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02.08.2002 - 

IT im Handel/Radio Frequency Identification (RFID) zeichnet alles auf

Transponder machen Warenfluss transparent

Eine komplette Dokumentation dessen, was in der Lieferkette geschieht, fehlt häufig. Transponder könnten diesen wichtigen Job in vielen Fällen übernehmen. Von Michael Schuldes*

Auch der Handel reagiert auf den zunehmenden Kostendruck mit durchgehenden, Online-fähigen Geschäftsprozessen. Wünschenswert ist eine effiziente Lieferkette vom Rohmaterial über alle Zwischenetappen - Zulieferer, Zwischenproduzenten, Zwischenhändler - bis zum Verkäufer. In allen Abschnitten der Supply Chain sollte sich automatisch feststellen lassen, wo und in welchem Zustand sich die Waren befinden.

Radio Frequency Identification (RFID), eine Kombination aus einer mobilen oder stationären Lese-Schreib-Einheit und einem Transponder, soll das ermöglichen. Hersteller und Händler in der Textil- und Lebensmittelbranche werden als Erste davon profitieren können. Der kürzlich verabschiedete ISO-15693-Standard zielt international auf die Kompatibilität unterschiedlicher RFID-Systeme zur drahtlosen Warenidentifikation in Echtzeit ab.

Der RFID-Transponder besteht aus einem kleinen Chip und einer Antenne, die je nach Einsatzgebiet in Papier, Kunststoff oder Keramik verpackt sind. Die aktuelle Größe der Transponder: "Knöpfe" ab ein Zentimeter Durchmesser und zwei Millimeter Stärke, Quadrate beziehungsweise Rechtecke ab 1,5 Quadratzentimeter Volumen mit Stärken im Mikrometerbereich. Im Vergleich zum bisher üblichen Barcode eröffnen diese Transponder viele Vorteile. Sie arbeiten berührungslos und ohne Sichtkontakt. Zudem kann der Inhalt des Transponders jederzeit gelöscht beziehungsweise geändert werden. Dadurch ist er immer wieder verwendbar. Teile des Inhalts können gegen unberechtigte Zugriffe gesperrt werden, was zur Sicherheit der aufgezeichneten Daten beiträgt. Da keine Sichtverbindung zwischen der Lese-Schreib-Einheit und dem Transponder erforderlich ist, kann der Transponder auch versteckt und schmutzgeschützt an der Ware angebracht werden.

Der Transponder hält vom Werk bis zum Verkauf automatisch die kompletten Bewegungen einer Ware fest. Medienbrüche innerhalb der Supply Chain sowie Lieferscheine, Zählscheine und andere Papierdokumente mitgeschickte gehören der Vergangenheit an. Die auf den Transpondern hinterlegten Daten können jederzeit per Lese-Schreib-Einheit gelesen oder für weitergehende Auswertungsschritte in ein beliebiges Datenbank- oder Enterprise-Resource- Management-(ERP-)System übernommen werden. Traditionell fehlerträchtige manuelle Eingaben werden dadurch überflüssig.

Der Nutzen von RFID liegt vor allem in der durchgehenden Transparenz der kompletten Wertschöpfungskette. Die Ware sagt selbst, wo sie ist. Einige Beispiele aus der Bekleidungsindustrie:

- Ein Hersteller wählt Stoff aus und kennzeichnet ihn mit einem Transponder. Der Stoff wird extern verarbeitet und das fertige Teil zurückgeliefert. Der Hersteller kann überprüfen, ob das Teil auch wirklich aus dem von ihm ausgesuchten Stoff besteht.

- Bisher mussten zum Diebstahlschutz die Bekleidungsstücke manuell mit Sicherungen versehen werden, teils sogar mit mehreren, je nach Wert und Art der Ware. Zuvor mussten diese Sicherungen von Hand sortiert und auf Funktionsfähigkeit kontrolliert werden. Mit dem Einsatz des Transponders wird einfach ein Teil des Speicherplatzes für die Diebstahlsicherung des Bekleidungsstücks reserviert und der entsprechende Sicherungscode über das Schreib-Lese-Gerät eingebracht. Das funktioniert über die Antenne auch ohne Sichtkontakt.

- Die im Wareneingang angelieferten Bekleidungsteile werden automatisch über die Antenne erfasst und der zentralen DV gemeldet. Das erspart im Wareneingang das aufwändige Zählen per Hand.

- Der benötigte Lagerplatz für die Textilien wird auf dem Transponder gleich mitvermerkt. Dadurch kann die Ware automatisch dem entsprechenden Lagerplatz zugewiesen werden, das Lager lässt sich einfacher verwalten.

- Die Sammelerfassung beim Warenausgang mittels Barcode ist aufwändig, weil jedes einzelne Teil gesondert gescannt werden muss. Anders mittels Transponder an jedem Kleidungsstück: Dann ist eine gleichzeitige Registrierung aller Teile (Pulkerfassung) innerhalb des Pakets möglich. Anschließend wird das komplette Paket in der DV als "ausgelagert" gekennzeichnet. Damit kann auch automatisch die Vollständigkeit des Paketinhalts geprüft werden.

- Die Umpreisung der Bekleidungsstücke im Handel erfolgt ebenso automatisch einfach über die Lese-Schreib-Einheit. Das erspart das manuelle Aufbringen der Barcodes und das Auszeichnen der Preise auf den Etiketten.

- Mit der kompletten Information des Transponders kann der Kunde an der Kasse überprüfen, ob das Bekleidungsstück wirklich vom ausgewiesenen Hersteller stammt.

Mit dem Bezahlen der Ware wird der Sicherungscode selbsttätig gelöscht. Gleichzeitig beginnt der Garantieanspruch. Kommt es seitens des Endkunden zu einer Reklamation, kann über den eingebauten Transponder schnell festgestellt werden, ob es sich wirklich um einen Garantiefall handelt. Denn jeder Transponder hat weltweit eine eindeutige Kennnummer.

Diese durchgehende Transparenz des Warenflusses zahlt sich für Industrie und Handel noch in einer weiteren Hinsicht aus: Sie ermöglicht allen an der Lieferkette Beteiligten, die Durchgängigkeit des Warenflusses und der Begleitaktivitäten zu überprüfen und weiter zu verbessern. Zu denken ist hier an automatische und dadurch billigere Inventur, bessere Disposition, Vermeidung von Präsenzlücken, Pünktlichkeitskontrolle sowie Reduktion von Schwund. Die Zentrale kann außerdem jederzeit überprüfen, was die Niederlassungen verkaufen.

RFID in Industrie und Handel steht noch am Anfang. Bei einem Preis von über einem Euro pro Transponder empfiehlt sich die Technik derzeit lediglich für Waren, deren Verkaufswert oberhalb der 30-Euro-Marke liegt. In dem Maß, indem sich die Technik durchsetzt, dürfte sie jedoch billiger werden. RFID rechnet sich vor allem dann, wenn alle Beteiligten der Wertschöpfungskette ein solches System einsetzen und sich die Kosten teilen. (bi)

*Michael Schuldes ist Senior Consultant im Bereich Transport und Logistik bei Siemens Business Services (SBS) in München.

Einige RFID-Anbieter

- AEG Identifikationssysteme (Transponder, Antennen),

- Infineon (Chips, Transponder),

- Philips (Chips),

- Psion Teklogix (mobile Lesegeräte),

- Smartec (Transponder),

- Schreiner Logi Data (Transponder),

- Siemens (Chips, Antennen, Transponder, mobile Lesegeräte) sowie

- Texas Instruments (Chips, Antennen, Transponder).

Die Vorteile

- Kompatibel zur drahtlosen Warenidentifikation in Echtzeit,

- berührungsloses Arbeiten ohne Sichtkontakt,

- keine Medienbrüche in der Supply Chain.

Abb.1: Mehrwert durch Chip Sharing Approach (CSA)

Der RFID-Transponder wird von vielen Beteiligten über die gesamte Supply Chain hin genutzt. Quelle: Siemens Business Services

Abb.2: Beispiel: Prozesskreislauf Mietwäsche

Der Nutzen von RFID wird am Beispiel "Mietwäsche" deutlich: Transparenz zu jedem Zeitpunkt des Kreislaufs. Quelle: Siemens Business Services