäft werden (SCSI = Small Computer System Interface). Bei den großen VAXen setzt der Hersteller jedoch weiterhin auf proprietäre Lösungen, während Third-Party-Anbieter SCSI auch für diese Systeme entdecken.

"DEC kontra Emulex", "DEC gegen Micro Technology", "DEC bekämpft System lndustries" - Schlagzeilen wie diese gehören zum gewohnten Bild. Allerdings fanden diese Wettkämpfe in letzter Zeit immer häufiger vor den Gerichten statt. Unter dem Druck sinkender Margen im CPU-Geschäft versuchte DEC vor allem auf dem Klageweg. Wettbewerbern im lukrativen Massenspeicher-Segment Marktanteile streitig zu machen. Mit Erfolg - außer Micro Technology haben mittlerweile alle Hersteller SDI-kompatibler Laufwerke klein beigegeben und sich mit Digital auf Phase-out-Programme geeinigt. SDI ist Digitals proprietäre und damit margenreiche Architektur für den Anschluß von Festplatten an große VAX-Systeme.

Mittlerweile scheint man jedoch auch bei DEC zu der Überzeugung gelangt zu sein, daß diese Erfolge vor Gericht sich als Pyrrhussiege herausstellen könnten. Zwar basieren heute noch die meisten Subsysteme auf der SDI-Technologie, doch in Zukunft werden sich auch DEC-Anwender zunehmend anderen Interfaces zuwenden. Aussichtsreichster Kandidat im Rennen um die Gunst der DEC-User dürfte dabei die standardisierte SCSI-Schnittstelle sein, die mit der Vorstellung von SCSI-2 nochmals einen kräftigen Schub bekam.

"Bis die Gerichte eine endgültige Entscheidung über die Zulässigkeit unserer SDI-kompatiblen Subsysteme getroffen haben, können noch Jahre vergehen'', meint denn auch Eugen-Gena Gach, Geschäftsführer der Micro Technology GmbH, die heute noch einen Großteil ihrer Umsätze mit dieser Technologie bestreitet. "Bis dahin wird SDI aber weitgehend von anderen Technologien verdrängt worden sein, an denen wir derzeit arbeiten."

Auch die anderen Anbieter DEC-kompatibler Peripherie folgen diesem Trend und bieten seit gut einem Jahr zunehmend SCSI-Laufwerke an. Sie beschränken sich dabei nicht auf diejenigen Systeme, die DEC von vornherein mit SCSI-lnterfaces ausstattet (RlSC-Systeme sowie VAXstation und Micro-VAX 3xxx), sondern zielen vor allem auf die High-end-Systeme. Unterstützung bekommen sie dabei von den Unternehmen, die entsprechende SCSI-Controller für DECs proprietäre Peripherie-Busse herstellen.

So haben beispielsweise Sigma und Exsys schon vor über einem Jahr solche Adapter für den DSSI-Bus (Digital Storage Systems Interconnect) entwickelt. Clearpoint wagte sich frühzeitig an den damals von DEC noch eifersüchtig verteidigten Bl-Bus und bietet seitdem Möglichkeiten, SCSI-Laufwerke auch an diesen Bus anzuschließen.

Mittlerweile vergibt DEC Lizenzen für den BI-Bus. Für den Unibus und die verschiedenen Q-Bus Varianten gibt es entsprechende Boards beispielsweise von Emulex, aber auch DEC selbst hat solche Controller im Programm.

Für Anwender großer Systeme sind solche Lösungen durchaus attraktiv. Machen doch die Kosten für Speicher-Subsysteme neben der CPU den größten Brocken bei der Neuinstallation oder beim Ausbau bestehender Systeme aus. SCSI-Laufwerke sind aufgrund ihrer Standardisierung und des vielfältigen Angebots teilweise deutlich günstiger zu haben als DSSI- oder DSA-Drives. Hinzu kommt, daß der Anwender sich bei diesen Laufwerken nicht nur auf einen großen Hersteller verlassen muß - das Hauptproblem bei proprietären Ansätzen.

Aber auch DEC selbst kann und will sich dem Trend zu SCSI nicht mehr verschließen. Im Zuge der neuen Offenheit hat der Hersteller seine RISC/Unix-Systeme von Anfang an mit dieser Schnittstelle ausgerüstet. Allerdings war das noch kein Bekenntnis zu offenen Massenspeicher-Interfaces, sondern schlicht vom Markt erzwungen. SCSI ist eine conditio sine qua non; Unix Systeme ohne diese Schnittstelle haben heute keine Chance.

Jetzt will Digital jedoch den Ruf des SCSI-Mitläufers endgültig abschütteln. Mit drastischen Preissenkungen um bis zu 70 Prozent läutete DEC Anfang des Jahres eine SCSI-Offensive ein. Zudem soll das Massengeschäft kräftig forciert werden - vor allem über die Direktvertriebs-Organisation Decdirekt.

Um allerdings ein Major Player im Festplattengeschäft zu werden, dürfte das allein nicht ausreichen. Große Stückzahlen werden nur im OEM-Geschäft und über die Distribution erzielt. Und die wiederum sind Voraussetzung für ein Überleben im teilweise ruinösen Preiskampf auf dem SCSI-Markt. Um die zehn Prozent pro Quartal, sagt Phil Devin, Massenspeicher-Spezialist beim Marktforschungsinstitut Dataquest, hätten die Hersteller von SCSI-Laufwerken im vergangenen Jahr ihre Preise gesenkt.

Besonders betroffen sind hier zwar die kleineren Laufwerke unter 100 MB Fassungsvermögen, die vornehmlich im PC-Bereich eingesetzt werden - ein Segment, in dem DEC kaum besonderes Engagement entwickeln dürfte. Aber auch im Highend-Bereich werden die Preise für SCSI-Laufwerke weiter sinken. Die von den großen proprietären Laufwerken gewohnten Margen kann DEC hier keinesfalls erzielen.

So setzt der Hersteller speziell bei den großen VAX-Systemen im Moment auch weiterhin vor allem auf die bisherigen Lösungen, nämlich SDI und DSSI. Den Wettbewerb hat man hier zum Ende des Jahres 1992 weitgehend eliminiert, und Lizenzen an Third-Party-Hersteller will DEC trotz vielfachen Kundenwunsches nicht vergeben.

Diese Politik und das damit in der Regel verbundene hohe Preisniveau trifft vor allem die treuesten DEC-Anwender mit umfangreichen VAX-Clustern. Denn solche Cluster bieten nur wenige Möglichkeiten, andere als SDI-Platten anzuschließen da die HSC-Controller von DEC nur diese Schnittstelle unterstützen .

Zwar besteht theoretisch die Möglichkeit, auch die Peripherie Busse der einzelnen Systeme im Cluster (meist BI-Bus) für den Anschluß von Massenspeichern zu nutzen und auf entsprechende Fremdhardware zurückzugreifen, doch eine solche Lösung wäre einem Porsche mit Golf-Motor vergleichbar. Oder, wie Carl Marbach, Branchenbeobachter und Herausgeber der US-Zeitschrift "DEC Professional", sagt: "Massenspeicher gehören an den HSC."

Nach den Phase-out-Vereinbarungen mit fast allen Third-Party-Herstellern von SDI-Produkten hat DEC dieses lukrative Marktsegment fast für sich allein. Lediglich Micro Technology will auch nach dem Stichtag 31. Dezember 1992 noch SDI-Laufwerke und -Subsysteme anbieten. Einen Strich durch die Rechnung könnten DEC allerdings einige Neuentwicklungen machen, die jetzt auch SCSI-Lösungen in VAX-Clustern ermöglichen.

Eine ganze Reihe optischer Jukeboxen

So hat zum Beispiel Alphatronix auf der letzten Dexpo eine Reihe optischer Jukeboxen für den HSC vorgestellt. Sie werden über eine Channel Card angesteuert, die die Originalkarte im HSC ersetzt und ein SCSI-lnterface zur Verfügung stellt. Noch einen Schritt weiter geht Micro Technology mit seinem ebenfalls auf der Dexpo gezeigten Raid-Subsystem. Hier wird der HSC gleich vollständig durch einen eigenen Controller ersetzt und das System direkt an den Cl-Bus der großen VAXen angeschlossen. Intern arbeitet auch dieses System mit der SCSI-2 Schnittstelle.

Sollten sich solche Systeme durchsetzen - und es spricht einiges dafür, da die Anschlußtechnologie ja auch für andere Systeme nutzbar ist - , so könnten sich die gerichtlichen Auseinandersetzungen für Digital endgültig als Eigentor erweisen. Ein massiver Einsatz von SCSI-Laufwerken in VAX-Clustern wäre für den Hersteller noch erheblich gefährlicher als ein paar unabhängige Anbieter von SDI-Systemen.

DSA-, SDI- und DSSI-lnterfaces für VAX-Welt

Neben den in der gesamten Computerwelt verbreiteten Schnittstellen wie SCSI oder ESDI (Enhanced Small Device Interface) gibt es bei DEC-Systemen zwei weitere Interfaces zum Anschluß von Massenspeichern. Die DSA- oder SDI-Schnittstelle (Standard Disk Interconnect) wird vor allem für größere Laufwerke in VAXen und VAX-Clustern verwendet, die DSSI-Schnittstelle vor allem im Bereich der mittleren VAXen.

Die DSSI-Schnittstelle ist physikalisch und vom Konzept her mit SCSI vergleichbar. Ebenso wie SCSI stellt DSSI eigentlich kein reines Interface dar, sondern eher einen Peripherie-Bus mit 8 Bit Breite und einem Durchsatz von maximal 4 MB/s. Dieser Bus unterstützt, wie SCSI bis zu acht Knoten. Bis zu drei (früher zwei) dieser Knoten können CPUs sein, so daß sich über DSSI auch Rechnerkoppelungen realisieren lassen. Die übrigen Knoten sind für Massenspeicher vorgesehen.

Die Intelligenz befindet sich im Laufwerk

Bei DSSI befindet sich die Intelligenz überwiegend im Laufwerk selbst - auch dies ein Konzept, das an SCSI erinnert. Das Interface findet sich auf den CPU-Boards der Micro-VAX-3000-Serie sowie der VAX 4000. Andere Q-Bus-Systeme können über eine entsprechende Adapterkarte mit einem DSSI-lnterface ausgerüstet werden. DSSI-Platten sind üblicherweise 5 1/4-Zoll-Platten mit Kapazitäten zwischen 300 MB und 1 GB. Es gibt mittlerweile jedoch auch 2-GB-Platten für dieses Interface.

Während DSSI vor allem im mittleren Bereich eingesetzt wird, sind die großen VAX-Systeme die Domäne von DSA beziehungsweise SDI. Hier werden große Laufwerke angeschlossen, die sternförmig vom Controller weg verkabelt sind. Kernstück der DSA-Architektur ist der sogenannte HSC-Controller Dieser Controller ist eigentlich ein Rechner auf Basis eines PDP-Prozessors, auf dem ein für Plattenzugriffe optimiertes Betriebssystem läuft. Der HSC wiederum enthält Channel-Karten für den Anschluß der Laufwerke.

Pro Channel-Karte werden dabei maximal vier Laufwerke unterstützt, bis zu acht Channel-Karten lassen sich in einen HSC einbauen. Das ergibt eine maximale Kapazität von 32 Platten; beim kürzlich angekündigten HSC90 wurde diese Grenze auf 48 angehoben. Die interne Bandbreite zwischen dem Host-Interface und den Plattenschnittstellen beträgt 8,8 MB/s (zum Vergleich: SCSI-2 bietet maximal 40 MB/s).

Die Verbindung zwischen HSC und den CPUs erfolgt über den sehr schnellen CI-Bus (70 MB/s) und einen Sternkoppler, an den alle Rechner des Clusters angebunden werden. Dieser CI-Bus findet sich ausschließlich in den großen VAXen der Serien 6000, 8000 und 9000, so daß auch nur diese im Cluster eingesetzt werden können. Über Third-Party-Hardware ist ein CI-lnterface jedoch auch in allen Q-Bus-VAXen möglich.

Neben dem HSC bieten die großen VAXen noch die Möglichkeit, Platten über entsprechende Controller direkt am BI-Peripherie-Bus anzuschließen.

Solche Controller sind für SDI und SCSI verfügbar. SDI-Laufwerke können überdies direkt an den XMI-Bus der VAXen 6000 und 9000 angeschlossen werden.

Laufwerke mit DSA-Schnittstelle lassen sich außerdem an alle DEC-Systeme mit Standard-Q-Bus ankoppeln. Voraussetzung ist ein entsprechender Controller, der als Option angeboten wird. Ansonsten sind für diese Q-Bus-Systeme (Micro-VAX und VAXstation mit Ausnahme der 3100 sowie der VAX 4000) Controller für praktisch alle gängigen Platten-lnterfaces verfügbar.

Die RlSC-Systeme von DEC schließlich verfügen grundsätzlich über SCSI-Schnittstellen. Die größeren DEC-Systeme besitzen darüber hinaus einen BI-Bus, so daß sich auch SDA-Laufwerke anschließen lassen.