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16.01.1998 - 

Unisys gibt PC-Produktion auf

Trend zu Billigcomputern setzt Hersteller unter Druck

Die jüngsten Meldungen aus den USA kennzeichnen den enormen Preisdruck für Low-end-PCs. So trumpfte der Prozessorhersteller AMD mit der Meldung auf, daß sowohl die IBM als auch Klassenprimus Compaq - statt CPUs von Intel - die hauseigenen "K6"-Chips für neue, preisgünstige PC-Systeme einsetzen. Damit gelang dem Chip-Cloner die technische und wirtschaftliche Aufholjagd zum Marktführer Intel, nachdem der Sprung vom 486 auf den Pentium ausgelassen wurde. AMDs neue K6-CPU wird in der kostensparenden 0,25-Mikrometer-Fertigungstechnik produziert.

Die altehrwürdige Unisys Corp. gab dagegen das Ende der Produktion von Desktops und kleinen PC-Servern bekannt. "Das Unternehmen kann in diesem Bereich kein Verkaufsvolumen generieren, das für Gewinne notwendig wäre", begründete Firmenchef Lawrence Weinbach den Rückzug. Der Umsatz mit PCs machte 1997 bei Unisys rund 500 Millionen Dollar aus. Dennoch soll es auch weiterhin PCs mit dem Unisys-Label geben. Das Unternehmen verhandelt derzeit mit einem noch nicht genannten "bedeutenden global agierenden Technologiepartner", der die Produktion für die Weinbach-Company übernehmen soll.

Die Idee vom Billig-PC unterhalb der magischen 1000-Dollar-Grenze wurde schon 1996 geboren. Damals verhandelten Manager von Compaqs Consumer-Abteilung zehn Monate lang vergeblich mit Intel, um einen ausreichend niedrigen Chippreis für dieses Segment zu erzielen. Im vergangenen Jahr schockten die Texaner die Konkurrenz mit einem System für weniger als 1000 Dollar, das zunächst mit einem Cyrix-Prozessor angetrieben wurde, später lief doch noch auch hier ein Intel inside.

Die insbesondere im Sommer 1997 hitzig geführte Diskussion um die hohen Verwaltungskosten von PCs sowie das Auftauchen der einfacheren und billigeren Network Computer (NCs) fachte den Preiskampf weiter an. Das Marktforschungsinstitut Computer Intelligence schätzt, daß in den USA im Dezember zwischen 40 und 42 Prozent der abgesetzten Systeme Billig-PCs waren. Im Januar 1997 hatte dieser Wert noch bei 7,2 Prozent gelegen.

Compaqs jetzt in den USA vorgestellte Low-cost-Rechner arbeiten mit AMDs K6-Prozessor bei Taktraten von 200 und 233 Megahertz und kosten zwischen 799 und 1299 Dollar. Auch die IBM hat sich nach langem Zögern dem unteren Preissegment zugewandt und bringt zunächst in den USA zwei neue Geräte aus der "Aptiva"-Serie, die ebenfalls mit dem K6 bestückt sind. Im Modell "E26" - Kostenpunkt 1099 Dollar - ist er mit 233 Megahertz getaktet. Für 500 Dollar mehr bekommt man dort den "Aptiva E46", dessen Prozessor mit 266 Megahertz schlägt.

Der taiwanische Hersteller Acer, der für IBM die Einstiegs-Aptivas baut, hat bereits Mitte Dezember 1997 in den USA die Preise gesenkt. Zwei Desktop-Modelle sind dort für weniger als 800 Dollar zu haben. Beide nutzen allerdings leistungsschwächere Intel-Chips: Ein Rechner arbeitet mit dem 133-Megahertz-Pentium, der andere nutzt die Pen- tium-MMX-Variante mit 166 Megahertz Taktfrequenz.

In Japan machen sich die dort ansässigen DV-Größen Hitachi, Toshiba und Fujitsu auf, dem arg gebeutelten PC-Markt neues Leben einzuhauchen. So plant Hitachi für den Sommer, Business- und Consumer-PCs auf den Markt zu bringen, die zwischen 900 und 2000 Dollar kosten werden. Fujitsu will im eigenen Land mehr Rechner für unter 2000 Dollar verkaufen. Die Pläne von Notebook-Spezialist Toshiba sehen für das zweite Halbjahr die Marktreife von Tragbaren vor, die nur mehr rund 1000 Dollar kosten sollen.

Noch nicht reagiert auf die Billig-PC-Welle hat Apple. Die günstigsten Mac-Rechner für den Consumer-Markt kosten in den USA weiter zwischen 1400 und 1500 Dollar. Firmenchef Steven Jobs erklärte zur Eröffnung der Macworld-Messe in San Fran- zisko zwar generell, daß sich die Preise für Apple-Rechner näher an die für PCs heranbewegen müssen, wollte aber zu den Preisbrechern aus dem Windows-Lager nicht Stellung nehmen. Umax, der letzte verbliebene Mac-Cloner, hat bereits gehandelt und bietet eine Reihe von Systemen an, die weniger als 1000 Dollar kosten. Sie nutzen den "Power-PC 603e" bei Taktraten von 200 und 240 Megahertz.

Wie begegnet nun Intel den Herausforderungen der Konkurrenz? Nach Aussagen von Michael Slater, Herausgeber des Insider-Blatts "Microprocessor Report", ist die Billig-Preis-Offensive "ein Weckruf für Intel". AMD wird 1998 rund 15 Millionen CPUs absetzen können, glaubt der Prozessorguru, und das sei ein enormer Zuwachs gegenüber dem abgelaufenen Jahr.

Marktführer Intel, der nach eigenen Angaben die Nachfrage nach billigen PCs unterschätzt hat, wird zunächst Ende Januar die Preise für alle Prozessoren senken. So dürfte ein MMX-Pentium mit 200 Megahertz nur mehr 115 Dollar und ein 166-Megahertz-Pentium rund 90 Dollar kosten (siehe auch das Interview auf Seite 8).

In diesem Jahr sollen dann zwei CPUs für den Low-cost-Sektor auf den Markt kommen, die auf dem Pentium II basieren. Eine Version des Bausteins enthält keinen Cache-Speicher. Die zweite Generation für den Niedrigpreissektor wird mit 128 KB Level-2-Cache direkt auf dem Prozessor ausgestattet. Derzeit verfügen die Pentium-II-CPUs nur über 32 KB Level-1-Cache direkt auf der CPU, der größere Level-2-Cache ist auf einem eigenen Baustein untergebracht.

Trotz Intels falscher Markteinschätzung reagierten die Wintel-Anbieter Hewlett-Packard und Packard Bell auf Compaqs Preisoffensive, zumindest in den USA. Dort will Packard Bell noch in diesem Monat ein Einsteigersystem herausbringen, das mit dem Pentium MMX (200 Megahertz) arbeitet und 799 Dollar kosten soll. HPs Consumer-Angebot zum gleichen Preis mit gleichem Chip heißt "Pavilion 3260".

Für die Markenhersteller in Deutschland scheint die magische Preisgrenze bei 2000 Mark zu liegen, nur SNI kann sie deutlich unterschreiten (siehe Tabelle). HP bietet hierzulande ausschließlich Business- und keine Consumer-PCs an. Compaq hingegen bringt zumindest ein US-Modell nach Deutschland.

Zum Vergleich für das Angebot an Intel-basierten Rechnern: Bei Vobis ist der "Highscreen"-PC mit Pentium-II-Prozessor (233 Megahertz), 32 MB RAM und 24-fach-CD-ROM für 1899 Mark zu haben.

Während sich die deutschen PC-Hersteller erst langsam an die US-Preise herantasten, wird in Übersee bereits ein neuer Trend propagiert: Der "Home Server" soll den Privatkunden mit mehr als einem PC im Haushalt schmackhaft gemacht werden, da er beispielsweise die Kommunikationskosten senkt und nur mehr einen Internet-Zugang für alle mit ihm verbundenen Rechner erfordert. Japanische Anbieter wie Matsushita und Sony wollen noch in diesem Jahr einen Billig-Server für unter 500 Dollar vorstellen, der sich zum zentralen und hoffentlich einfach zu bedienenden Nervensystem im Haushalt mausern könnte.