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04.05.1979

Traumhafte Konzepte

Christopher J. Macie Mitarbeiter des Softwarehauses

Burberg-Eicker, Mettmann

Bei der Erstellung von Anwendersoftware-Systemen auf heutigen Hardware-Systemen mit den heutigen Softwareentwicklungsmethoden tauchen bei Hersteller und Kunden immer wieder die gleichen Probleme auf, die als "Softwarekrise" zusammengefaßt werden. Generell geht es um den ungeheuren Aufwand an Zeit und Geld, der im einzelnen bei der Systemspezifikation, der Programmierung und der Wartung zu leisten ist und im letzten Punkt vor allem die Fehlerbeseitigung, noch mehr aber die "Weiterentwicklung", das heißt die Änderung nach geänderten Anforderungen betrifft.

Hier läßt sich als eine der Ursachen der Softwarekrise identifizieren, daß ein Software-System aus zwei unterschiedlichen Ebenen wächst: Eine Ebene ist die der Organisation, mit der kunden- und aufgabenbezogenen Logik, die zweite Ebene ist die maschinenbezogene Logik des Programmiersystems. Kritisch ist die Übersetzung des Konzepts der organisatorischen Ebene in die maschinenbezogene Sprache durch die Inkompatibilität beider Ebenen, besonders was ihre Flexibilität betrifft. So führt eine winzige Änderung der Organisation oft zu völlig anderen Konsequenzen in der Implementation.

Virtueller Stillstand im Bereich der Softwaremittel

Daß auch die "problemorientierte" Programmiersprache nur die Struktur der Maschine reflektiert, die Struktur der Anwendung aber nur aus einem wesentlichen Abstand simuliert, kommt daher, daß die (bisher zur Verfügung stehende) Hardware bis an die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit ausgenutzt werden muß, um - besonders im Dialog - Laufzeiten praktikabel zu halten.

Zwar kann heute auf Hardwareleistung zugegriffen werden, die früher nur von ganz großen Anlagen geboten wurde. Doch im Bereich der Softwaremittel (Betriebssysteme Sprache, Hilfsprogramme und so weiter) muß man von einem virtuellen Stillstand reden: Die heute verwendeten Softwarekonzepte stammen zum größten Teil aus den sechziger Jahren. Sie haben sich zwar auf dem Markt ausgebreitet - aber die Softwarekosten sind gegenüber vor zehn Jahren mindestens gleich geblieben.

Thema mit Variationen

Und so entstand die Softwarekrise auch dadurch, daß sich das Preis-/Leistungsverhältnis so geändert hat, was zwar neue Anwendungsgebiete erschloß - doch dadurch kam es nur zu zahlreichen Variationen weniger wohlbekannter Themen.

Denn die Softwaremethoden reichen einfach nicht mehr aus, um Komfort und Ausdrucksfähigkeit kundenangepaßter Systeme schnell und zuverlässig herstellen zu können. Dazu werden Werkzeuge auf einer ganz anderen Ebene gebraucht. Dabei gäbe es bereits seit Jahren Entwürfe und funktionierende Beispiele für solche Werkzeuge, die bisher allerdings über exotische Forschungs-Laboratorien nicht hinausgekommen sind und nur auf Luxus-Anlagen installiert wurden.

In den Bereichen "Artificial Intelligence" und Simulation können das "Smalltalk"-System von Xerox oder die Entwürfe der Bell Laboratories als traumhafte Konzepte für die Systemherstellung gelten. Zumal diese Forschungen auch zeigen, daß durch solche Programmier-Werkzeuge komplexe Anwendungen nicht nur vielfach schneller entworfen werden können, sondern auch übersichtlicher gestaltet werden. Folge: Sie werden handhabbarer, zuverlässiger und damit effizienter.

Inzwischen sind einige dieser Konzepte weiter ausgearbeitet und als Planungs- und Organisationsmethoden anerkannt - nicht jedoch als Grundlage für den Aufbau von Software-Entwicklungssystemen. Die Programmierung bleibt also weiterhin mehr eine Übersetzung als eine echte Modellierung der Anwendungslogik.

Eingefahrene Arbeitsmethoden überdenken

Betrachtet man, was als Hardwareangebot bei führenden Herstellern - und vermutlich demnächst bei allen anderen Herstellern auch - auf den Markt gekommen ist, dann drängt sich die Frage auf, ob dadurch der qualitative Sprung der Softwaretechnologie im Anwendungsbereich möglich wurde? Etwa durch Anlagen mit mehreren hundert KB direktem Speicher, durch Mikrocodierung, durch am Arbeitsplatz erstellbare Firmware, durch Zykluszeiten im Nanosekundenbereich?

Aus der Erfahrung mit einer solchen Anlage ist mir klar geworden, daß zumindest eine echte Gelegenheit besteht, die eingefahrenen Arbeitsmethoden zu überdenken und die Systemgestaltung und Implementierung von neuen Perspektiven aus anzugehen. Denn: Wenngleich die Zeit der Hardware-Begrenzung noch nicht ganz vorbei ist, so muß anerkannt werden, daß wir Software-Hersteller vor einer wesentlichen Befreiung stehen.