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20.11.1981 - 

Vermittlungssysteme kommunizieren benutzerfreundlicher als kommerzielle Rechner:

Transportsysteme der Zukunft müssen Medien-Mix entsprechen

SINDELFINGEN (CW) - Zwischen Sprache, Daten, Text- und Bildkommunikation bestehen bislang noch Grenzen. Technisch wird die Bürokommunikation der Zukunft eine Verknüpfung zwischen Bürotechnik, Datenverarbeitung und Nachrichtentechnik sein. Dabei kommt es für Benutzer weniger darauf an, wie Rolf-Dieter Leister auf dem diesjährigen Count-Anwendertreffen in Sindelfingen betonte, eine geeignete Hardware zu suchen. Das "Büro der Zukunft" sei vielmehr eine organisatorische Aufgabe. Hier ein Auszug aus Leisters Rede.

Ein Durchbruch der Technik in den Büros wird erst dann stattfinden, wenn sie an die Arbeitsweise und Organisation der Büroarbeit angepaßt ist. Deshalb genügt es nicht nur in Technik zu investieren. Es kommt vor allem darauf an, Mitarbeiter zu schulen und in Ablauforganisationen zu investieren, damit die Techniken bereitwillig akzeptiert werden.

Dabei wird allerdings hilfreich sein, daß sich das Preis-/Leistungsverhältnis der DV-Hardware weiter verbessern wird. So werden sich beispielsweise die Kosten der Computer-Logik pro Jahr um 25 Prozent, die Speicherkosten um 40 Prozent reduzieren und sich die Anzahl der Logik-Komponenten auf einem Chip jedes zweite Jahr verdoppeln.

Zudem wird das Innovationspotential der Nachrichtentechnik die Kosten der Informationsübermittlung gravierend reduzieren. Die Verbesserung der Preis-/Leistungsverhältnisse der Nachrichtentechnik werden in den nächsten zehn Jahren die der Datentechnik überholen.

Dies wird zunehmend die Nutzung des Angebotes neuartiger Kommunikationsdienste stimulieren, wie sie auch heute bereits von der Deutschen Bundespost in Form von beispielsweise Teletex und Bildschirmtext angeboten werden.

Durch weiter sinkende Hardware-Kosten wird die Dezentralisierung von Informationsverarbeitung beschleunigt. Gleichzeitig entsteht die Chance, durch wirtschaftliche Informations-Übermittlungsverfahren dezentrale Automatisierung kommunikativ zu verbinden. Dies ist der entscheidende nächste Schritt in der Informationsverarbeitung. Die hardwaremäßig mögliche Dezentralisierung kann nämlich zu einer Zergliederung in Spezialarbeitsplätze führen. Allein die Verbindung der Informationsverarbeitung mit der Nachrichtentechnik - die Kommunikationstechnik bietet die wirtschaftliche Voraussetzung für die Bewältigung produktiver Büroarbeit in der Zukunft. Zudem berücksichtigt sie die natürlichen Bedürfnisse der Mitarbeiter, wie Wählbarkeit des Informationsvorrates für den Arbeitsplatz, einen Vorgang von A bis Z abzuschließen und den eigenen Arbeitsplatz mitzugestalten - sowohl die Arbeitsplatz-Ausstattung als auch den Ablauf der Tätigkeit.

Gemeinsam mit den Mitarbeitern

Übertrieben arbeitsteilige Organisationen führen uns nicht an das Ziel der produktiven Arbeit im Büro. Neue Organisationsformen werden sich deshalb wesentlich stärker an den Motiven der Mitarbeiter im Büro orientieren müssen, das heißt, unsere organisatorischen Planungen müssen nicht nur den rationalen, wirtschaftlichen Bereich, sondern auch den emotionalen Bereich, nämlich die Lebensgewohnheiten und Wertvorstellungen unserer Mitarbeiter umfassen. Es reicht also nicht, per Vorstandsbeschluß "neue Technik" einführen zu wollen. Die Implementierungsvoraussetzungen für die neue Technik müssen gemeinsam auf den Mitarbeitern geschaffen werden.

Eine wesentliche Voraussetzung für die Kommunikationssysteme, von denen wir hier sprechen, sind neue wirtschaftliche "Transportwege für Informationen", die nicht nur schneller und billiger sind, sondern auch die Integration der Kommunikationen verstärken. Das heißt, daß alle Informationsmedien, nämlich Sprache, Daten, Text und Bilder, leicht verknüpfbar und auf einem Übertragungsmedium übertragbar sein müssen. Zudem muß jeder mit jedem kommunizieren können, wodurch sich unsere heutige Vorstellung von dezentraler Verarbeitung, aber auch von "distributed processing" wesentlich verändert. Bislang ist sie entweder hierarchisch geordnet oder isoliert, das heißt, "unkommunikativ". Jedes Kommunikationsendgerät - wie Telefon, Schreibmaschine und Datengerät - sowie jeder multifunktionale Kommunikationsarbeitsplatz müssen untereinander kompatibel sein, das heißt unabhängig vom Hersteller miteinander kommunizieren können. Nur durch das Verfolgen dieses erklärten Ziele beim Telefonieren und Fernschreiben, haben wir bis heute ein weltweites Fernsprech- und Telex-Netz etablieren können.

Standards behindern Innovationen

Dies bedeutet, daß die Anwendung der Informationstechnik im Büro nur dann wirtschaftlich sein kann, wenn wir eine einheitliche Systemarchitektur haben für die Integration aller Kommunikationsformen mit einer einheitlichen "Benutzeroberfläche" Das bedeutet aber auch weiterhin; daß Transportsysteme der Zukunft für die Informationsverarbeitung den unterschiedlichen Anwenderbedürfnissen gerecht werden müssen, und zwar

- dem unternehmensspezifischen, verschiedenartigen Medien-Mix zwischen Sprache, Daten, Text und Bildern entsprechen müssen;

- kostenmäßig die richtige Balance haben zwischen Kapazitäts- "overhead" und Kollisionstoleranz;

- die Anpassungsflexibilität ohne technische Limitierung besitzen, das heißt, den Benutzeranforderungen entsprechend ständig umkonfigurierbar sein müssen.

Mehrere Lösungswege

Es wird also nicht nur einen Lösungsweg für die Erfordernisse des "Büros von morgen" geben, zum Beispiel das lokale Netz. Es werden sich vielmehr mehrere konkurrierende Möglichkeiten nebeneinander etablieren, wie

- zentrale Datenverarbeitungssysteme mit einer hierarchisch angelegten Netzwerk-Architektur, die in erster Linie herstellerhomogen und damit allerdings auch garantiert Software-kompatibel sind, aber erst in zweiter Linie am Denken "offener Systeme" orientiert sind;

- dezentrale Datenverarbeitung mit zunehmender Intelligenz je Terminal, allerdings mit limitiertem Software- und Datenbank-Komfort vis-ß-vis zentraler Datenverarbeitung

- elektronische Vermittlungssysteme, das heißt, bezogen auf Inhouse-Kommunikation, programmierbare und zunehmend digitale komfortable Nebenstellenanlagen, die alle Medien (Sprache, Daten, Text und Bilder) vermitteln können;

- "Intelligente Netze", das heißt digitale Kommunikationssysteme, in denen Daten, Bilder, Text und Sprache übertragen werden können und bei denen Teilnehmer über Breitbandübertragungsmedien - auf der Basis von Kupfer oder Glasfaserleitern - miteinander verbunden sind.

Koexistenz alter und neuer Techniken

Niemand ist heute in der Lage, eine eindeutige Aussage darüber zu machen, welche dieser vier Alternativen die beste Kommunikationslosung in der Zukunft sein wird. Ich bin überzeugt, daß wir auf eine neue Ebene vitalsten Wettbewerbs in der Informationsverarbeitung treten werden, weil die primäre Entscheidung der Unternehmen in der Zukunft in der Wahl der richtigen Kommunikationsinfrastruktur liegen wird und erst dann in der Auswahl der Hardware oder gar der Hersteller. Hierdurch entsteht eine völlig neu geartete methodische Zentralität, die sich deutlich stärker in die Nähe des Benutzers bewegt.

Dies wird bedeuten, daß wir in ein völlig offenes "Innovations-Rennen" eintreten, auch deshalb werden sich in den nächsten zehn Jahren alte und neue Techniken und verschiedenartige neue Techniken überlagern. Dies auch deshalb, weil es nur in den wenigsten Fällen darum geht, völlig neue Netze mit einer völlig neuen Endgerätelandschaft zu implementieren, sondern weil wir eine Gerätelandschaft bei den Anwendern der Informationsverarbeitung bereits heute vorfinden, die es gilt, in neuartige Transportsysteme zu integrieren, das heißt, neue Transportsysteme müssen auch für heute vorhandene Geräte transparent sein. Dies bedeutet auch, daß wir uns auf längere Zeiträume bei der Implementierung neuer Verfahren einstellen müssen.

Dennoch meine ich, daß die Nachrichtentechnik in Form von Vermittlungssystemen bereits heute besser für multimediale Kommunikationsnetze geeignet ist als zentrale "general purpose"-Rechner.

Ganz einfach deshalb, weil Vermittlungssysteme im Gegensatz zu kommerziellen Rechnern von Haus aus für benutzerfreundliche Kommunikation ausgelegt sind und die Verbindung von Datenverarbeitungs- und Nachrichtenübermittlungseigenschaften am ehesten herstellen können.

Dabei werden für kommunikationsfähige Arbeitsplätze allein herstellerunabhängige Anschlußbedingungen von Bedeutung sein. Internationale Normen, wie zum Beispiel CCITT-Normen, sind das Benutzerrezept der Zukunft.

Deshalb werden auch große DV-Hersteller sich zunehmend unter der Überschrift "Offene Systeme" diesen internationalen Normen zuwenden. Für den Anwender bedeutet dies, sich mit den internationalen Normen Optionen für technische Innovation offenzuhalten, die der Wettbewerb in der Kommunikationstechnik erzeugen wird.

Wichtiges Ziel für diesen Wettbewerb ist deshalb das Schaffen von "gate-way"-Funktionen zur Verbindung von "in-house"-Netzen an das öffentliche Netz. Erst die Schaffung dieser "gate-way"-Funktionen, die eine Kommunikation von "jedem mit jedem" ermöglicht, das heißt das Kommunizieren von Teilnehmern verschiedener Kommunikationsnetze miteinander über die auswählbaren, zur Verfügung stehenden öffentlichen Netzdienste, wird der Bürokommunikation zum wirklichen Durchbruch verhelfen. Die Entwicklung dieser "gate-ways" ist einerseits zwar eine große technische Aufgabe, zumal diese Systeme eine Verbindung von Datenverarbeitungstechnik mit Nachrichtentechnik und enormen Softwarefähigkeiten bedingen, erfordert aber andererseits auch vor allem die Bereitschaft der Postbehörden, den Zugang zu dieser neuen Dimension der Kommunikation zu erschließen.