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02.05.1997 - 

Thema der Woche

Traumergebnissen zum Trotz: Microsoft muß kämpfen

Das dritte Quartal (Ende: 31. März 1997) war erschreckend erfolgreich. So ein Schock müssen Umsatz und Profit für die Manager-Riege der Gates-Company gewesen sein, daß stellvertretend für alle Finanzboß Michael Brown sofort abwiegelte, diese Zahlen seien singulär, so nicht mehr zu wiederholen. Schon im nächsten Quartal, blickte er voraus, sei mit einer Wachstumsdelle zu rechnen.

Microsoft hat das dritte Viertel seines laufenden Geschäftsjahres mit einem Umsatz von 3,21 Milliarden Dollar und einem Gewinn von 1,04 Milliarden Dollar abgeschlossen. Damit stiegen die Einnahmen gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres um 45 Prozent, der Profit gar um 85 Prozent (drittes Quartal 1996: 562 Millionen Dollar). Zum Vergleich: IBM, 1996 mit knapp 76 Milliarden Dollar Umsatz (Microsoft: 8,7 Milliarden Dollar) eindeutig größter Computerhersteller der Welt, erwirtschaftete in seinem aktuellen Geschäftsquartal bei einem Umsatz von 17,3 Milliarden Dollar einen Gewinn von 1,2 Milliarden Dollar.

Für das seit neun Monaten laufende Geschäftsjahr (Ende: 30. Juni 1997) erreichte Microsoft mit knapp 2,4 Milliarden Dollar gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres (1,64 Milliarden Dollar) ein Gewinnplus von 46,5 Prozent. Schon jetzt liegt das Softwarehaus um 200 Millionen Dollar über dem Profit, den es im gesamten Geschäftsjahr 1995/96 erzielen konnte.

Chief Financial Officer Brown erklärt das phänomenale Wachstum vor allem mit dem Erfolg der Applikationssuite "Office 97", die im Januar 1997 auf den Markt geworfen wurde. Acht Millionen Mal habe man das Bürosoftwarepaket an den Kunden gebracht. Office 97 verkaufe sich dreimal so schnell wie jede andere Softwaresuite von Microsoft, von denen insgesamt über 60 Millionen weltweit im Umlauf seien.

Aufgesplittet nach Produktsegmenten zeigt sich, daß das Softwarehaus aus Redmond mit seinen verschiedenen Betriebssystemen im dritten Quartal über die Hälfte des Gesamtumsatzes erwirtschaftet hat. 1,66 Milliarden Dollar oder 52,2 Prozent des Umsatzes entfielen auf die verschiedenen Windows-Varianten. Bemerkenswerter ist eine andere Zahl: Gegenüber dem dritten Quartal 1996 (970 Millionen Dollar) verzeichnete Microsoft mit seinen Betriebssystemen einen Umsatzanstieg von sage und schreibe 73 Prozent, im Neunmonatsverlauf immer noch von rund 39 Prozent.

Mit Applikationen wie der Office-Suite machte Microsoft die restlichen 47,8 Prozent des gesamten Umsatzes. Im dritten Quartal ergab dies eine Steigerung gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres von 24,1 Prozent, für die ersten neun Monate verzeichnete Gates bei Applikationen einen Anstieg von 16,8 Prozent.

Fazit: Nach wie vor erweisen sich die Betriebssysteme für Microsoft als Dukatenesel. Leicht verdientes Geld zumal, da die OEM-Verträge mit den PC-Herstellern Selbstrenner sind. Microsoft umschrieb diesen Umstand mit den Worten, die Einnahmen aus Lizenzgebühren von OEM-Partnern hätten ein "Rekordniveau" erreicht. Der Umsatz aus dem OEM-Geschäft ist im Märzquartal um 52 Prozent gestiegen.

Microsofts Zahlen zeigen aber auch, daß der Softwaremonopolist auf den Erfolg seiner Betriebssysteme und Applikationen angewiesen ist. Genau hier setzt die Konkurrenz an mit Technologien, die in die Zukunft weisen. Insbesondere die Java-Adepten wollen beweisen, daß mächtige Windows-Applikationen auf überfrachteten Betriebssystemen ausgedient haben.

Sie reiben Microsoft genüßlich unter die Nase, die Standard Edition von Office 97 belege bis zu 167 MB auf der Festplatte, die Professional Edition gar knapp 190 MB. Wer eine Microsoft-Applikation starten wolle, benötige mindestens 8 MB Arbeitsspeicher. Von der Access-Datenbank sehe man kein Byte auf dem Monitor, habe man seinen Rechner nicht mindestens mit 12 MB RAM-Kapazität bestückt. Wer gar mehrere Microsoft-Anwendungen parallel laufen lassen wolle, könne sich glücklich schätzen, daß die Preise für RAM-Chips immer noch im Keller seien.

Dagegen hält die Java-Fraktion ihr Schmalhans-Konzept. Kleine Programme, sogenannte Applets, die der Anwender sich von einem zentralen Server auf seinen Arbeitsplatzrechner herunterladen könne, seien alles, was die DV in Zukunft benötige. Mit anderen Worten: Java zielt direkt auf das Herz von Microsoft. Was nicht mehr als ein Modewort zu sein schien, als Sun Microsystems vor zwei Jahren Java erstmals präsentierte, könnte sich zu einer vielversprechenden Technologie entwickeln, um Software auch für den Geschäftsalltag zu entwickeln.

Und das Java-Lager hat Grund zum Optimismus. In einem kürzlich in der "Financial Times" erschienenen Artikel wird das Beispiel des japanischen Finanzhauses Nomura International genannt. Der Finanzdienstleister aus London City möchte seine gesamte Applikationslandschaft innerhalb von zwei Jahren umkrempeln und in Java neu programmieren. So beabsichtige man, die Software-Entwicklung für die Trading-Desks und die Back- Office-Systeme zu beschleunigen. "Mit Java wollen wir die gesamte Konkurrenz abhängen", zitiert die "Financial Times" den IT-Verantwortlichen bei Nomura, Geoff Doubleday. Nomura hat heute 1200 PCs und 400 Sun-Workstations für seine Finanzhändler im Einsatz.

Am liebsten würde Doubleday seine 1200 PCs darüber hinaus gleich gegen Network Computer (NCs) austauschen. Bislang sei dies aber nicht möglich, weil es noch keine Off-the-Shelf-Software, also Anwendungen von der Stange, für NCs gebe. Microsoft zeige sich beim NC-Konzept noch sperrig.

Die "Financial Times" nannte ein weiteres Beispiel für den Einsatz von Java im kommerziellen Umfeld: Das deutsche Softwarehaus GUS spezialisiert sich auf Entwicklungen für die AS/400-Umgebung. Gemeinsam mit der IBM arbeitet GUS daran, seine "Charisma"-Produktsuite, die aus 1500 Einzelkomponenten besteht, auf Java umzuschreiben. Größter Vorteil des Zwei-Jahres-Projektes: Heute läuft die RPG-Software lediglich auf einer Plattform, den AS/400-Maschinen. Erst einmal auf Java umgesetzt, kann Charisma auf unterschiedlichsten Hardwareplattformen genutzt werden - ein Vorteil für Anwender wie Hersteller gleichermaßen.

Corel, bislang bekannt wegen seiner unter Windows lauffähigen Publishing-Applikation "Corel Draw", arbeitet an einer Softwaresuite "Office for Java", die ebenfalls komplett in Java ausgelegt ist. Sie soll Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und andere Programme umfassen. Gerichtet ist das Corel-Paket gegen Microsofts Office-Suite. Office for Java von Corel wird nicht wie Office 97 nur auf Windows 95 laufen, sondern auf sechs Betriebssystem-Plattformen. Die Corel-Software soll ganze 5 MB Plattenspeicher benötigen.

Auch das Beispiel der Recreational Equipment Inc. (REI) zeigt, daß die Entwicklung Microsoft überholen könnte. REI ist eine Sportgeschäftskette mit 47 Niederlassungen in den USA. Das Unternehmen plant, in seinen Läden sogenannte Kioske, Info-Terminals, aufzustellen, die im Prinzip nichts anderes sind als NCs, auf denen ein Browser läuft. Über diese können sich Kunden auf REIs Homepage einwählen, um dort solche Artikel zu bestellen, die nicht im Laden, sondern nur im Katalog von REI zu finden sind. Das Programm läßt sich zentral vom REI-Hauptsitz aus verwalten und steuern. Als Clients sind keine schwergewichtigen Windows-PCs mit Intel-CPUs nötig - für die DV-Verantwortlichen von REI die perfekte Thin-Client-Applikation.

Doch auch im Alltagsgeschäft bekommt Microsoft zu spüren, daß die Konkurrenz nicht schläft. Spätestens seit die Gates-Company den Anspruch erhebt, Windows NT in der Unternehmens-DV als zentrales Betriebssystem zu etablieren, stößt sie auf erhebliche Vorbehalte. Wenn Robert Henson, AIX-Marketing-Manager der IBM, sagt, Unix habe gegenüber NT einen technologischen Vorsprung von fünf Jahren, argwöhnt man noch Parteilichkeit. Analysten wie Brad Day vom Marktforschungsinstitut Giga Information Group aus Norwell, Massachusetts, stimmen Henson jedoch im Prinzip zu. Unix verlange Anwendern zwar höhere Kosten ab, in puncto Power und Zuverlässigkeit insbesondere bei unternehmensweiten Aufgabenstellungen könne die Wahl des Betriebssystems für die kommenden Jahre aber nur Unix heißen. Unix biete neben der Zuverlässigkeit zudem Skalieroptionen, die für NT unerreicht sind. Bis zu 64 Prozessoren lassen sich in einem SMP-System zusammenketten.

Neil MacDonald von der Gartner Group glaubt, daß Microsoft noch Jahre braucht, um die Skalieroptionen auf NT anbieten zu können, die im Unix-Umfeld heute schon zu finden sind.

Die Möglichkeit, acht und mehr Prozessoren zu einem Knotenverbund zusammenzuschließen, will Microsoft erst in der zweiten Generation des Cluster-Konzepts "Wolfpack" einlösen - jedoch nicht vor Ende 1998 oder gar erst 1999. Solche Technologien, die im Unix-Umfeld schon längst entwickelt und auf dem Markt sind, reichten aber nicht einmal für die jetzigen Probleme der Anwender aus, sagt MacDonald.

Auch die erste Version von Wolfpack wird nicht vor dem Herbst 1997 auf den Markt kommen. Bei dieser Phase 1 genannten Variante unterstützt das Microsoft-Produkt lediglich bis zu zwei Rechenknoten, die im Fail-over-Verfahren vor allem Abstürze von Servern abfedern und so Netzzusammenbrüche vermeiden helfen. Bei diesem Konzept ist es aber beispielsweise noch nicht möglich, die Arbeitslast automatisch über mehrere Server in einem Cluster zu verteilen.

Für Anwender hingegen sind vor allem solche Cluster-Lösungen interessant, bei denen heterogene Rechner zusammengekoppelt werden können, in der also etwa von einem HP- auf einen Sun-Server gewechselt werden kann, wenn der HP-Rechner abstürzt.

IBM hat hierzu beispielsweise die "Phoenix"-Schnittstelle entwickelt, auf die nun die Software-Entwickler eingeschworen werden sollen. Phoenix läuft sowohl unter Unix als auch NT. Mit Phoenix, so Tony Iams, Research Analyst bei D.H.Brown Associates in Port Chester, New York, ließen sich bis zu acht Server miteinander verbinden. Im Gegensatz hierzu bieten Sun, Microsoft und Novell nur Clustering-Lösungen für bis zu zwei gekoppelte Server. Sun kontert dieses Argument aber mit der Aussage, seine auf 64 Prozessoren linear skalierbaren "Ultra-Enterprise"-Server böten dem Anwender bezüglich der Rechenleistung momentan genügend Spielraum nach oben, was man von Microsofts Technologieangebot nicht behaupten könne.

Einzug in DV-Zentralen ist noch fraglich

Ob Microsoft es schafft, mit Wolfpack auch in der zentralen DV Einzug zu halten, darf füglich bezweifelt werden. In der dreistufigen DV-Hierarchie von Unternehmen hat sich die Gates-Company zwar auf den Arbeitsplätzen mit seinen Clients durchgesetzt. Auch auf der übergeordneten Ebene der Applikationslogik reüssierte Microsoft mit NT. Bei Problemstellungen jedoch, die in den DV-Zentralen angesiedelt sind, geht NT die Luft aus.

Wie dünn die Luft für den PC-Software-Giganten in den DV-Zentralen wird, glauben auch die Analysten von Bloor Research bewiesen zu haben. Sie verglichen Microsofts Datenbank "SQL Server" mit IBMs altgedientem "DB/2"-Produkt. Die Bloor-Spezialisten fragten sich, was DB/2 und der SQL Server unter Unix und NT bei realistischer Belastung auf mittelgroßen SMP-Servern bei einem durchschnittlichen Tuning leisten würden (siehe CW Nr. 14 vom 4. April 1997, Seite 15: "Vernichtende Kritik . . ."). Der Vergleich ging für Microsoft verheerend aus.

IBM hängt Microsoft ganz locker ab

In puncto Zuverlässigkeit, Performance und Skalierbarkeit hängte IBMs Datenbank den SQL Server auch unter NT locker ab. Bemerkenswert an dem Vergleich war, daß sich mit wachsender Zahl der an die Datenbank angeschlossenen Anwender das Ergebnis für Microsoft immer ungünstiger gestalte. Bei 32 bis 64 Benutzern fielen die Unterschiede nur unwesentlich ins Gewicht. Erst ab etwa 200 auf die Datenbanken gleichzeitig zugreifenden Anwendern blieb der SQL Server immer deutlicher zurück.