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21.02.1992 - 

Cray nutzt Digitals Alpha-Prozessor

Trend im Supercomputing geht zu massiv-parallelen Systemen

PARIS (zek) - Ganz im Zeichen massiv-paralleler Systeme stand die diesjährige "Supercomputing Europe" in Paris. Eröffnet wurde die Kongreßmesse mit einem Vortrag von John Rollwagen, Chairman und Chief Excutive Officer von Cray Research, in der er auch gleich einen massiv-parallelen Cray-Rechner ankündigte, Auf ihr Engagement in diesem Bereich wiesen aber auch Unternehmen wie Alliant, Maspar, Thinking Machines, Ncube, und Intel hin.

Nach der Golfkrieg-geschädigten Messe Supercomputing '91 von Stuttgart fanden dieses Jahr auch Toprepräsentanten der US-Anbieter den Weg nach Paris. So nutzte John Rollwagen die Gelegenheit einen Tag vor der IBM das erste massiv-parallele System (MPP) von Cray Research anzukündigen. Dabei wurden Spekulationen bestätigt, daß Cray Research in diesen Maschinen den neuen Alpha-Prozessor von Digital Equipment einsetzen werde.

Der Alpha-Chip bietet nach Rollwagens Worten höchste Leistungen auf einem Chip; jeder einzelne Prozessor soll etwa die Leistung eines Cray-1-Systems bringen. Nähere Angaben zum Alpha-Chip konnten bislang noch nicht gemacht werden, da Digital die technischen Einzelheiten erst Ende Februar offenlegen will. Ein weiterer Grund, sich für den Alpha zu entscheiden, sei der Umstand gewesen, daß Cray beim Design ein Mitspracherecht hatte und Features implementiert wurden, die wichtig für Crays MPP-System sind.

Steve Nelson, Vice-President of Technology bei Cray Research, erklärte gegenüber der COMPUTERWOCHE, daß der Alpha-Chip eine große Ähnlichkeit mit der Cray-Architektur habe. Es handle sich um einen 64-Bit-Prozessor mit hoher Taktrate und sehr guten Vernetzungsfähigkeiten. Darüber hinaus sei er durch seine Skalarität hervorragend für den Einsatz in Supercomputern geeignet. Zur Wahl stand laut Nelson unter anderem der R4000 von Mips. Gegen ihn habe der Umstand gesprochen, daß die Fließkomma-Rechenleistung des R4000 geringer als die Taktrate sei. Die MPP-Systeme sind für High-end-Anwender im Supercomputerbereich konzipiert und dürften auch in Sachen Preis in diesem Bereich angesiedelt werden. Darüber hinaus sollen sie in einer heterogenen Systemumgebung zusammen mit einer Cray Y-MP laufen. Die Betriebssystem-Umgebung wird Unicos auf der Y-MP sein, ein Mikrocode auf der MPP-Maschine.

Nach Ansicht von Marktbeobachtern mußte Cray mit der MPP-Ankündigung auf die Entwicklung in diesem Bereich reagieren. Bei Cray habe man erkannt, so Stephen R. Colley, Chairman von Ncube, daß die Anwender allmählich mehr als nur Vektorrechner wollen. Cray hat auch in letzter Zeit immer mehr Aufträge an MPP-Systemanbieter verloren. So hatte sich beispielsweise BMW in München kürzlich für ein Ncube-System gegen eine Cray-Vektormaschine entschieden.

Cray laufe auch Gefahr, so Anwender und Marktbeobachter, sich durch zu viele Produktlinien zu verzetteln. So plane man Parallelrechner auf Sparc-Basis, MPP-Systeme mit Alpha-Chips und Vektorrechner, die alle unter verschiedenen Betriebssystemen laufen; die Anwendungsprogramme müssen für alle Maschinen jeweils neu kompiliert und umgeschrieben werden. Mit der Entscheidung für den Alpha-Chip mache sich das Unternehmen auch von Digital abhängig. Während Unternehmen wie IBM und Ncube ihre eigenen Prozessoren verwendeten, setze Cray auf eine Technologie, die weder offiziell angekündigt sei, noch mit der es Erfahrungen gäbe.

Rollwagen und Nelson stehen überdies vor dem Problem, daß man für MPP-Systeme längst nicht die gleichen hohen Preise wie für Vektorrechner kassieren kann. Auf der anderen Seite will man sich diesen lukrativen Markt erhalten. Das geschieht zum einen dadurch, daß die MPP-Rechner an eine Y-MP angebunden werden, zum anderen, indem Rollwagen und Nelson auf die weiterhin vorhandene Nachfrage ihrer Kunden nach Vektorsysteme verweisen. So soll demnächst ein Nachfolger für das Top-end-Modell C90 mit dem Codenamen "Triton" angekündigt werden.

Darüber hinaus legen die Cray-Manager Wert auf die Feststellung, daß sie weiterhin nur Systeme für technisch-wissenschaftliche Anwender herstellen wollen. Systeme für den kommerziellen Einsatz, wie die von Ncube mit der Oracle-Datenbank, seien nicht geplant.

In Sachen Supercomputer-Entwicklung kündigte auf der Supercomputing Europe Intel, nach eigenen Angaben Marktführer bei Parallelsystemen, die Einrichtung eines Europäischen Supercomputer Entwicklungszentrums (ESDC) in München an. Unter der Leitung von Thomas Bemmerl, bisher an der TU München, wird das ESDC mit europäischen Supercomputer-Anwendern und Forschungsinstitutionen zusammenarbeiten, um Software für die geplanten Tflops-Maschinen zu entwickeln. Justin Rattner, Director der Supercomputer Systems Division, setzt darauf, daß Intel das Rennen um die Tflops-Maschinen gewinnen wird - ein Rennen übrigens, an dem Unternehmen wie Cray oder Ncube gar nicht erst teilnehmen.

Ziel dieses ambitionierten Projektes ist es denn auch, in erster Linie zu beweisen, welche Leistungen man aus Supercomputern herausholen kann. Der lukrative Nebenaspekt dabei sind staatliche Gelder, mit denen solche Bemühungen kräftig unterstützt werden.

In einem nicht so ambitionierten Bereich ist die Alliant Corp. tätig: Nachdem das Unternehmen im letzten Jahr in finanzielle Turbulenzen geraten war, scheint jetzt die Talsohle durchschritten zu sein. Eine erste Maschine des Parallelsystems Campus/800 wurde an die Universtät von Illinois verkauft. Dieses im vergangenen November vorgestellte System kann sich aus bis zu 800 Intel-Prozessoren vom Typ 860 zusammensetzen. Es ist nach Alliant-Angaben das einzige MPP-System, das sowohl Distributed- als auch Shared-Memory unterstützt. Damit läßt es sich nach gewohnten Standards programmieren und sehr schnell einsetzen. Alliant bezeichnet sich als "führender Hersteller von Standard-basierten parallelen Supercomputern".