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25.07.1986

Trace-Analysen helfen bei der Auswahl der Btx-Softwareparameter:Datenübertragungsvolumen je Seite um bis zu 50 Prozent reduziert

Ganz im Zeichen der Anwendungsoptimierung stand das Projekt "Konzipierung und Entwicklung von unternehmensinternen Bildschirmtext-Informationssystemen" (Btx-IS), das das Kölner Bifoa-Institut in Kooperation mit Pilotanwendern durchgeführt hat. Heinz A. Gartner, Marita Kampling und Ferdinand Rüschenbaum* geben einen Überblick über das Vorhaben und fassen die wesentlichen Ergebnisse zusammen.

In den Bifoa-Entwicklungsprojekten, an denen sich neben BMW und Iduna auch Rewe und die Stadtverwaltung Düsseldorf beteiligten, begann die Anwendungsoptimierung unmittelbar nach der ersten Realisierung der Anwendungen. Der Schwerpunkt lag eindeutig bei der Optimierung des Datenübertragungsvolumens. Dabei dient ein möglichst geringes Datenübertragungsvolumen nicht nur einer Minimierung der Datex-P-Gebühren, sondern gleichgewichtig auch der Verkürzung der Bildaufbauzeiten beim Nutzer und einer möglichst geringen Belastung der Datex-P-Anschlüsse am externen Rechner.

Basis der Optimierungsbemühungen war die Analyse von Traces der Anwendungen auf den Ebenen vier und sechs des ISO-Referenzmodells. Die Analysen ergaben Schwachstellen der Rechnerverbundsoftware sowohl bei der Strukturierung der einzelnen Seiten in Strukturelemente (SE) und deren Verwaltung als auch bei den Editoren.

Das im Protokoll EHKP6 realisierte Konzept des Presentation Image mit der Aufteilung einer Btx-Seite in einzelne Strukturelemente und deren gezielter Änderbarkeit erlaubt es prinzipiell, anwendungsspezifisch die zu übertragenden Daten auf das absolut notwendige Maß zu beschränken. Die konsequente Nutzung dieser Optimierungsmöglichkeiten wird jedoch dadurch behindert, daß die Rechnerverbundsoftware die Strukturelemente selbst generiert und dem Programmierer kaum Eingriffsmöglichkeiten bietet. Die Trace-Analysen haben jedoch gezeigt, daß die Zahl der generierten Strukturelemente in der Regel höher ist als unbedingt erforderlich wäre. Operationen an Strukturelementen (Anlegen, Andern, Löschen) werden durch Protocol Data Units (PDUs) ausgeführt. PDUs werden durch einen zwischen vier und sechs Byte langen Header eingeleitet. Zehn überflüssige Strukturelemente auf einer Seite verschwenden also bereits ein Segment. In einem extremen Fall wies eine Seite zirka 80 Aufbaucode-Strukturelemente auf, obwohl nur drei erforderlich gewesen wären. Neben dem unnötig erhöhten Datenübertragungsvolumen wird durch die hohe Zahl der Strukturelemente das Antwortzeitverhalten verschlechtert, da sowohl der externe Rechner als auch die Btx-Vermittlungsstelle Zeit für das Auffinden und Bearbeiten der Strukturelemente benötigen. Teilweise ist auch das Handling der Strukturelemente ineffizient. So erscheint es zum Beispiel wenig sinnvoll, ein bestehendes Strukturelement, dessen Inhalt überschrieben werden soll, zuerst zu löschen und dann neu anzulegen und zu füllen. Dieses Vorgehen kostet Zeit und Geld.

Datenübertragungskosten lassen sich auch bei der Wahl der Nachrichtenlänge und der Fenstergröße sparen. Eine möglichst große Nachrichtenlänge (der Maximalwert liegt bei 1000 Byte), sorgt für einen hohen Füllungsgrad der Segmente, eine hohe Fenstergröße (maximal acht Pakete), reduziert die Zahl gebührenpflichtiger Quittungssegmente (Receive Ready). Diese Parameter können vom Anwender gesetzt werden.

Die weitaus größten Optimierungsreserven birgt jedoch in aller Regel der Aufbaucode. Für einen optimalen Aufbaucode gelten im Rechnerverbund prinzipiell die gleichen Regeln wie für Seiten im öffentlichen Btx-System. Bei der Aufbaucodeoptimierung geht es nicht darum, generell auf frei definierte Farben und Zeichen, auf Grafiken und auf eine optisch ansprechende, nutzerfreundliche Gestaltung zu verzichten, sondern darum, die gewünschte Seite möglichst schnell und kostengünstig zum Teilnehmer zu transportieren.

Große Möglichkeiten zur Reduzierung des Datenübertragungsvolumens ergeben sich meist dann, wenn Aufbaucode-Strukturelemente nicht vollständig mit Nutzdaten gefüllt werden und bestehender Text gelöscht werden soll. Die Analysen haben gezeigt, daß in solchen Fällen in aller Regel eine entsprechende Anzahl Blanks übertragen wird. So benötigt in einem Bestellsystem, bei dem alle verfügbaren Artikel in einem Katalog aufgelistet werden, eine Seite, die komplett mit Artikeltexten gefüllt ist, genau soviel Segmente wie eine Seite mit nur einem Artikel, weil die Informationen der alten Seite mit Blanks überschrieben werden. Durch die Nutzung entweder des Clear-Flags im Kopf der PDU oder der Repeat-Funktion (drei Byte für die beliebig häufige Wiederholung eines Zeichens) können in diesem Fall mehrere Segmente eingespart werden.

Beschleunigung der Bildaufbauzeit

Bei der Verwendung von frei definierten Farben und Zeichen (für das Firmen-Logo) empfiehlt es sich, diese bereits in der Übergabe-Seite abzulegen. Dadurch wird die Übertragung über Datex-P vermieden. Allein die Übertragung von acht frei definierten Farben benötigt 26 Byte, für zwölf DRCS (Auflösung 12x10, zweifarbig) sind zirka 170 Byte erforderlich. Unterstellt man, daß während einer Btx-Sitzung zehn Seiten abgerufen werden und daß freie Farben und DRCS auf jeder Seite übertragen werden, so führte dies zu einem überflüssigen Datenübertragungsvolumen von 40 Segmenten je Session. Die Bildaufbauzeit am Terminal verlängert sich allein dadurch um zirka zwei Sekunden je Seite.

Ein Problem stellen auch dynamisch aufgebaute Seiten dar. Sollen beispielsweise zuerst der Seitenkopf, dann der Seitenfuß und zum Schluß die Informationen in der Mitte der Seite dargestellt werden, so muß der Cursor jeweils an die entsprechende Stelle positioniert werden. Dies kann entweder durch einzelne Schritte geschehen (zum Beispiel um von Zeile vier nach Zeile 20 zu kommen, wird 16mal Cursor Down mit je einem Byte übertragen) oder durch die Funktion APA (Active Position Adressing), die drei Byte umfaßt.

Mit Hilfe der Trace-Analysen konnte das Datenübertragungsvolumen je Seite um bis zu 50 Prozent reduziert werden. Neben der Senkenden der Datex-P-Volumengebühren würden so merkliche Beschleunigungen der Bildlaufzeit realisiert.

Format-Service bisher kaum unterstützt

Bedauerlich ist, daß der Format-Service bislang nur von wenigen Anbietern von Btx-Rechnerverbundsoftware wirkungsvoll unterstützt wird. Durch Ablegen der festen Seitenbestandteile in Format-Service-Seiten sind weitere Verbesserungen beim Datenübertragungsvolumen und auch bei der Antwortzeit zu erzielen. Im Beispiel Rewe könnten die gesamten Datenübertragungskosten der Anwendung durch Nutzung des Format-Service um zirka zehn Prozent reduziert werden.

Ein Problem stellt auch die Zahl möglicher paralleler Sessions dar. Bei allen genutzten Rechnern stellte sich heraus, daß die Herstellerangaben zu optimistisch waren. Durch intensive Zusammenarbeit mit Herstellern konnten jedoch auch hier Verbesserungen erzielt werden.

Gegenüber diesen technischen Optimierungen hatten Anpassungen der Anwendungen an Forderungen der Benutzer ein weitaus geringeres Gewicht. Dies erklärt sich aus der frühzeitigen intensiven Einbeziehung ausgewählter Benutzer in den Gestaltungsprozeß, der entscheidend zu der hohen Akzeptanz der entwickelten Systeme beigetragen hat. Die routinemäßige Nutzung der Btx-IS führt jedoch zu neuen Anforderungen der Benutzer im Hinblick auf die Verkürzung des Dialogs und zu Anregungen für neue Anwendungen.

Akzeptanzanalyse bei der Iduna

Ein von den Benutzern nicht akzeptiertes und nicht aufgabenadäquat genutztes Informationssystemen bedeutet für die Unternehmung eine Fehlinvestition. Daher stellt die Akzeptanz moderner Informations- und Kommunikationstechnologien und damit auch eines Btx-IS ein zentrales Problem der technischen und organisatorischen Entwicklung dar. Die Nutzung und die Akzeptanz eines unternehmensinternen Btx-IS konnte bisher nicht systematisch untersucht werden. Die Forschungsarbeiten im Projekt Btx-IS boten erstmalig die Möglichkeit, das Verhalten und die Einstellung von Btx-Teilnehmern zu erfassen und auszuwerten, die ein solches im Rahmen ihrer täglichen Arbeit routinemäßig nutzen.

Die Ziele der durchgeführten Analyse während des Prozesses der Entwicklung und Einführung waren, die Akzeptanz des Btx-IS festzustellen, die Gründe für Zustandekommen oder Nichtzustandekommen von Akzeptanz herauszufinden und die Veränderungen der Akzeptanz im Laufe des Entwicklungs- und Einführungsprozesses in Abhängigkeit von veränderten Umweltbedingungen, wie beispielsweise dem Umfang und dem Komfort von Anwendungen oder die Einbindung von Mitarbeitern in Entwicklungsaktivitäten, festzustellen.

Wichtiges Instrument für die User-Beteiligung

Damit kommt der Akzeptanzanalyse eine zweifache Bedeutung zu. Zum einen ermöglicht sie als empirische Erhebung eine frühzeitige Rückkopplung von Erfahrungen der Benutzer mit den Anwendungen des Btx-IS. Zum anderen stellt sie - gerade bei einem großen flächendeckend verteilten Benutzerkreis - ein wichtiges Instrument zur Benutzerbeteiligung dar. Es ist daher sinnvoll, die Akzeptanzanalyse möglichst frühzeitig zu beginnen und in mehreren Stufen durchzuführen. Sobald die ersten Anwendungen fertiggestellt und freigegeben worden sind, sollten bereits erste Erfassungen von Benutzerstimmen durchgeführt werden. Im Einzelfall sollten sogar einfache (prototypische) Anwendungen für den speziellen Zweck einer frühen Akzeptanzanalyse geschaffen werden, das heißt, bevor die "echten" Anwendungen realisiert sind. Die Erfahrungen mit der Präsentation prototypischer Anwendungen sind äußerst positiv gewesen. Gerade bei Benutzern, die noch nicht mit DV-gestützten Informationssystemen in Berührung gekommen sind, findet die Präsentation eines einfachen, auf die Grundstrukturen beschränkten Modellsystems, große Zustimmung.

Aufgrund der bei dem Pilotpartner Iduna durchgeführten Befragung von Mitarbeitern, die das System im Routinebetrieb nutzen, und Umfragen bei den anderen Pilotpartnern können die folgenden wesentlichen Aspekte für das Zustandekommen von Akzeptanz herausgestellt werden. Alle Btx-Teilnehmer sehen im Btx-IS des jeweiligen Pilotpartners grundsätzlich eine effizientes Arbeitsmittel, das sie bei der Bewältigung ihrer Aufgaben unterstützt. Voraussetzung ist, daß über Bildschirmtext die Informationen aktueller, schneller, termingerechter und zuverlässiger verfügbar sein müssen als über die bisherigen Informations- und Kommunikationskanäle. Gleichzeitig werden im Hinblick auf die derzeitig anfallenden Verwaltungsarbeiten Rationalisierungseffekte erwartet, um durch Zeiteinsparungen Kapazität für andere Aktivitäten (beispielsweise Vertriebsaufgaben) freizusetzen.

Als konkret erzielte Nutzungsaspekte werden solche genannt, die auf die schnellere und aktuellere Information des Btx-Teilnehmers zurückzuführen sind. Hinzu kommt in vielen Fällen durch die situative Nutzung von Btx eine spürbare Verringerung des Zeitaufwands für Verwaltungsarbeiten.

Orienterung an großem Benutzerkreis

Obwohl die bisherigen Informationsstrukturen durch den Btx-IS-Einsatz teilweise verändert werden, resultieren hieraus keine Akzeptanzbarrieren. Grundsätzlich sieht die Mehrzahl der Teilnehmer keine Nachteile durch den Btx-Einsatz auf sich zukommen.

Ein Btx-IS muß sich an den Anforderungen des zahlenmäßig großen Benutzerkreises orientieren. Unterschiedliche Organisationsstrukturen und hierarchische Positionen bedingen unterschiedliche Informationsversorgungsstrukturen und unterschiedliche Informationsbedürfnisse. Deren Berücksichtigung stellt hohe Anforderungen an die Gestaltungsaktivitäten, ist aber für das Zustandekommen von Akzeptanz ein wesentlicher Beitrag.

Die Anforderungen der Btx-Teilnehmer an das System des jeweiligen Pilotpartners sind im großen und ganzen erfüllt worden. Kritik resultiert in erster Linie aus der Verfügbarkeit des externen Rechners den Defiziten im Informationsgehalt bestehender Anwendungen und dem Antwortzeitverhalten.

Da alle Pilotpartner ihre Btx-IS-Anwendungen schrittweise freigegeben haben, wird auch Kritik im Hinblick auf (noch) fehlende oder als wichtig oder hilfreich beurteilte Anwendungen laut. Dieser Kritik wird jedoch durch die intensiven Entwicklungsarbeiten Rechnung getragen.

Keine DV-typischen Akzeptanzbarrieren

Die Einstellungsmessung mit Hilfe von 19 Aussagen zur Btx-IS-Nutzung für verwaltungstechnische Arbeiten und Akquisition im Versicherungsaußendienst zeigt, daß negative Aussagen abgelehnt werden und positive Aussagen zum Btx-Einsatz Zustimmung finden. DV-typische Akzeptanzbarrieren (Furcht vor Dequalifikation des Arbeitsplatzes, Arbeitsplatzverlust) existieren nicht. Im Gegenteil, die Systematisierung der eigenen Arbeit und das Durchsichtigwerden von DV-Vorgängen werden positiv beurteilt. Auch die Aussage, daß die Durchdringung des Btx-Einsatzes zu schnell sei, und daß Btx unwirtschaftlich sei, wird abgelehnt. Dennoch ist ein Teil der Außendienstarbeiter enttäuscht, daß die Verringerung von Verwaltungsarbeiten und die bessere Informationsversorgung nicht direkt in Kosteneinsparungen und Verkaufserfolge umgesetzt werden können. Diese Vermutung resultiert daraus, daß die Aussage "Alles in allem hatte ich mir eigentlich mehr vom Btx-Einsatz versprochen!" als einzig negative Aussage einen vergleichsweise hohen Grad an Zustimmung findet. Das bedeutet, das bildschirmtextgestützte Außendienstinformationssystem wird als effizientes und effektives Arbeitsmittel eingestuft, dessen Einsatz aus der Sicht des Außendienstes ausgebaut werden sollte.

*Dipl.-Kfm. Heinz A. Gartner ist als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Bifoa innerhalb des Gesamtprojektes Btx-IS zuständig für das Teilprojekt Rewe Dipl.-Kfm. Marita Kampling war bis zum 30. Juni 1986 als wissenschaftliche Mitarbeiterin des Bifoa verantwortlich für das Teilprojekt BMW, und Dipl.-Kfm. Ferdinand Rüschenbaum ist als wissenschaftlicher Mitarbeiter des Bifoa für das Teilprojekt Iduna zuständig.

Iduna-Außendiestinformationsystemen

Realisierte Anwendungen:

- Vertragsauskünfte alle Sparten,

- Zentralinkasso-Kontoauszug,

- Bauspar-Kontoauszug,

- Anforderung schriftlicher Folgeprodukte,

- Tarifrechnung Lebensversicherungen,

- Antragsstatistik,

- Antragsregistrer,

- Personal-Informationssystem-Kontoauszug,

- AVAS-Abrechung (Kontoauszug),

- Mitteilung über Störfälle,

- Neugeschäftsanzeige.

Anwendungskonzepte:

- Tarifrechnung Kraftfahrt-Versicherungen

- Btx-gestütztes Mailbox-System.

Rewe-Bestellsystem

Realisierte Anwendungen

- Bestellsystem Obst und Gemüse,

- Anzeigen alter Aufträge,

- Warenwirtschaftszahlen für Obst und Gemüse,

- Mitarbeiterverwaltung

Anwendungskonzepte:

- Wareneingangserfassung im Strekengeschäft,

- Bestellsystem für Sonderangebote,

- Warenwirtschaftszahlen für das gesamte Sortiment.