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23.09.1977 - 

Geglückter Verbund zwischen IBM, Amdahl und CDC:

Transatlantisches DFÜ-Netz selbstgestrickt

Die Lummus GmbH in Wiesbaden (Mitglied der Combustion Engineering Gruppe), befindet sieh in der Schlußphase einer EDV-Entwicklung, die als Muster für viele multinationale Unternehmen dienen könnte. Lummus, auf dem Gebiet des chemischen Anlagenbaus tätig, befaßt sieh mit allen Aspekten der Planung und des Baus von Energiesystemen und Industrieanlagen. Vor etwa einem Jahr hat Combustion Engineering ein Projekt zur Rationalisierung der EDV seiner europäischen Tochterfirmen begonnen.

Durch eine Kombination von zentralisierter und dezentralisierter Verarbeitung sollen die technischen Voraussetzungen für eine völlig neue Größenordnung der internationalen Zusammenarbeit geschaffen werden.

Computer-Graphik, Streßanalyse und Verfahrenssimulation sind die Schwerpunkte der technisch-wissenschaftlichen Anwendungen. Auf der kommerziellen Seite werden umfangreiche Datenbanken unterhalten, um den Anforderungen der Materialwirtschaft, der Finanz- und Betriebsbuchhaltung und der Terminplanung zu entsprechen. Diese Aufgaben werden durch Standardsoftware erledigt, die von der Muttergesellschaft entwickelt worden ist. Solange in Europa verarbeitet wurde, war es immer notwendig, zwei getrennte Rechenzentren für die zwei Verarbeitungsarten zu benutzen.

Ein weiteres Problem in dieser Branche ist der Trend zu immer größeren Projekten. Manchmal müssen vier oder fünf Schwestergesellschaften in drei Erdteilen zusammenarbeiten, was blitzschnelle Kommunikation sowie einheitliche Systeme und Prozeduren erfordert.

Die Probleme der internationalen Zusammenarbeit sowie Flexibilität der meisten europäischen Rechenzentren haben Combustion Engineering veranlaßt, ein internationales Verbundnetz aufzubauen, um allen Tochtergesellschaften den Zugang zum Hauptrechenzentrum in den USA zu gewähren sowie eine direkte, internationale Kommunikation zu ermöglichen.

Im Mittelpunkt dieses Verbundnetzes steht das Rechenzentrum in Windsor, Connecticut, USA, das auch als Prüflabor für neue Hardware-Einrichtungen dient.

Die Arbeiten auf der kommerziellen Seite erledigen eine Amdahl 470 und eine IBM 370/168 mit den Betriebssystemen OS/VS 2. Zusammen gibt das eine Hauptspeicherkapazität von 10 Millionen Bytes. Die Rechenleistung wird durch periphere Einheiten mit einer Online-Speicherkapazität von mehr als 20 000 Megabytes unterstützt.

Technisch-wissenschaftliche Aufgaben rechnet eine CDC-7600-Anlage mit einer Hauptspeicherkapazität von mehr als 300-K-Worten. Die hohe Rechengeschwindigkeit der CDC-7600 macht sie besonders für CPU-intensive Anwendungen wie Simulation und Computer-Graphik geeignet.

Die drei Großrechner werden hauptsächlich für den Stapelbetrieb benutzt. Durch Terminals nehmen die nordamerikanischen Töchter den Stapelservice in Anspruch; seit Frühjahr 1976 haben auch die europäischen Töchter Zugang zum CE-Rechenzentrum.

Außer dem Stapelbetrieb werden jetzt auch mehrere Time-Sharing-Möglichkeiten ausgebaut. Die Amdahl-IBM-Kombination ermöglicht gleich zwei Arten des Dialogverkehrs - TSO und Intercomm (3271 - orientierter Dialogverkehr). CDC-orientiertes Time-Sharing wird durch eine Cyber 172 bewältigt, die im NOS-Verfahren läuft. Diese Dialogmöglichkeiten sollen ausgebaut werden, um sowohl das teure DFÜ-Netz von unnötiger Übertragung von E/A -Operationen zu entlasten, als auch eine bessere CPU-Auslastung zu erreichen.

Das Verbundnetz besteht aus privaten Stromwegen und Geräten zur Steuerung der Datenübertragung. Herz des Systems ist eine Comten 3650/3670 in Holland, die Übertragung zwischen sechs europäischen Leitungen, drei transatlantischen Stromwegen (zwei Unterseekabel und eine Satellitverbindung) steuert und mit einem Comten-Rechner auf der amerikanischen Seite ständig kommuniziert. Beide Anlagen haben jeweils 250-K-Hauptspeicher und sind im Stande, die Auslastung der Überseeverbindungen so zu optimieren, daß die Nennkapazität der Überseeverbindungen niedriger sein kann als, die Summe der Kapazitäten der europäischen Leitungen. Sie können sich außerdem automatisch auf Degradierung der einen oder anderen transatlantischen Leitung zwischen den europäischen Stapelterminals und der Eingabeschlange des IBM/Amdahl-Systems einstellen. Arbeiten, die für die CDC-Anlage bestimmt sind, werden in einem speziellen IBM-Job eingebettet, dessen Job-Karte einen besonderen Code trägt. Solche Datenströme werden automatisch aus der OS-Eingabeschlange herausgegriffen und mittels eines PDP-11-Minicomputers zu der CDC-Maschine geschickt. Die Ausgaben werden analog über die OS-Ausgabeschlange zurückgeschickt. Dies ermöglicht den gleichzeitigen Zugriff zu beiden Großanlagen durch einen Eingabestrom, wobei der manuelle Eingriff in die Übertragungssteuerung umgangen werden kann.

Bei der Übertragungstechnik für Stapelverarbeitung wirkt sich die Zeitverschiebung zwischen Europa und Nordamerika besonders günstig aus, da die Europäer den größten Teil ihrer Arbeiten in der Nachtschicht der Amerikaner erledigen kennen.

Der Dialogverkehr wird durch den Anschluß eines Codex-6030-Systems ermöglicht. Diese Einrichtungen werden an beide Enden jeder europäischen Leitung angeschlossen und machen jeden Übertragungsweg für eine Reihe von synchronen und asynchronen Datenstationen anzapfbar. Durch die Technik des "statistischen Multiplexens" geht auch sehr wenig Übertragungskapazität verloren. Die asynchronen Anschlüsse kennen durch eine Vielzahl von Terminaltypen (Texas Instruments, IBM 3271, Hazeltine etc.) angesprochen werden.

Die asynchronen Anschlüsse kennen überdies als Fernschreibstationen fungieren. IBM-3271-Datenstationen, in Verbindung mit einem Norfield-Kommunikationscomputer in Windsor, ermöglichen weltweit privaten Nachrichtenverkehr zwischen den Mitgliedern der Combustion-Engineering-Gruppe.

Die Leistungsfähigkeit eines solchen Netzes hängt von der Optimierung der Datenübertragung ab. Um unnötige Informationsübertragung zu vermeiden, muß die transatlantische Datenübertragung auf das erforderliche Minimum herabgesetzt werden.

Durch das Time-Sharing-System können gezielt Fehler in Eingabesätzen korrigiert werden, ohne den ganzen Satz neu eingeben zu müssen. Das Abfragen bestimmter Informationen statt des Druckens eines langen Berichtes ist eine weitere Quelle von Ersparnissen. Eine andere Möglichkeit, transatlantische Übertragung zu umgehen, bietet Distributed Processing durch Minicomputer. Bei Lummus in Wiesbaden sind zum Beispiel zwei Datenstationen von Data 100 im Einsatz, ein Modell 78 mit 24 KB und ein FML/11 mit 32 KB. Das Modell 78 wird vorwiegend als Stapelterminal benutzt, während das FML/11 die Datenerfassung bewältigt. Beide sind programmierbar, durch einen Übertragungskanal verbunden, und verfügen zusammen über zwei Drucker, zwei Kartenleser, zwei Magnetbandeinheiten, einen Lochstreifenleser, einen Kartenstanzer, eine Konsole, neun Erfassungsstationen und eine 10-MB-Magnetplatte.

Beide Prozessoren haben Zugriff zu fast allen peripheren Einheiten. Das 78-System kann RPG-Programme kompilieren und ausführen; das FML/11 kann Daten erfassen, sortieren sowie Tabellen und einfachere Listen verarbeiten.

Die Data-100-Systeme sind so in der Lage, Großanlagen und Verbundnetz zu entlasten.

Bleibendes Problem ist die Entscheidung: Welche Verarbeitungsmöglichkeit wird für eine bestimmte Sache eingesetzt. Hierüber entscheidet ein Kostensystem, das nach dem Ursachenprinzip aufgebaut ist. CPU-Zeiten, Eingabe-/Ausgabeeinheiten und Erfassungszeiten werden für alle Arbeiten getrennt berechnet. So ist leichter festzustellen, welche Verarbeitungen online und welche offline ökonomisch günstiger abgewickelt werden können.