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09.06.2000 - 

Newcomer in Deutschland: E-Circle

Traum einer europäischen E-Community-Plattform

MÜNCHEN - Die erst im Sommer 1999 gestartete Online-Kommunikationsplattform E-Circle will schon bald zur größten Community-Drehscheibe Europas werden. Mit Mark Wössner, dem ehemaligen Bertelsmann-Chef, holten sich die Newcomer jetzt einen renommierten Aufsichtsratsvorsitzenden an Bord.Von Andrea Goder*

Was das Internet angeht, sieht sich der langjährige Bertelsmann-Boss, der erst vor kurzem dem Aufsichtsrat des Gütersloher Medienkonzerns den Rücken kehrte, als "glücklicher Generationswandler". "In der jungen Generation bin ich ein Alter, in der alten Generation ein Junger", so der 61jährige. Seit April bringt er sein Know-how bei der in München ansässigen Internet-Company E-Circle Multimedia GmbH ein. Was streng genommen etwas übereilt ist, denn die Umwandlung des Startups in eine AG ist noch nicht erfolgt.

E-Circle, im Sommer 1999 von den beiden Ex-Roland-Berger-Beratern Volker Wiewer und Thomas Wilke gegründet, bietet Internet-Nutzern eine Kommunikationsplattform auf E-Mail-Basis. Unter www.ecircle.de tummeln sich laut Wiewer bereits 330000 registrierte User, die sich in über 5500 (zum Teil geschlossenen) Diskussionsforen zu x-beliebigen Themen austauschen. Bis zur Jahresmitte erwarten die beiden Gründer, dass die Zahl der User die Millionenmarke durchbricht. Werden heute 6,6 Millionen E-Mails monatlich über die Plattform ausgetauscht, soll die Zahl der elektronischen Botschaften bis Juli auf 60 Millionen ansteigen.

Trotz des schnellen Wachstums befindet sich die E-Community, die 45 Mitarbeiter beschäftigt, noch in der Aufbauphase und erzielte bislang keine Umsätze. Traffic zu generieren hat für die beiden Geschäftsführer auch in den nächsten Monaten Priorität. Haupteinnahmequelle soll dann ab 2001 das so genannte "Target-Marketing" sein, bei dem den Mitgliedern der einzelnen E-Communities, die jeweils bestimmte Interessen vertreten, gezielt Produkte und Dienstleistungen angeboten werden. Weitere Einnahmen versprechen sich Wiewer und Wilke aus Bannerwerbung, durch Kooperationen mit Shop-Anbietern und Premium-Services, etwa im Speicherbereich oder SMS-Dienste.

E-Circle konnte bislang seine User ohne Werbeaufwendungen gewinnen. Ein Konzept, das auch in Zukunft beibehalten werden soll. "Die hohen Marketingkosten der typischen Dot-Com-Firma kommen für uns nicht in Frage", steht für Wiewer fest. Der Business-Plan der Münchner sieht vielmehr vor, mit steigendem Geschäftsvolumen schon im nächsten Jahr die Gewinnzone zu erreichen. Finanziert wird das Geschäftsmodell bislang von der Münchner VC-Gesellschaft Wellington Partners, die über 30 Prozent an dem Startup-Unternehmen hält. Eine zweite Finanzierungsrunde befindet sich zur Zeit in Vorbereitung. Für 2001 gibt es vage Pläne in Sachen Börsengang.

Europäische Expansion steht im VordergrundWeitaus konkretere Planungen sehen in den nächsten Monaten den zügigen Ausbau der eigenen Plattform und das Vorantreiben der europäischen Expansion vor, die mit bereits errichteten Stützpunkten in London, Madrid, Mailand und Paris schon eingeleitet ist. Kein Thema indes ist für die Gründer von E-Circle bis auf weiteres der US-Markt. "Wir wollen unser Geld nicht in den USA verschleudern, sondern Hausherren in Europa werden", steht für Firmenchef Wiewer fest. Kein einfaches Unterfangen, denn an Communities und Chat-Rooms mangelt es im World Wide Web nicht.

Davon abgesehen wird der US-Markt bereits von Wettbewer-bern wie Topica oder E-Groups beherrscht, die jetzt mit Macht nach Europa drängen. Vor allem E-Groups mit bereits 14 Millionen registrierten Nutzern - vor kurzem wurde in Deutschland eine GmbH gegründet - dürfte für die E-Circle-Betreiber noch aus einem anderen Grund nicht ohne Brisanz sein. Bertelsmann Ventures, die VC-Gesellschaft des Gütersloher Medienkonzerns mit Sitz im kalifornischen Santa Barbara, hat sich bereits an dem US-Branchenprimus beteiligt. Droht hier ein, wenn auch indirekter Interessenkonflikt? Mark Wössner beteuerte unlängst vor Journalisten in München, sein Engagement bei Startups wie E-Circle werde die Ausnahme bleiben und sei "rein privater Natur". Was zumindest in einem Punkt stimmen mag: Sohn Lars Wössner, ebenfalls ehemaliger Roland-Berger-Consultant, ist bei E-Circle als "Business Developer" tätig.*Andrea Goder ist freie Journalistin in München.