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11.06.2004 - 

Geschäfte bleiben auch 2004 schwierig

Trainingsanbieter kämpfen ums Überleben

MÜNCHEN (hk) - Die Trainingsanbieter rechnen in diesem Jahr mit einem weiteren Umsatzrückgang von fünf Prozent, hoffen aber auf eine Besserung. Viele Unternehmen sparen noch immer an der Aus- und Weiterbildung, weil ihre Aktivitäten schlecht laufen. Gute Geschäfte machen Seminaranbieter, die nicht einseitig von staatlichen Geldern oder einer Branche abhängig sind.

2003 war kein gutes Jahr für die Weiterbildungsbranche, und auch in diesem Jahr müssen die Anbieter von Trainingsleistungen hart kämpfen. "Alles, was nicht notwendig ist, wird nicht geschult", lautet das Fazit von Thomas Lünendonk, der zum siebten Mal seine Studie "Führende Anbieter der beruflichen Weiterbildung in Deutschland 2004" vorgestellt hat. Interessant aus Arbeitgebersicht seien nur die Themen, die sofort Ergebnisse beim Mitarbeiter brächten und auf die sich nicht verzichten lasse wie Kurse im Umfeld der Einführung einer neuen Software oder einer Systemumstellung. Christina Strobel von der seit Anfang April ausgegliederten Siemens-Business-Service-Seminartochter LS Training and Service bringt es auf den Punkt, wenn sie sagt: "Geschult wird nur noch, was geschäftsrelevant und was messbar ist", also wo sich zeigt, dass nach dem Training die Leistung des Mitarbeiters steigt.

Lünendonk erwartet, dass nur kleine Spezialisten oder große Generalanbieter überleben werden. "Mittelgroße Gemischtwarenläden" haben es seiner Einschätzung nach künftig noch schwerer. Stark unter Druck sind auch die Trainerhonorare geraten. Den größten Preisverfall hat Marktbeobachter und Mitherausgeber der Lünendonk-Studie, Heinz Streicher, im "Massengeschäft" ausgemacht. Wer Standard-IT-Themen unterrichtet wie Office-Einführung, muss damit rechnen, ständigen Preisverhandlungen ausgesetzt zu sein und heruntergehandelt zu werden. Mittlerweile seien die Preise für Office-Kurse für freiberufliche Trainer sogar unter 200 Euro am Tag gerutscht, berichtet Streicher. Lünendonk beobachtet, dass Unternehmen sich selbständige Dozenten ins Haus holen, auf die sie dann je nach Bedarf zugreifen können. Gute Preise erzielten Trainer, die sich mit einem Spezialthema einen Namen gemacht haben, oder Spezialisten, deren Wissen aktuell gerade gefragt ist.

In einer Umfrage des "Jahrbuchs der Management-Weiterbildung" gaben laut Autor Jürgen Graf über 40 Prozent der freien Dozenten an, dass sie bei den Honoraren Einbußen erlitten hätten. "Die Honorare sind stark ins Trudeln geraten und die Trainer müssen hart feilschen", berichtet Graf. Er weiß von einigen Dozenten, dass sie mittlerweile auch Kurse an der Volkshochschule angenommen haben, um überleben zu können. Zu den wenigen Seminaren, die im vorigen Jahr gut liefen, gehörte das Vertriebstraining, ergab seine "Trendanalyse Weiterbildung", die er im Jahrbuch veröffentlichte. Absolutes Trendthema sei Coaching, in dessen Genuss mittlerweile nicht nur das Topmanagement, sondern auch die mittlere Führungsebene gelangten. "Weiterbildung verkommt zum reinen Reparaturbetrieb", lautet das kritische Fazit des Management-Jahrbuch-Herausgebers.

Lösungsanbieter gefragt

Gute Überlebenschancen haben laut Streicher Bildungsfirmen, die sich als Lösungsanbieter profilieren. Sie müssen von der Konzeption über Personalentwicklung bis zur Übernahme der Trainingsaktivitäten des Anwenderunternehmens alles bewerkstelligen können. In dieser Analyse fühlt sich Uwe Schöpe, Geschäftsführer der Bonner Akademie, bestätigt. Mit seinen 100 Mitarbeitern verdient er zu 70 Prozent sein Geld mit IT-Kursen. Die Bonner Akademie zählt zu den wenigen Gewinnern der Lünendonk-Liste. Der Umsatz des Unternehmens stieg um zehn Prozent, nur SRH Lernlife meldete einen noch höheren Zuwachs. Schöpe versteht sich als einer dieser Generalunternehmer, die ihren Kunden rund um die Weiterbildung ein ganzes Paket an Produkten und Dienstleistungen bis hin zum Outsourcing anbieten können. Dabei tanzt er auf mehreren Hochzeiten. Als Tochterunternehmen der Züricher Versicherung erwirtschaftet er fast zwei Drittel des Umsatzes mit der Muttergesellschaft, den Rest mit externen Kunden und aus staatlich geförderten Maßnahmen.

Mit vielseitigem Kursangebot punkten

Ernüchterung herrscht beim Thema E-Learning, meint Streicher. Das Online-Trainingsgeschäft mache im Durchschnitt fünf Prozent des Gesamtumsatzes aus. Auch in Zukunft würden die Befragten eher zurückhaltend mit diesem Thema umgehen, ergab die Studie. Dem kann LS-Mitarbeiterin Strobel nicht ganz zustimmen. Richtig sei, dass sich vor allem Blended-Learning-Konzepte durchsetzten, also eine Mischung aus Präsenz- und Online-Training.

Von den 20 größten Trainingsanbietern in Lünendonks Liste sind zehn dabei, die über 50 Prozent ihres Umsatzes mit IT-Training machen. Sie mussten Umsatzrückgänge bis zu einem Drittel in Kauf nehmen. Stark erwischt hat es dabei die Unilog Integrata AG aus Tübingen und das Münchner Institut CDI mit einem Minus von jeweils 33 Prozent gegenüber dem Vorjahr. CDI-Sprecherin Kathrin Cambensi, bestätigt denn auch, dass ihr Unternehmen "am Kämpfen" sei. CDI hat es doppelt hart getroffen: Zum einen brach das Geschäft mit IT-Seminaren, das schon 2002 nicht mehr stabil lief, weiter ein. Zum anderen gibt es die von der Bundesagentur für Arbeit geförderten Umschulungskurse für Arbeitslose immer weniger. Hinzu komme, dass die Nürnberger Behörde in ihrer Sparwut nur noch Kurse der billigsten Weiterbildungsanbieter genehmige. Da hätten IT-Seminaranbieter kaum eine Chance mitzuhalten. CDI versucht deshalb das Geschäft auf eine breitere Basis zu stellen, indem es stärker kaufmännische Ausbildungen anbietet, das Firmenkundengeschäft ausbaut, aber auch Seminare zu Themen wie Existenzgründung und Coaching ins Programm aufnimmt.

Profiteur der Krise

Einer der sein Geschäft auf eine breite Grundlage gestellt hat und damit gut lebt, ist der Vorstandsvorsitzende des Bildungskonzerns SRH Learnlife, Michael Nagy, aus Heidelberg. Unter den größten 20 Bildungsanbietern belegt er Platz vier und weist mit 16 Prozent das höchste Umsatzwachstum aus. Der Professor und frühere Daimler-Chrysler-Personal-Manager beschäftigt über 1200 Mitarbeiter in fünf Bundesländern. Zu seinem Bildungskonzern gehören zwei private Fachhochschulen, 17 Fachschulen, eine Akademie, die schwerpunktmäßig IT- und Management-Themen im Programm hat und eine Gesellschaft, die behinderte Personen beruflich fördert. Gute Perspektiven räumt er den privaten FHs ein, seine dritte stehe kurz vor der Eröffnung. Auch die Fachschulen, die wahlweise einen kaufmännischen, einen IT oder einen Abschluss im Gesundheitswesen anbieten, liefen sehr gut. Abschlüsse, die hier gemacht werden, gelten als Alternative zur klassischen Lehre, von der immer mehr Unternehmen nichts wissen wollen. Verdoppelt habe sich auch die Zahl der Teilnehmer an Aufstiegsfortbildungen, seit es das Meister-Bafög gebe.

Nagy beobachtet vor allem eines: die Bereitschaft der Teilnehmer, ihre Weiterbildung selbst in die Hand zu nehmen und dafür auch selbst zu bezahlen.

Der Markt im Überblick

Zum siebten Mal hat Thomas Lünendonk seine Studie "Führende Anbieter beruflicher Weiterbildung in Deutschland" herausgebracht. Er schätzt das Volumen des Weiterbildungsmarktes für das vorige Jahr auf 6,5 Milliarden Euro, was einem Minus von zehn Prozent gegenüber 2002 entspricht. Auf diesem Markt bieten 5000 bis 10000 Anbieter ihre Leistungen an. Allerdings sind davon rund 63 Prozent Einzelkämpfer, und nur gut sieben Prozent beschäftigen mehr als 25 fest angestellte Mitarbeiter.

Abb: Top-20-Anbieter beruflicher Weiterbildung in Deutschland 2004

Nur wenige der 20 führenden Weiterbildungsanbieter konnten im vorigen Jahr gegenüber 2002 ein Umsatzplus erwirtschaften. Quelle: Lünendonk GmbH