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Transparenz auf allen Ebenen

27.01.2006
Von Holger Schmiedefeldt 
Industrielle Produktionsprozesse sollen der Softwareentwicklung ein Höchstmaß an Effizienz bringen. Die Bankengruppe HSBC hat entsprechende Maßnahmen getroffen.
Nur wenn große Entwicklungsprojekte zentral gesteuert werden, ist der Erfolg wahrscheinlich.
Nur wenn große Entwicklungsprojekte zentral gesteuert werden, ist der Erfolg wahrscheinlich.

Künftig müssen sich IT-Projekte in weniger als 18 Monaten amortisieren. Das stellte Gartner-Boss Gene Hall Ende letzten Jahres auf dem Symposium ITxpo im französischen Cannes fest. Er bezog sich dabei auf eine Umfrage unter CIOs. Gar nicht oder unzureichend abgeschlossene Projekte tauchen demnach in den Planungen der IT-Lenker ebenso wenig auf wie völlig überteuerte Vorhaben. Projektentgleisungen gehören bald der Vergangenheit an.

Hier lesen Sie …

• warum es bei Entwicklungsprojekten auf das Anforderungs-Management ankommt;

• wie sich mit Application-Lifecycle-Management-Systemen die Fehlerquote reduzieren und die Effizienz erhöhen lässt;

• welche Erfolge die HSBC-Bank mit methodischem Vorgehen verzeichnete.

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www.computerwoche.de/go/

558267: Itil-Zertifikat für MKS;

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1054269: Produktivität der Softwareentwicklung;

567026: ALM für Eclipse.

Zum Konsens gehört, dass künftig zu Beginn eines neuen Softwareprojekts die Technik im Hintergrund steht. Zunächst gilt es, im Rahmen des Anforderungs-Managements Fakten zu sammeln und in einem dafür geeigneten System zu erfassen: Angefangen von den Zielen, die mit dem geplanten Projekt verfolgt werden, bis hin zum Leistungsbedarf wird jedes Detail festgehalten. Entscheidend ist, dass alle formulierten Requirements eindeutig, konsistent, umsetzbar und vor allem vollständig sind.

Das Ergebnis eines erfolgreichen Anforderungs-Managements ist daran erkennbar, dass sich alle Wünsche mit der zur Verfügung stehenden Zeit, dem Budget, den Zielen der Fachabteilungen und der IT-Infrastruktur im Einklang befinden. Falls nicht, muss über das Projektziel neu verhandelt werden.

Bei umfangreichen Projekten kann es sinnvoll sein, nacheinander mehrere Versionen einzuführen. Insbesondere dann, wenn eine Anwendung relativ schnell fertig sein soll, empfiehlt es sich, zunächst eine einfache Lösung zu realisieren. Dazu werden zuvor die Anforderungen priorisiert. Der größte Vorteil liegt darin, dass bei konsequenter Anwendung noch vor Beginn der Entwicklungsarbeit eine Risikobewertung des IT-Projekts erfolgen kann. Erst danach kommt das "Go" zur Implementierung, oder es ist eine erneute Überprüfung der Wünsche und Ziele notwendig.

Entscheidend für den Erfolg eines Entwicklungsprojekts ist die Transparenz, die in allen Phasen vorhanden sein muss. Dazu ist der Einsatz eines Application-Lifecycle-Management- Systems (ALM) hilfreich, das alle Mitwirkenden in den Prozess integriert und immer den aktuellen Status und die Zeitschiene sichtbar macht.

Da in großen Unternehmen die Beteiligten meist auf unterschiedliche Standorte verteilt sind, muss das Daten-Repository zentral vorgehalten werden. Über Web-Anbindung sollte der Zugriff jederzeit und von jedem beliebigen Ort aus möglich sein.

Mitwirkende einbinden

Nur wenn alle Beteiligten einbezogen werden, lassen sich Auswirkungen korrekt abschätzen und Verbesserungen schrittweise vornehmen. Auch wenn bereits mit der Entwicklung begonnen worden ist, sind bei Problemen automatisch alle Beteiligten zu benachrichtigen und in die Entscheidung einzubeziehen. Bei konsequentem Vorgehen lassen sich auf Anhieb Fragen beantworten wie zum Beispiel: "Wie stark reduzieren sich Programmier- und Testaufwand, wenn auf bestimmte Anforderungen verzichtet wird?" oder "Wie viel früher ist ein Teilprojekt abgeschlossen, wenn ausgewählte Funktionen in eine nächsthöhere Version verlegt werden?"

Natürlich kommt es bei jedem IT-Projekt vor, dass nachträgliche Änderungen erforderlich sind. Gerade hier zeigt sich die Stärke eines ALM-Systems. Alle neuen Anforderungen werden erfasst und anhand eines vordefinierten Workflows automatisch an die Beteiligten zur Entscheidung weitergeleitet. Diese Workflows lassen sich bei Bedarf schnell und einfach an die bestehende Infrastruktur anpassen.

Weil das System die vorgenommenen Modifikationen dokumentiert, ist es selbst bei fertigen Applikationen möglich, im Nachhinein zu erkennen, wie beispielsweise ein bestimmtes Release entstanden ist oder wer aus welchen Gründen eine Entscheidung getroffen hat. Auf der anderen Seite sind alle Auswirkungen aufgrund angeforderter Änderungswünsche sofort sichtbar.

Während der Codier- und Testphase bietet das zentrale Daten-Repository ebenfalls Vorteile - insbesondere wenn große Entwicklungsteams von unterschiedlichen Standorten aus am gleichen Projekt arbeiten. Fehler durch unbeabsichtigtes Überschreiben, unerlaubtes Verändern oder falsch zusammengestellte Builds sind ausgeschlossen. Aufgrund der exakt definierten Schnittstellen lassen sich Programmier- und/oder Testarbeiten auch an Dritte übertragen.

Beispiel HSBC-Bank

Die HSBC Holdings Plc. beschäftigt über 14 000 IT-Mitarbeiter, die laufend neue Projekte für die mehr als 9800 Niederlassungen in 77 Ländern aufsetzen. Das Team, so zeigte ein Vortrag auf der ITxpo, ist mit harten Vorgaben konfrontiert. So müssen die Kosten für Softwareentwicklung und Support um zehn Prozent reduziert werden - bei gleichzeitiger Steigerung der Qualität. Das Management verlangt, die Quote der auftretenden Systemfehler um zehn Prozent zu verringern sowie Möglichkeiten einzuführen, um den Stand aller Aktivitäten messbar zu machen.

Die Vorteile sprechen für sich

Das wichtigste Ziel besteht jedoch darin, bei jedem Projekt eine Balance zu finden zwischen den Risiken in der IT und den Anforderungen der Kunden. Nach Einführung eines ALM-Systems wurden bei HSBC innerhalb der ersten fünf Monate knapp 15 000 Builds erledigt und in die Produktion überführt. Die Zahl der Administratoren für die Projekt-Entwicklung sank weltweit von 58 auf 14. Den Verantwortlichen steht ein einheitliches Dashboard zur Verfügung, das alle Projektdaten anzeigt. Rund 80 Prozent aller Definitionen können global vereinbart werden.

Der erzielte Nutzen bei IT-Governance, Audits, Sicherheitskontrollen sowie dem Schutz des Sourcecodes hat die Investitionen in das ALM-System schon im ersten Jahr gerechtfertigt. Kein Wunder, dass der HSBC-Vortrag auf der ITxpo in Cannes im Vergleich zu anderen Vorträgen sehr gut besucht war und auf reges Interesse sowie Zustimmung bei den anwesenden CIOs, IT-Architekten und IT-Directors stieß. (hv)