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23.09.1994

Training via Satellit und ISDN bei Festo Didactic Kein Traum mehr: Bueffeln im virtuellen Klassenzimmer

Unterricht im "virtuellen Klassenzimmer" verbindet Fernlerner aus unterschiedlichen Staedten Deutschlands und Europas. Vorerst als Ergaenzung zu klassischem Fernunterricht angeboten, soll vernetztes, interaktives Lernen zukuenftig zum festen Bestandteil des Seminarangebots von Festo Didactic werden. Wie die neue Art des Lernens funktioniert und was das fuer den einzelnen Kursteilnehmer bedeutet, beschreibt Claudia Schulz*.

Noch finden vorwiegend Praesenzkurse statt, Kurse also, in denen ein Trainer vor einer Gruppe von Lernern steht und klassischen Unterricht abhaelt. Diese Kurse wird es auch weiterhin geben. Um den Forderungen nach effizienterer, bedarfgerechter und schnellerer Weiterbildung gerecht zu werden, nahm Festo Didactic (siehe Kasten) den Fernunterricht in sein Programm auf.

Seit zweieinhalb Jahren unterhaelt das Unternehmen ein Videokonferenzstudio auf Glasfaserbasis. Mit dem Uebergang zum ISDN und der schrittweisen Anbindung aller Schulungseinrichtungen an das digitale Telefonnetz soll interaktiver Fernunterricht kuenftig einen breiteren Raum im Festo-Bildungsangebot erhalten.

Technische Grundlage fuer die neuen Formen der Aus- und Weiterbildung bildet das European Training Network (ETN). Es wurde unter der Leitung des Berliner Beratungs- und Softwarehauses Condat GmbH im Rahmen des Projekts ACT (Advanced Communications for Training) des EU-Programms Delta (Developing European Learning by Technology Advance) entwickelt und in der Praxis erprobt.

Satellit und ISDN verbinden eine beliebige Anzahl von Lerner- und Trainerstationen auch ueber Laendergrenzen hinweg. Im ETN (vgl. Abbildung 1) lassen sich drei Lernszenarien realisieren, die sich in der Anzahl der Teilnehmer, im Grad der Interaktion sowie in der zeitlichen Verschiebung der Kommunikation unterscheiden:

1. Interactive Teleteaching, bei dem sich alle Lerner und Trainer eines Kurses von verschiedenen Orten aus ueber Satellit und ISDN in einem "virtuellen Klassenzimmer" versammeln;

2. Interactive Remote Tutoring, bei dem jeweils ein Lehrer und ein Schueler ueber PC und ISDN simultan kommunizieren und

3. Interactive Distributed Learning, wo Lerner und Trainer ebenfalls ueber PC und ISDN, allerdings zeitverschoben, kommunizieren.

Miteinander kombiniert, dekken diese Szenarien alle Anforderungen an tutoriell unterstuetzten Fernunterricht ab.

Interactive Teleteaching

Eine Fernsehsendung wird von einem Fernsehstudio ueber Satellit ausgestrahlt und in den einzelnen Lernerstationen empfangen. Die aktive Teilnahme der Lerner an der Sendung wird mittels ISDN realisiert.

Ausgestattet mit Videokamera, Mikrofon und PC koennen die Lerner direkt in die Sendung gelangen. Im Studio selbst werden die Bilder der beteiligten Stationen nach Bedarf gemischt und ausgestrahlt.

Auf diese Weise entsteht ein virtuelles Klassenzimmer: Die Lerner in den voneinander entfernten Stationen koennen einander sehen und hoeren. Wo kein Satellitenanschluss verfuegbar ist, ist die Sendung auch ueber ISDN zu empfangen. Bei einer Uebertragungskapazitaet von sechs Kanaelen (drei zusammengeschaltete ISDN-Basisanschluesse) kommt die Qualitaet des digital empfangenen Fernsehbilds dem der Satellitenuebertragung schon sehr nahe.

Interactive Remote Tutoring

In diesem Szenario absolviert ein Lerner selbstaendig ein Lernprogramm auf dem PC. Bei dieser Form des Selbststudiums kann der Teilnehmer leicht in eine Lernsackgasse geraten. Das heisst, er kommt an eine Stelle, an der er nicht mehr weiter weiss. Sein PC ist ueber ISDN mit einem entfernten Trainer-PC verbunden, so dass er jederzeit Kontakt mit dem Dozenten aufnehmen kann.

Der Trainer schaltet sich nun auf den PC des Lerners und sieht genau, an welcher Stelle im Lernprogramm der Schueler ein Problem hat.

Lerner und Trainer befinden sich in demselben Programm, sie teilen sich sozusagen den PC. Auf diese Weise zeigt der DV-Lehrer dem Lerner auf dem Bildschirm sehr detailliert, was er zu tun und wie er weiterzumachen hat. Er kann die Arbeit des Kursteilnehmers verfolgen und die Verbindung dann wieder loesen. Grundlage fuer diese Kommunikation bildet das Windows-Programm

"Teletutor", das von Condat entwickelt wurde .

Interactive Distributed Learning

Lerner und Trainer kommunizieren zeitlich unabhaengig voneinander. Beispielsweise schickt der Lerner seine Ergebnisse ueber ISDN zum Trainer-PC, und der Lehrer schaut sie sich spaeter an. Umgekehrt uebertraegt der Trainer Uebungsaufgaben an den Lerner-PC, die der Schueler spaeter erledigt. Ausserdem koennen Kursanten wie Ausbilder auf einen Host zugreifen, um zum Beispiel Lernmaterial abzuholen oder Mitteilungen abzulegen. Computer Conferencing heisst hier das Stichwort.

Als firmennahes Thema bot sich bei Festo die Elektropneumatik fuer den Einstieg ins interaktive Fernlernen an. Ausserdem gehoert sie zu den Inhalten, die sich auch europaweit an eine grosse Anzahl von Teilnehmern vermitteln lassen. Der Kurs findet als Fernstudium statt und wird einmal pro Monat durch eine interaktive Fernsehsendung ergaenzt und unterstuetzt.

Etwa 60 Teilnehmer in sechs Stationen koennen dann 90 Minuten lang mit den Experten im Studio, aber auch untereinander den Lernstoff diskutieren. Die Stationen befinden sich im Firmenstammsitz in Berkheim (Deutschland) sowie in Italien, Frankreich, Holland und Finnland. Die Moderation findet in einem Fernsehstudio der France Telecom in Montpellier statt. Jeder, der die richtige Satellitenschuessel auf seinem Haus hat, kann die Sendung mitverfolgen.

Die aktive Teilnahme ist allerdings nur fuer jene Zuschauer moeglich, die auch ueber die passende ISDN-Verbindung zum Studio verfuegen. Anlaesslich der "Qualifikation" in Hannover wird eine zusaetzliche Lernerstation auf dem Stand von Festo Didactic eingerichtet. Am 30. September koennen die Messebesucher eine Vor- Ort-Demonstration dieser technischen Loesung miterleben. Auch Teletutor ist waehrend der Messe auf dem Festo-Stand in Aktion.

Das Lernen am Arbeitsplatz mit Fernunterstuetzung durch Tutoren wird in Zukunft eine grosse Rolle spielen. Eigens dafuer eingerichtete interaktive, multimediale und vernetzte PC- Arbeitsplaetze stehen dann im Unternehmen einer Vielzahl von Lernern fuer verschiedenste Kurse zur Verfuegung. Hierbei fallen Verwaltungsaufwaende und Sicherheitsanforderungen an. Festo setzt deshalb die von der Condat entwickelte Learnercard ein, die das Lernen sowie die Abwicklung von Kursen erleichtert.

Die Learnercard ist eine multifunktionale Chipkarte, welche die fuer flexibles und vernetztes Lernen notwendige Lernumgebung von Kursteilnehmern und Tutoren verwaltet (vgl. Abbildung 2). Zum Funktionsumfang gehoeren die Autorisierung des Nutzers, der Zugang zu Lernunterlagen an unterschiedlichen Orten, die Abrechnung von Kursleistungen, die datengeschuetzte Speicherung des individuellen Lernfortschritts sowie die Identifizierung des Kursteilnehmers gegenueber dem Tutor und umgekehrt.

Die Ver- und Entschluesselungsfunktionen der Karte ermoeglichen eine gesicherte Uebertragung von vertraulichen Daten wie Hausaufgaben oder Bescheinigungen. Diese Informationen werden mit einem auf der Karte gespeicherten Schluessel codiert, so dass nur der autorisierte Empfaenger sie lesen kann. Eine weitere Funktion der Learnercard ist die Abrechnung der in Anspruch genommenen Leistungen auf Basis des verwendeten Materials, der aufgerufenen Services oder

(ISDN)-Leitungskosten.

Als Kartensystem waehlte Condat Starcos, eine gemeinsame Entwicklung der GMD (Gesellschaft fuer Mathematik und Datenverarbeitung) und Giesecke & Devrient. Dieses System erlaubt die Konfiguration multifunktionaler Karten und bietet ein komfortables Entwicklungssystem fuer schnelle Anwendungsentwicklungen.

Was bislang noch nicht moeglich war - ein Soforttraining fuer technische Neuheiten - wird mit der Anwendung des European Training Network machbar. Gerade in Industriebetrieben ist die Geschwindigkeit des Transfers technischer Wandlungen ein entscheidender Wettbewerbsfaktor. Mit anderen Worten: Je schneller Mitarbeiter fuer Neuheiten geschult werden koennen, desto schneller setzen sich diese Neuheiten in die Produktionspraxis um und desto schneller koennen sie auf den Markt gelangen.

Um Hemmungen der Wissbegierigen vor dem Umgang mit ungewohnter Technik abzubauen, geht Festo in einzelnen Schritten vom Papier zur Elektronik ueber. Aber nicht nur fuer die Schueler ist das Lernen am PC eine Umstellung, sondern auch fuer die Dozenten.