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31.01.1997 - 

Intranet und Legacy-Systeme/Obwohl es noch gar nicht richtig begonnen hat:

Traditionelles Workflow gerät unter Internet-Druck

Nach einfachen und begrenzten Anwendungen versuchen Unternehmen nun, weiterführende Aufgabenstellungen mittels Web-Technologien anzugehen. Das Spektrum reicht vom Dokumenten-Management bis hin zu ersten Versuchen, komplette Vorgangssteuerungen zu implementieren. Die herkömmlichen Produkte dieser Kategorien gelten im Vergleich dazu als veraltet, zu unflexibel, nicht zukunftssicher oder schlichtweg als zu teuer.

Bei einer realistischen Bewertung zeigt sich allerdings, daß Produkte, die unter Intranet-Flagge in den angestammten Markt der organisationsunterstützenden Systeme drängen, noch nicht mit den bestehenden Lösungen konkurrieren können. Die notwendige Abstimmung von Browser-Fähigkeiten mit Eigenschaften der verwendeten Web-Server, die Implementierung der Anwendungslogik sowie deren Anbindung an Datenbanken gleichen nach wie vor einem schwierigen Geduldsspiel. Welche Kombination von Web-Browser und -Server mit welcher Datenbank wieviel Anpassungsaufwand für welchen Typ von Anwendung benötigt, läßt sich in den wenigsten Fällen im voraus kalkulieren.

Web-basierte Workflow- beziehungsweise Groupware-Produkte sind noch rar und nach ihrem Funktionsumfang nicht mit reinen Workflow- und Group- ware-Produkten zu vergleichen. Selbst Internet-Größen wie Net- scape haben wenig mehr als einfache Diskussionsforen zu bieten, wenn es um die Unterstützung unternehmensinterner Zusammenarbeit geht.

Eine gewisse Ausnahme stellt Lotus dar, das mit Notes den umgekehrten Weg geht. Das Produkt ist historisch auf Workflow und Groupware - wo die IBM-Tochter einen marktbeherrschenden, aber gefährdeten Einfluß hat - ausgerichtet, und der Hersteller positioniert es mit Hilfe des Web-Servers Domino als Intranet-Plattform.

Für die anspruchsvolle Vorgangssteuerung nutzt Domino die Möglichkeiten der Web-Technologie. Offenheit und Portabilität bleiben dabei in der Regel auf der Strecke, da die "Leading Edge" notwendigerweise keiner Standardisierung folgt. Wer heute auf Web-basierte Workflow- und Groupware-Produkte setzt, muß sich der Tatsache bewußt sein, daß er in Technologie investiert, die morgen von technischen Entwicklungen oder Standardisierungsfortschritten überholt sein könnte.

Auch die Funktionalität der Intranet-Produkte ist nicht im entferntesten mit der etablierter Produkte vergleichbar. An die naheliegende Integration mit bestehenden X.400- oder X.500- Verzeichnissen hat noch niemand gedacht. In Workflow-Systemen gängige Dinge sind unter Web-Vorzeichen in zahlreichen Fällen allenfalls Ideen für morgen.

Die Abbildung von Organisationsstrukturen etwa ist nur sehr unvollständig realisiert. Eine Unterstützung der für Workflow-Anwendungen so wichtigen Modellierung von Abläufen ist ebenfalls nur rudimentär vorhanden. Sicherheitsmechanismen für kleinere Informationseinheiten als ganze Seiten fehlen ganz.

Auch wenn proprietäre Workflow-Produkte auf der funktionalen Seite die Nase vorn haben - das wird sich schneller ändern, als es den DV-Verantwortlichen lieb sein kann. Die Intranet-Produkte haben zwar noch nicht dieselbe Leistungsfähigkeit erreicht, aber sie werden wesentlich schneller entwickelt als die etablierten Lösungen.

Jedoch arbeiten auch die Workflow-Hersteller daran, ihre Produkte zu modernisieren und Intranet-fähig zu machen. Allen voran bemühen sich die Erzrivalen Microsoft und Lotus, den Anschluß an das Web nicht zu verlieren.

Der lange Zeit auf dem Internet-Ohr taube Softwareriese Microsoft ist aufgewacht und arbeitet daran, das mit Workflow- und Groupware-Eigenschaften ausgestattete Messaging-System "Exchange" mit dem Web zu verbinden. In der kommenden Version 4.5 lassen sich die von Exchange verwalteten MAPI-Objekte (Messaging Application Programming Interface) von dem sogenannten Web-Service dynamisch in HTML-Seiten (Hypertext Markup Language) verwandeln und über den Microsoft Internet Information Server abfragen.

Für Workflow- und Groupware-Anwendungen von Exchange stellt Microsoft gar die ganze Applikationsentwicklung auf HTML-Forms um, die sich dann auch problemlos im Web nutzen lassen. Ergänzt wird diese Integration durch Server-Side Scripting sowohl des Internet-Information- als auch des Exchange-Servers.

Lotus hat sich schon früher um die Integration von Notes in das Intranet gesorgt und verfügt mit Domino bereits über die zweite Generation des Groupware-Flaggschiffs. Dies ermöglicht die Umsetzung von Notes-Anwendungen für das World Wide Web. Der Anbieter richtet sich mehr und mehr auf das Intranet aus. Das Unternehmen hat soeben angekündigt, im nächsten Jahr mit allen nur verfügbaren Mitteln die Nummer eins im Intranet-Markt werden zu wollen.

Einer der bekannteren Workflow-Pioniere, Action Technologies, hat sich inzwischen halb auf die Intranet-Seite geschlagen. Mit "Metro" bietet Action eine Web-Adaption seines Workflow-Produkts neben den bewährten Notes-, SQL- und Exchange-Varianten an.

Metro ist allerdings nur die Ausführungskomponente des Systems, der Workflow-Designer ist unverändert geblieben, und der Workflow-Builder wurde entsprechend angepaßt. Die Funktionalität von Metro ist gegenüber den bisherigen Implementierungen begrenzt. Der Grund liegt insbesondere in der eingeschränkten Interaktivität der Web-Technologie, ein Problem, das sämtliche Internet- und Intranet-Anwendungen teilen.

Die Web-Technologie ist hinsichtlich Abfrage und Darstellung von HTML-Seiten durch einen Server grundsätzlich ein dialogorientiertes Informationssystem. Die Interaktion mit einer Web-Anwendung beschränkt sich auf das Ausfüllen eines Bildschirmformulars und das Warten auf die Antwort vom Server. Sämtliche Audio-, Video- und Multimedia-Fähigkeiten sind lediglich passive Wiedergabeformen der Browser-Software für bestimmte Dateiformate. Kritiker bezeichnen das Web deshalb schon als Rückschritt in die zentralistische Welt aus Großrechnern und Terminals.

Echte Interaktion im Web ermöglichen Technologien wie Java, Javascript, Active X oder VB-Script. Sie sind aber bis auf Java plattformabhängig und könnten die Anwender wieder an einzelne Hersteller binden. Derzeit fehlt aber noch die Standardisierung der Kommunikation mit Server-Anwendungen, die vor proprietären oder individualistischen Abweichungen des Offenheit garantierenden HTTP-Standards schützt.

Die derzeit vieldiskutierte Common Object Request Broker Architecture (Corba) der Object Management Group (OMG) gilt als Mittel gegen dieses Integrationsproblem. Dieser Standard garantiert die Offenheit der Schnittstellen zwischen den verschiedenen Systemen und wird von Industriegrößen wie Netscape und Sun, aber auch von Lotus unterstützt.

Unternehmen, die heute Workflow-Lösungen auf Basis von Intranet-Technologien implementieren wollen, sollten sich im klaren darüber sein, daß sie weitgehend Neuland betreten. Um den allgemeinen Intranet-Trend nicht zu verpassen, ist es aber unbedingt notwendig, mit der neuen Technologie zu experimentieren. Ein Produktivbetrieb empfiehlt sich derzeit aber nur für einige wenige Anwendungen. Für den breiten oder gar unternehmensweiten Einsatz ist die derzeitige Intranet-Technologie nur begrenzt geeignet.

Trotz aller momentanen Bedenken besteht kaum ein Zweifel, daß sich Intranets auch im unternehmensweiten Umfeld durchsetzen werden. Schon heute wächst der Markt für Intranets entgegen aller Bemühungen der etablierten Hersteller wesentlich schneller, als es im Workflow- beziehungsweise Groupware-Markt je der Fall war.

Der Bedarf an organisatorischen Lösungen ist vorhanden und das Markt-Potential enorm. Die Implementierung proprietärer Workflow- und Groupware-Systeme ist für den breiten Einsatz bei vielen kleinen Detailproblemen zu aufwendig. Mit Web-Technologien lassen sich kleinere Probleme wesentlich kostengünstiger lösen, weshalb Intranets in den Unternehmen wie Pilze aus dem Boden schießen.

Die Unternehmen sollten allerdings keinesfalls die Fehler der Vergangenheit wiederholen: Die Einheitlichkeit des Daten-Managements und der Systemarchitektur ist eine Grundvoraussetzung, um das Entstehen aufwendig zu integrierender Insellösungen zu vermeiden.

Anwender, die heute vor einer Investitionsentscheidung stehen, sollten sich fragen, wie schnell sie auf fortschrittliche Funktionen zurückgreifen wollen oder wie lange sie auf die notwendige Standardisierung der entsprechenden Web-Technologien warten können. Für komplexe Anwendungen empfiehlt sich der Einsatz etablierter Produkte. Nutzer klassischer Workflow-Systeme sollten sich Implementierungen der Intranet-Technik in neuen Releases zunutze machen.

Quo vadis, Web?

Die Technologie des World Wide Web, sei sie nun im Internet oder im unternehmensinternen Intranet im Einsatz, entwickelt sich ständig weiter. Nach der Aufbereitung statischer, dateibasierter Web-Seiten über dynamische Generierung von Web-Seiten aus Datenbanken ist nun die aktive Bearbeitung von Dokumenten und deren Rückspeicherung auf den Web-Server der aktuelle Stand der Technik. Die Verfolgung des Bearbeitungsstands von Dokumenten und Web-Seiten innerhalb existierender Organisationen ist der nächste logische Schritt.

Auf Dauer könnte außerdem die Unterstützung mobiler Nutzung anstehen. Für den lesenden Zugriff existieren bereits seit geraumer Zeit entsprechende Lösungen. Für die lokale Offline-Bearbeitung von Web-Seiten und die spätere Rückspeicherung auf einen Server entwickeln Softwarehäuser derzeit neue Lösungen.

Kaum beginnt sich der Begriff Intranet halbwegs zu etablieren, zeichnet sich bereits der nächste Trend ab. Unter der Bezeichnung "Extranet" versteht man die Koppelung mehrerer Intranets unterschiedlicher Unternehmen für die Bearbeitung gemeinsamer Geschäftsvorfälle. Ein Beispiel ist die Optimierung der Verkaufssteuerung zwischen Herstellern, Distributoren und Händlern.

Über ein Extranet zwischen den beteiligten Unternehmen läßt sich die Auftragsbearbeitung wesentlich vereinfachen. Der Begriff Extranet hat gute Chancen, sich gleichwertig neben Intranet zu etablieren, und verdeutlicht die Entwicklung zu einer Ausweitung des geschäftsrelevanten Einsatzes von Web-Technologien in den Unternehmen.(mw)

Angeklickt

Nicht erst der Kostendruck der jüngsten Zeit hat den Trend zur weitergehenden Automatisierung von Verwaltungsabläufen verstärkt. Leistungsfähige Workflow-Systeme sind ein Hilfsmittel, die Effizienz der Vorgangsbearbeitung zu steigern, unnötige Liegezeiten zu vermeiden und Abläufe transparenter zu gestalten. Konventionelle Workflow-Systeme gelten als teuer. Sind Intranet-Lösungen eine kostengünstige Alternative?.

*Michael Wagner ist als Berater und Publizist in München tätig