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Traum vom Paradies

18.08.1978

Sicher bestimmt in einem Interview der Fragende die Reihenfolge und - weitgehend Wohl auch - das Gewicht der Antworten. Auch der Satz, es gäbe keine dummen Fragen, sondern bloß dumme Antworten, ist nur die ironische Erlaubnis des Interviewten, ihm dumme Fragen stellen zu dürfen.

Ganz gewiß gibt es Fragen, die den Antwortenden überfordern in der Sachkompetenz oder im persönlichen Engagement, mit dem er Position beziehen soll. Umgekehrt gibt es Themen, die den Fragenden überfordern, und - gerade bei aktuellen Tagesfragen - des öfteren bleibt beim Frage-und-Antwort-Spiel wohl auch die nötige Objektivität auf der Strecke, wenn Im Gespräch jene Absicht zu merken ist, die verstimmt.

Dies muß man sich vor Augen halten, wenn man liest, welche Standpunkte Klaus Traube in dieser Ausgabe der Computerwoche zur Rolle der Mikroelektronik bezieht.

Nachzudenken ist auch über das Zoon Politikon Traube: Denn der Mann, der hier in der Computerwoche zu Wort kommt, verlangt vom einzelnen mehr Nachdenken über seine eigene intellektuelle -und soziologische Einstellung zur gegenwärtigen Gesellschaft, als es jeder andere, durchaus genauso öder noch sachkompetentere Mann zum Thema Mikroelektronik getan hätte.

Denn Klaus Traubes Kritik ist formuliert, nachdem er aus einer blendenden Karriere im Atom-Management dieser Bundesrepublik in eine Außenseiter-Rolle katapultiert wurde: Durch den Lauschangriff des Staates auf den Bürger Traube.

Daß dieser Mann nun als "freier Schriftsteller" lebt und prompt Erfolg hat mit seinem Erstling "Müssen wir umdenken", das wird jenen Zeitgenossen ein Dorn im Auge sein, die Unschuld nicht gelten lassen, weit man "bloß nichts nachweisen konnte", und die Eloquenz nur für sich in Anspruch nehmen.

Okay, der Fall Traube selbst ist längst zum Fall des abgedankten - Bundesinnenministers geworden. Der Fall ist gegessen.

Was jetzt zählt, das sind die Ansichten eines Managers des Technik-Betriebes, mit dem den Bundesbürgern der Sommer vergällt wird. Oder?

Immerhin: Vorher war er ja selbst einer, vom Establishment. Ist das, was er nun zu sagen hat, ein Akt des Aufarbeitens oder des Verdrängens von Folgen, die die Ingenieure diesem Planeten durch totale Technisierung, rücksichtslose Industrialisierung zugemutet haben?

Und: Ist das, was Traube sagt, gültig ?

Er argumentiert zunächst griffig. Und er faßt Unmut dort zusammen - wo er mit Sicherheit herrscht: Im produktiven Bereich, in dem vor allem der Unqualifizierte chancenlos neuen Technologien gegenübersteht, ihnen ausgeliefert ist.

Traube, der Ingenieur, gewichtet den Einsatz der Mikroelektronik im Bereich der Kommunikation (bezeichnenderweise, möchte man sagen) wesentlich geringer obgleich Informations-Wissenschaftler wie Steinbuch gerade in diesem Bereich die größten Gefahren sehen.

Nützt hier ein Mann also die Popularität, die ihm durch persönliches Unrecht zuteil wurde, um vordergründige Tagesfragen zu vermerkten? Oder kennt der Insider Traube das nur von betriebswirtschaftlichen Sachzwängen geleitete Technik-Management so genau, daß er die Diskussion darüber nur auf unterster Stufe beginnen mag? Weil dieses Management nur bei gestörten Betriebsabläufen hellhörig wird, wie es das von Traube apostrophierte veränderte Rollenverhalten der Gewerkschaften darstellen würde, oder: Weil dieses zeitgemäße Technik-Management gesellschaftliche Veränderungen mit dem Hinweis abwürgt, wir könnten uns dies volkswirtschaftlich nicht leisten.

Traube möchte manche Entwicklung zurückschrauben. Muß man ihn da nicht auch noch (dumm) fragen. Ob nicht doch der Wohlstand, in dem man gerade lebt, dem Traum vom Paradies vorzuziehen ist?