Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

14.08.1986

Trau keinem über 8086

Der starke psychologische Eindruck von PC-Gruselstories, die das gestörte Verhältnis von Anwendern und Groß(EDV)kopferten beschreiben; die merkwürdige Aufgabe, eine Brücke zwischen der zentralen DV und einem PC-Niemandsland zu schlagen - all dies bedeutet eine starke Belastung für all jene DV-Spezialisten, die weder über Managementkenntnisse noch über PC-Know-how verfügen.

An der PC-Front ist mittlerweile Ruhe eingekehrt. Ein trügerischer Frieden. So schlecht, wie sie von vergnatzten Mitarbeitern gemacht werden, sind die Einplatz-Mikros nicht. Es ist nicht so wichtig, ob große Mainframer wie die IBM meinen, der PC werde aus der /370-Welt wieder verschwinden. Erste Anzeichen sind da, daß sich in der Einstellung zum PC etwas ändert, eher als das (an)genommen wird, was er ist: ein persönliches Produktivitätswerkzeug. Doch noch ist das Zukunftsmusik. Und solange ist es gut, gut über die Veränderungen in der PC-Szene informiert zu sein.

Der Kolumnist hat sich in der CW-Schwesterpublikation "Infowelt" mit der Frage beschäftigt, wie das PC-Tief überwunden werden kann. Hier sein Kommentar (Nachdruck): Der Ursprung der unzähligen Kompatiblen, der Clones, liegt nach rückwärts verrechnetem Charlie Chaplin im August 1981, als die IBM bei Bill Gates und Intel abkupferte, um ihren neuen "Pörsonell Computer", kurz: PC, unter Microsofts MS-DOS als Me-too-Produkt laufen zu lassen.

Die Big-Blue-Werbung stellt heute den PC als "Original" heraus - nicht der erste ernstzunehmende Versuch der IBM, die Konkurrenten auszubremsen. Und statt Gelächter erntet der Blaue Riese auch noch Applaus von seiten der Software-Anbieter, die sich ganz auf die 1981er Architektur des IBM PC eingestellt haben.

Schon traditionell ist vor der Premiere einer neuen IBM-PC-Generation unter den Nachahmern ein Poker um die Software-Schürfrechte entbrannt: Wird die Hardware noch MS-DOS kompatibel sein? Diese Frage stellen sich auch die Anwender.

Eine Gegenfrage muß erlaubt sein: Kommt's auf IBM-Kompatibilität überhaupt noch an? Daß bei dem chaplinesken PC-Parforceritt die Innovation auf der Strecke blieb, behaupten nicht nur Intimfeinde des Marktführers.

Die Erklärung ist simpel: Es ist unwahrscheinlich, daß eine Sales-Großbürokratie wie IBM neue Anwenderbedürfnisse rechtzeitig zur Kenntnis nimmt und neue PC-Techniken

schnell durchsetzt. Eher wahrscheinlich ist, daß irgendeiner unter Hunderten von mittleren und kleinen Herstellern dies tut und die anderen damit zur Nachahmung zwingt.

So kennt man es jedenfalls aus fremden Märkten: der Wettbewerb als Entdeckungsreise, als ein Verfahren auch zur ständigen Durchsetzung von Innovation. In der PC-Szene ist das nicht anders. Die 68 000er Generation, also die Macintoshs, die Amigas, die Atari-STs, sind auf der Walz - "preiswerter" (als IBM) und "mächtiger", was die Funktionen betrifft. Der Grund für die Überlegenheit liegt darin, daß sie mehr anwendungstechnische Raffinesse haben.

Der Erfolg bleibt nicht aus: In den USA hat der Mac von Apple gegenüber dem IBM PC aufgeholt. Zu tadeln sind nach wie vor Software-Hersteller, die von der vitalen "Gegenreform " keine Notiz nehmen wollen. Mit dem Gedankengut von 8086/8088 werden sie freilich nicht mehr weit kommen.