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13.03.1998 - 

Middleware: COM versus Corba/Kulturunterschiede zwischen Microsoft und IBM

Transaktionssysteme bilden das Rückgrat der Unternehmens-DV

Im Marketing-Gerangel um die neuen Techniken gibt es drei Gruppen: Microsoft mit seinem Component Object Model (COM), die Gruppe um IBM, Netscape, Sun und Oracle, die auf die Common Object Request Broker Ar- chitecture (Corba) setzen, und eine Reihe von Unternehmen wie Bea Systems und Iona Technologies, die beide Techniken verwenden.

Im Zentrum beider Systeme befindet sich ein Object Request Broker (ORB) , der für die Kommunikation zwischen Anwendungen sorgt. Doch solche Broker an sich besitzen keine der Transaktionseigenschaften, die für den Einsatz in großen Umgebungen unentbehrlich sind. Die Object Management Group (OMG) hat deshalb die Object Transaction Services (OTS) definiert. Der Standard enthält einen Satz an Objekt-Schnittstellen, die von einem transaktionstauglichen Object Request Broker unterstützt werden müssen. Der einfachste Weg ist, die OTS-Schnittstellen mit einem bestehenden Transaktionsmonitor (TP-Monitor) zu implementieren. Das ermöglicht - neben der erhöhten Sicherheit - durch die Transaktionsmechanismen eine praktisch beliebige Skalierbarkeit Corba-basierter Systeme.

Einige der wichtigsten Hersteller von TP-Monitoren sind kurz davor, eine neue Generation von Produkten auf der Basis von ORBs vorzustellen. IBM arbeitet an einem Business Object Server auf der Basis von Corba Business Objects, Iona verfügt seit letzten Sommer über eine Betaversion von Orbix, Visigenic hat eine Implementation auf dem Markt, die auf dem Transaktionsmonitor von Hitachi beruht. Bea Systems wird in Kürze die neue erweiterte Tuxedo-Generation auf der Basis verteilter Objekte vorstellen, bei der vor allem Corba-Technik, am Client aber auch DCOM zum Einsatz kommt.

Außerdem will Microsoft in das Geschäft mit Object Trans- action einsteigen. Laut Gartner Group verfolgt das Unternehmen dabei eine bewährte Strategie: Einfache Benutzbarkeit zu niedrigen Einstiegspreisen soll für breite Akzeptanz sorgen und schließlich zur Marktdominanz führen. Doch die Gates-Company steigt Jahre nach den etablierten Anbietern in dieses Middleware-Geschäft ein und muß daher die wichtigsten technischen Meilensteine im Eilmarsch erreichen.

Der Einstieg in die Client-Server-Technik wurde relativ erfolgreich mit einer Kopie des Remote Procedure Call (RPC) aus dem Distributed Computing Environment (DCE) von der Open Software Foundation geleistet.

Diese Software für Funktionsaufrufe via Netz wird als Transportschicht von Microsofts Broker-Software Distributed Component Object Model (DCOM) verwendet, die wiederum dafür sorgt, daß Anwendungen in Windows-Umgebungen miteinander kommunizieren können, ohne ihren Standort im Netz kennen zu müssen. Als Teil der ursprünglich von Sybase erworbenen SQL-Server-Datenbank hat das Unternehmen einen ersten Transaktions-Manager herausgebracht, der schließlich um DCOM-Funktionalität und einige Transaktions-Features erweitert, im Dezember unter der Bezeichnung Microsoft Transaction Server (MTS) als eigenständiges Produkt angekündigt wurde. Kurz: Die Aufholjagd ist in vollem Gange. Bis 1999, so die Gartner Group, habe Microsoft den technischen Stand heutiger Systeme - die allerdings auch weiterentwickelt werden - nicht nur erreicht, sondern überholt.

Die Marktforschungs- und Beratungsgesellschaft Forrester Research steht den Gates-Lösungen dagegen skeptisch gegenüber. Ihnen ist das DCOM-Modell für unternehmensweite Anwendungen nicht skalierbar genug, um die Herausforderungen großer verteilter Anwendungen zu bewältigen.

Die Gartner Group sieht andere Schwierigkeiten. In dem Maße, in dem Microsoft sich weiterentwickelt, würden derzeit aktuelle Techniken meist aus dem Desktop-Bereich vernachlässigt werden. Dafür kämen weitere Enterprise-Techniken wie asynchrones Messaging für Massentransaktionen hinzu, die für Einplatz-Anwender uninteressant sind. Dies werde das Konzern-Konzept durcheinanderbringen, ein Programmiermodell für alle Windows-Umgebungen anzubieten. Es sei abzusehen, daß Active-X-Komponenten nur entweder am Client oder am Server laufen.

Von weit größerer Relevanz dürfte sein, ob es der Gates-Company gelingt, so in den Dienstleistungsbereich hineinzuwachsen, wie es Unternehmenskunden verlangen. Bislang ist der Software-Konzern auf Partner wie Digital Equipment, HP und andere angewiesen. Am Rande sei angemerkt, daß umständliche Handhabung oder Programmschwächen, die am Desktop oder von Pilotkunden toleriert werden, ein Ausschlußkriterium sind, wenn es um den produktiven Einsatz von unternehmenswichtigen Anwendungen geht. Zwar gibt es auch dort keine fehlerfreie Software, aber die Anforderung an Fehlertoleranz, -diagnose und -behebung sind weit höher als bei Abteilungs-Servern.

Die Gartner Group diagnostiziert zudem eine Grundhaltung bei Microsoft, die alle Plattformen außer Windows zu Legacy-Systemen erklärt, deren Unterstützung sich nicht eigentlich lohne. Daher könne es nur darum gehen, Verbindungen zu schaffen, die den Anwendern eine Migration in die Windows-Welt ermöglichen. Die Entwicklung von Mainframe-Gateways läßt sich als Anzeichen eines möglichen Umdenkens deuten. Die Etablierung der Datenbank-Schnittstelle OLE-Db oder der Rücklizenzierung des Unix-DCOM von der Software AG bestätigen jedoch eher die bisherige Microsoft-Haltung.

Die Vorgehensweise von Big Blue

Während Microsoft die DV-Welt aus der Windows-Perspektive lediglich als proprietäre Ergänzungen eigener Techniken wahrnimmt, hat die IBM die Realität heterogener Landschaften nicht nur akzeptiert, sondern stellt sie ins Zentrum ihres Geschäftsmodells. Daher verspricht der DV-Altmeister nicht wie Microsoft das einfache und preisgünstige Schaffen neuer Softwarekomponenten, sondern die Integration komplexer und heterogener Anwendungen. Aus dieser Sicht wird es immer ein Nebeneinander von zentralen und verteilten Anwendungen, synchronem und asynchronem Messaging, Echtzeit- und Batch-Verarbeitung geben. Der Großrechner wird seinen Platz als Server für Massendaten oder als hochskalierbares System im Web einnehmen. Auf Server-Ebene wird es Unix-Landschaften und in den Abteilungen fette Windows-PCs, Terminals oder NCs geben. Die Herausforderung besteht darin, diese Techniken mit Middleware, insbesondere Transaktionssystemen wie CICS oder mit Hilfe von Brokern wie Corba zu integrieren.

Das Konzept dafür heißt Component Broker. Die Gartner Group lobt es als vorausschauend und flexibel. Es handelt sich um ein Client-Server-Konzept mit den Anwendungen und den Datenobjekten an der Spitze. Dabei ist es gleichgültig, ob die Daten in einer lokalen oder entfernten Datenbank gespeichert werden, ob sie von Legacy-Anwendungen oder Messaging-Systemen kommen, weil all diese Quellen als Corba-Objekte wahrgenommen werden. Unter dieser Schicht befinden sich als Middletier die Business-Objekte, in denen die Geschäftsregeln des Anwenderunternehmens abgelegt sind. Noch eine Schicht tiefer liegen die Applikationsobjekte, die den Arbeitsfluß organisieren. Die Benutzerumgebung, ob Windows-PC, Terminal oder NC, gilt lediglich als Erweiterung dieser Architektur. Die Analysten sehen den Markt für dieses Konzept vor allem in komplexen Projekten für die Anwendungsintegra- tion.

Diese Integrationsausrichtung der IBM hängt nicht nur mit dem DV-Verständnis innerhalb des Konzerns zusammen, sondern auch mit Corba. Diese Architektur ist mehr auf Interoperabilität als auf Portabilität ausgerichtet. So werden hier vor allem Protokolle definiert und weit seltener Anwendungsprogrammier-Schnittstellen. Abhilfe schaffen soll die Internet-Programmiersprache Java, mit der es möglich ist, plattformunabhängige und damit portable Komponenten, sogenannte Applets, zu entwickeln - ein weiteres Feld für die Konkurrenz zu Microsoft.

Aufgrund der unterschiedlichen Stärken, die bei Microsoft in der raschen Komponenten-Entwicklung und bei Corba in der Integration von heterogenen DV-Umgebungen liegen, ist es wahrscheinlich, daß die Anwender- unternehmen beide Techniken einsetzen werden. So baut Bea Systems sein Transaktionssystem Tuxedo um, damit sich neben konventionellen Techniken auch Corba-Middleware einsetzen läßt. Die Windows-Welt wird über eine Corba-DCOM-Brücke einbezogen. Ähnlich verhält sich Iona Technologies, ein langjähriger Corba-Verfechter, wenn das Unternehmen die Unix-Variante von DCOM in sein Middleware-Portfolio aufnimmt.

Angeklickt

Transaktionssysteme gibt es weit länger als den Begriff Middleware. Nach einer kurzen Auszeit im Windows-Taumel erlebt diese Technik nun unter Internet-Vorzeichen eine Renaissance. Klassische TP-Monitore werden mit Techniken wie Corba oder COM modernisiert. Doch während die IBM mit CICS von Anfang an im Geschäft ist, muß sich Microsoft in einer rasanten Aufholjagd seinen Platz erobern.