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29.09.1989 - 

Fachleute sind geteilter Meinung über den Mac für unterwegs

Tragbarer Mac Tragbarer Mac leitet eine neue Ära für Apple-Anwender ein

MÜNCHEEN (CW) - Apple hat den ersten tragbaren Macintosh vorgestellt. Über die technischen Details kursierten bereite seit einigen Monaten ziemlich genaue Angaben, die sich jetzt bestätigten: Hohes Gewicht, kontraststarkes Aktiv-Matrix-Display und Batteriebetrieb (siehe auch COMPUTERWOCHE Nr. 319 Seite 4). Branchenkenner zeigten sich einerseits von der Qualität des Gerätes beeindruckt, äußerten aber auf der anderen Seite Zweifel daran, ob sich das Gerät durchsetzen wird.

Bei Apple selbst ist man bemüht, das Wort "Laptop" für den tragbaren Mac tunlichst zu vermeiden. Obwohl das Gerät viele Charakteristika eines Laptops erfüllt - Flachbildschirm, Mobilität und Batteriebetrieb will man es lieber als "Portable" bezeichnen - eine Definition, die Kritiken am zu hohen Gewicht für einen Laptop von rund 7,9 Kilo abfangen soll. Zweiter unterschied zu einem "Laptop" ist die Größe: Der Portable Mac hat kaum Platz in einem Aktenkoffer und kann auch nur mit Mühe unterwegs, also im Zug, Flugzeug oder Auto, betrieben werden. Drittens schließlich, aber das dürfte eingefleischte Mac-Anwender am wenigsten schrecken, ist das Gerät mit rund 20 000 Mark annähernd so teuer wie ein Top-end-Modell der Desktop-Macs.

Apple feiert seinen Portable hingegen als vollwertigen Macintosh und rechnet mit einem vollen Erfolg des Rechners. Ähnlich äußern sich auch Macintosh-Anwender rund um den Globus. Für sie bedeutet ein tragbarer Mac endlich die Möglichkeit, ihren Rechner und ihre Software auch unterwegs einzusetzen, womit die bisher größte Einschränkung der Mac-Welt entfällt. Die Auslieferung der Rechner soll zum ersten Oktober beginnen; nach Apple-Angaben besteht bereits eine große Nachfrage.

Mit dem Gerät versucht Apple erstmals seit dem Weggang von Firmengründer Steve Jobs seinem Ruf als innovatives Unternehmen nachzukommen. Der Aktiv-Matrix-Bildschirm ist eine Entwicklung, die erstmals in einem Rechner eingesetzt wird. Aber auch an diesem Bildschirm erhitzen sich die Gemüter. Sein klares Bild, Schärfe und hoher Kontrast beeindrucken jeden, der bisher nur LCD-Displays kannte. Die hohe Qualität der neuen Technik hat ihren Grund darin, daß jedes Pixel von einem eigenen Chip gesteuert wird, und nicht ein Prozessor das ganze Bild berechnet. Folge: Die Kosten sind wesentlich höher - so hoch, daß Apple sich nur für ein Schwarzweiß. Display entscheiden konnte. Außerdem können nur sehr wenige Unternehmen solche Displays herstellen, eines in den USA und etwa fünf in Japan.

Die großen japanischen Elektronikkonzerne wie Toshiba und Sharp haben zwar mit der Aktiv-Matrix-Technik experimentiert, dort kam man jedoch zu dem Schluß, sei sei zu teuer, und widmete sich deshalb der Entwicklung von Farb-Displays.

Die Abhängigkeit von japanischen Unternehmen in Sachen Display werten Analysten als problematisch für Apple: Für die nächsten zwei Jahre ist nach ihrer Ansicht der Nachschub an Aktiv-Matrix-Displays keineswegs gesichert, außerdem gehöre die Zukunft den Farb-Displays.

Testanwender des Poitable-Mac stellten außerdem fest, daß der Bildschirm zwar über hohen Kontrast verfüge, bei Dunkelheit ließe die Qualität jedoch schlagartig nach.

Auch wenn es sich bei dem neuen Mac um einen vollwertigen Macintosh handelt, gibt es einen Wermutstropfen: Mit ihm kommt die vierte Zusatzkarten, Architektur in die Mac-Welt. Aus Designgründen und wegen der geringen Stromaufnahme der 68000-CPU in CMOS-Technik können die herkömmlichen Add-in-Boards nicht unterstützt werden. Für Spezialanwendungen müssen also neue Karten besorgt werden, die es zum Teil noch gar nicht gibt.

Neben dem Portable stellte Apple einen neuen Desktop-Mac vor. Der Mac II CI, der schnellste Macintosh überhaupt, basiert auf dem Prozessor 68030 und ist mit 25 Megahertz getaktet. Er ist in einem kleineren Gehäuse als die herkömmlichen Mac-II-Modelle untergebracht. Der Preis liegt bei rund 25 000 Mark, standardmäßig verfügt er über einen Coprozessor 68882. Die nächste Ankündigung, die von der Macintosh-Gemeinde erwartet wird, ist das System 7.0. In den USA wurde es bereits vorgeführt.

Portable-Mac: Statussymbol für die 90er Jahre

Da ist er nun, der Machintosh für unterweg mit dem beeindruckenden Flachbildschirm. Doch damit hat sich's dann auch schon. Während der Laptop-User in den DOS- Welt zum gleichen preis Aktentaschengeräte mit Prozessoren vom TYP 80386 bekommt, bleibt der Apple-Portable beim guten alten 68000 - bekannt vom allerersten Mac. Dafür hat er Ausmaße, die in Flugzeug oder Eisenbahn wahre Rangierkünste erfordern und ein Gewicht, das jedes Hanteltraining ersetzt. Apple hätte wohl besser auf die eingebaute Bleibatterie verzichtet. Ohne sie wäre er nicht nur leichter geworden, man hätte auch bei den Ausmaßen sparen können.

Über den hohen Preis braucht man nicht viele Worte zu verlieren Schließlich hat die Mac-Welt ihre eigenen Gesetze; wer ein echter Mac-Fan ist, der wird sich den Tragbaren wenn nötig vom Mund absparen. Denn wenn der tragbare Macintosh schon nicht auf dem Stand der Technik ist, das Zeug zu einem Statussymbol der ausgehenden hat er allemal.