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Studie untersucht, welche Firmen für die New Economy geeignet sind

Traditionelle Unternehmen erkennen das Potenzial der neuen Medien nur langsam

01.12.2000
Eine Studie der Bertelsmann Stiftung und der Medienakademie Köln GmbH geht der Frage nach, welche Kriterien Unternehmen erfüllen müssen, um für die New Economy fit zu sein. Unter anderem zeigte sich, dass der Vorteil junger Firmen gegenüber den traditionellen Unternehmen insbesondere in der höheren Anpassungsgeschwindigkeit liegt. Von Gabriele Müller*

Der Weg zum New-Economy-Unternehmen erfordert mehr als nur das Schlagwort E-Commerce. Das ist eine der Kernaussagen der Studie, die die Dr. Schwarz-Schilling & Partner GmbH erarbeitet hat. Befragt wurden rund 450 Führungskräfte von in Deutschland ansässigen Unternehmen, darunter Marketing-Leiter, Geschäftsführer, Vertriebsleiter und Manager der ersten und zweiten Führungsebene. Sie gaben zum Beispiel ihre Einschätzung zur heutigen Nutzung des Internet für unternehmerische Zwecke preis.

Das Ergebnis: Zwar glaubt die Mehrheit, dass die eigene Wettbewerbsfähigkeit immer stärker vom Internet-Know-how ihrer Mitarbeiter abhängt. Aber nur die Hälfte der Befragten nutzt das Medium selbst intensiv. "Weiterbildung, ja bitte", heißt ein anderes Kernergebnis. Denn die Notwendigkeit zu lebenslangem Lernen nimmt besonders im Hinblick auf die Integration von Internet und neuen Medien in das Wirtschaftsleben einen immer höheren Stellenwert ein.

Aber dabei ist nach Meinung der deutschen Manager in erster Linie die Initiative des Einzelnen gefragt. Das Vertrauen in die staatlichen Bildungsmaßnahmen scheint dagegen eher gering ausgeprägt zu sein. "Vom Staat erwarten die befragten Manager vielmehr eine ausbaufähige Basisausbildung - schon von Schulabgängern und Studenten wünscht man sich eine deutlich verbesserte Grundausbildung und stärkeren Praxisbezug", schildert Berater Christian Schwarz-Schilling.

Untersucht wurde in der Studie außerdem, wie das ein typisches Unternehmen der New Economy sieht. Zum Beispiel fordert die Berliner Novaville AG von ihren Mitarbeitern vor allem Belastbarkeit, Flexibilität und Eigenverantwortung. Chief Financel Officer (CFO) Jürgen Semmler erklärt den Unterschied zu den Traditionsfirmen so: "In Startups entstehen viele Strukturen schnell aus dem Tagesgeschäft heraus. Da muss dann einfach jemand da sein, um diese Strukturen mit Leben zu füllen."

Darum ist auch für die jungen Firmen die Weiterbildung der Mitarbeiter ein strategischer Unternehmensfaktor, bestätigt Semmler. Hier, wo auch Quereinsteiger für Vertrieb, Werbeflächenverkauf, Softwareentwicklung oder Multimedia-Spezialisten gesucht werden, kommt vor allem dem praxisnahen Lernen große Bedeutung zu.

Allerdings "ist Weiterbildung einer der zentralen Punkte der Mitarbeiterbindung, weniger der Personalbeschaffung", beschreibt Semmler. Auch Eigeninitiative wird in einem Unternehmen der New Economy groß geschrieben. "Neben fachlichen Themen spielt vor allem die Weiterbildung in Bereichen wie Teamarbeit und Bewältigung des Unternehmensaufbaus eine Rolle", schildert Finanzvorstand Semmler.

Das fällt bei arrivierten Firmen zwar flach - dafür steht die Entwicklung des Internet-Know-hows ganz oben auf der Prioritätenliste, so die Ergebnisse der Studie. Danach wollen zwei Drittel der Firmen selbst Weiterbildungsmaßnahmen zu E-Business-Themen initiieren. Allerdings schauen die befragten Führungskräfte hier scheinbar kritisch in den eigenen Geldbeutel: Rund die Hälfte von ihnen will nicht mehr als 1000 Mark pro Mitarbeiter investieren. Die Manager sind sich der Defizite jedoch bewusst. Für rund 40 Prozent steht das Thema E-Commerce demnächst auf dem Stundenplan.

Fraglich ist, ob also die Alten noch lernen müssen, was das Tagesgeschäft der Neuen ist, oder ob es sich genau umgekehrt verhält. Vielleicht ist es notwendig, dass sich beide in Bezug auf Lernen und Wissen aufeinander zu bewegen.

Sabine Raiser, Unternehmenssprecherin der Econia AG in Köln, war früher unter anderem in einem jungen Telekommunikationsunternehmen für die Rekrutierung neuer Mitarbeiter verantwortlich. Heute expandiert das Startup Econia mit Beschaffungsplattformen im Netz.

"Wir haben Fachleute aus den Branchen IT, Stahl, Chemie oder Papier, die alle genau wissen, wovon sie reden, wenn es da-rum geht, Lieferanten für bestimmte Produkte zu finden. Diese Kollegen verfügen über Berufserfahrung in ihren Bereichen von fünf bis zu 20 Jahren."

Sehr unterschiedlich zu dem, was Mitarbeiter in einem Old-Economy-Betrieb erfolgreich macht, klingt das nicht. Raiser sieht dennoch einen wichtigen Unterschied: Die Schnelligkeit. "Schnelle Auffassungsgabe und Mut zum raschen Umsetzen sind unerlässlich. Was nicht heißt, weniger darüber nachzudenken." Sind die meisten bestehenden Unternehmen einfach zu lang-sam, um zu erkennen, welche Chancen das Internet zur Optimierung ihrer Geschäftsprozesse bietet?

Die Studie jedenfalls kommt zu einem solchen Schluss. "Die Old Economy erkennt den aktiven Einsatz der neuen Medien nur nach und nach", heißt es als Fazit. Dabei erfordern die "immer dynamischeren Rahmenbedingungen eine breite Wissensgrundlage und immer spezifischere Kenntnisse. Nur durch die stetige Weiterbildung von Mitarbeitern und Führungskräften werden die Unternehmen fit für die New Economy."

*Gabriele Müller ist freie Journalistin in Wuppertal.