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29.05.1998 - 

Fünf "leichte" Office-Pakete im Vergleich

Trend zu Java-Suites: Chance oder Fehlinvestition?

"Der Boden ist bereitet", so Ulrich Hasenkamp vom Institut für Wirtschaftsinformatik der Philipps-Universität Marburg, der an eine Zukunft von Java-basierten Office-Suites glaubt. Hauptsächlich Anwender mit klassischen Rechenzentren hätten die Nase voll vom immensen Aufwand, der mit der Wartung und Betreuung "fetter" Office-Suites ê la Microsoft betrieben werden müsse. Während klassische Office-Hersteller ihre Produkte in der Vergangenheit mit mehr und mehr Funktionen überladen hätten, "weil immer irgend jemand nach irgendeinem Feature schreit", verlangten Kunden häufig nach leicht administrier- und installierbaren Lösungen für den Einsatz im Unternehmen.

Eine Schätzung des Marktforschungsinstituts Meta Group aus München gibt Hasenkamp recht: Etwa 80 Prozent aller Office-Suite-Anwender nutzen lediglich 50 Prozent der enthaltenen Funktionen. Kaum verwunderlich ist angesichts dieser Zahlen auch, daß sich bereits 13 Prozent der 2000 mächtigsten US-Unternehmen dazu bekennen, in drei bis fünf Jahren ausschließlich NCs einsetzen zu wollen.

"Es läuft alles wieder auf das große Rechenzentrum hinaus", ist sich Universitätsprofessor Hasenkamp sicher, den Grund für die Java-Euphorie einzelner Unternehmen zu kennen. Allerdings kommen als Server für die Java-Suites nicht nur Großrechner in Frage, sondern auch Unix- oder NT-Systeme. "Der NC gibt den Freunden der Mainframe-Welt die Möglichkeit, in eine neue, zentrale Welt überzugehen, ohne den PC akzeptieren zu müssen", so Hasenkamp.

Ganz oben auf der Prioritätsliste stehe für Firmen nach wie vor die Reduzierung der Total Cost of Ownership (TCO). Diese Gesamtkosten ließen sich mit Hilfe schlanker Java-Suites und durch zentrale Software-Aktualisierungen und Add-On-Bereitstellungen vorbildlich drücken. Ebenso sprächen die zentrale Benutzerverwaltung und die Plattform- unabhängigkeit sowie eine langjährige Nutzung der Rechner und nicht zuletzt die Unterstützung der Mobilität der Benutzer für die Office-Konzepte auf Java- Basis.

"Die schlanken Systeme sind schneller, agiler handhabbar und erfordern geringere Wartungskosten", haut denn auch Marktforscher Spies in dieselbe Kerbe. Zu den großen Schwächen gehöre allerdings die hohe Netzwerkbelastung, die mit dem Einsatz der schlanken Office-Pakete einhergehe. Weiterhin seien Java-Suites noch nicht ausreichend getestet, und trotz des übergreifenden HTML-Formats sei ein Austausch von Dokumenten mit bisherigen Office-Suites keineswegs sichergestellt, so der Münchner Analyst weiter. "Dateien klassischer Microsoft-Produkte lassen sich kaum nutzen", warnt Spies vor einer überhasteten Einführung schlanker Bürolösungen.

Gründe, weshalb Analysten von einer neuen Ära des Computings, wie es Lotus ausdrückt, trotz der steigenden Zahl der Befürworter von Java-Suites nicht sprechen wollen. So prognostiziert das US-Marktforschungsinstut IDC den Java-Suites zwar "ein langfristig tragfähiges Konzept, mittelfristig aber keine große Nachfrage". Und auch die Analysten von Meta Group prophezeien: "Java-Offices setzen sich in den nächsten Jahren nicht durch."

Dennoch reagieren Hersteller auf das Interesse erster Anwender mit Produkten. Alles in allem eine Handvoll Java-Suites - erst zwei davon sind bereits erhältlich - befinden sich in den Startlöchern.

Ganz abgesehen von Entwicklungen, "die derzeit vielerorts in Garagenfirmen mit ein paar Mitarbeiter gebastelt werden", so Hasenkamp.

"Anywhere Office" von Applix, "E-Suite Workplace" von der IBM-Tochter Lotus, "J Bridge" und "Open J" (Corel), "Office for Java" (Star Division) und "Hotjava Views" (Sun) sollen erste Pfründe mit schlanken Büroanwendungen sichern. Doch besonders in ihrer Funktionalität und der jeweiligen Arbeitsteilung von Clients und Servern unterscheiden sich die einzelnen Pakete gewaltig.

Fünf Suites in den Startlöchern

Zu den Funktionen der Java-Suites gehören Features, die auch in klassischen Office-Paketen enthalten sind. Dazu zählen Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Präsentationsgrafik, Datenbank, Kommunikations-Funktionen, persönliche Dienste sowie Teamunterstützung. Auch die Benutzerfreundlichkeit wie einheitlicher Zugang zu sämtlichen Funktionen, Orientierung an gängigen Standards und die Integration in die bestehende Umgebung sowie der Datenaustausch, die Interoperabilität und Integration in das Intra- und Internet gehören zu den Herausforderungen der Hersteller.

Trotz der Kapitulation Corels mit "Corel Office for Java" im letzten Jahr hat der Hersteller aus Ottawa, Kanada, mit J Bridge und Open J zwei Konzepte in Planung, die zwischenzeitlich unter den Bezeichnungen "Remagen" und "Alta" bekannt wurden. Bei Open J handelt es sich um eine in der Entwicklung befindliche Java-Suite, die in einer Zweiteilung für einfache (Client) und rechenintensive (Server) Funktionen geliefert werden soll, allerdings einen relativ mageren Funktionsumfang besitzt. Als Alternative im Falle einer erneuten Blamage wie mit Office for Java plant Corel mit J Bridge die Verfügbarkeit eines Java-Client-Zugangs zu konventioneller Software, die auf dem Server residiert. Diese Variante entspricht dem Lean-Client-Konzept von Star.

Applix hingegen setzt mit Anywhere Office auf eine Dreiteilung in Benutzeroberfläche, Benutzertransaktionen und Programm-Engine. Die Arbeitslast bei dem bereits erhältlichen Produkt liegt dabei weitgehend beim Server. Applix Textverarbeitung und Tabellenkalkulation entspricht dabei größtenteils dem Standard. Dennoch mangelt es dem Paket an brauchbaren Importfiltern. Während eine Päsentation mitgeliefert wird, fehlt es der Office-Sammlung an einer Datenbank. Auch auf einen Kalender sowie eine spezielle Teamunterstützung muß der Käufer verzichten. Die Zuverlässigkeit läßt offensichtlich noch zu wünschen übrig: Anywhere Office ließ sich bei Tests in der Philipps-Universität Marburg nicht länger als eine halbe Stunde betreiben. Der zugrundeliegende "Browser, ob Netscape oder Microsoft, ist abgestürzt", so Hasenkamp. Die bisherigen, auf Java basierenden Büropakete von Applix sind hingeben bereits im Anwendereinsatz erprobt.

Ebenso liefert bereits die IBM-Tochter Lotus mit E-Suite ein Java-basiertes Office-Paket. Die für den NC und PCs konzipierte Suite enthält lediglich 20 Prozent des Umfangs der konventionellen PC-Lösung "Smartsuite" und ermöglicht den mobilen Offline-Einsatz. Damit sollen Geschäftsreisende die Möglichkeit erhalten, sich einmalig von unterwegs aus über das Internet mit der Zentrale zu verbinden, um anschließend offline mit Office-Anwendungen arbeiten zu können. Lediglich am Ende der Sitzung müssen die Daten wieder synchronisiert beziehungsweise abgespeichert werden. Lotus Lösung fehlt es jedoch an einer Rechtschreibprüfung. Auch die Tabellenkalkulation und Präsentation beschränkt sich auf wichtigste Funktionen.

Die Hamburger Star Division GmbH tüftelt mit Star Office for Java an einem Paket, das als sogenannte Two-Tier-Lösung eine variable Aufteilung der Office-Komponenten auf Client und Server ermöglicht und derzeit wohl der aussichtsreichste Kandidat für den Spitzenplatz unter Java-Suites ist. Interessanterweise setzt die Hamburger Softwareschmiede dabei nicht ausschließlich auf Java, sondern hat die Clients auch wegen besserer Performance zudem in C++ auf verschiedene Plattformen implementiert. Neben Windows NT und Sun-Plattformen soll Star Office for Java auch Mainframes unterstützen. Star bietet hinsichtlich der integrierten Funktionen die bis dato kompletteste Bürosammlung.

Spartanisch und dementsprechend im Grunde genommen nicht als wirkliche Office-Suite präsentiert sich Suns erster Java-Office-Versuch Hotjava Views. Das Paket mit der äußerst eingeschränkten Funktionalität nutzt den NC als Zielgerät und bietet weder Textverarbeitung noch Tabellenkalkulation, sondern lediglich E-Mail und Kommunikations-Features.

Fraglich bleibt indes, wie der Java-Erzfeind Microsoft auf den Trend mit schlanken Office-Suites reagieren wird: "Das Wintel-Lager (Wintel = Windows und Intel, Anm. d. Red.) wird mit Windows NT 5.0 zurückschlagen", prophezeit Meta-Group-Analyst Spies. Das für Anfang nächsten Jahres erwartete Betriebssystem werde Spies zufolge die "Zero Administration Workstation" unterstützen, eine Microsoft-eigene Methode, mit der sich die TCO in erschwingliche Bereiche bringen lassen soll.

Eine spezielle Java-Office-Suite ist bei Microsoft hingegen kein Thema. So ganz sicher ist sich jedoch anscheinend selbst Analyst Spies nicht: "Man weiß nie, ob bei Microsoft keine Hidden Agenda für ein derartiges Konzept existiert." Microsoft investiere schließlich dort, wo Produkte für den Massenmarkt entstehen. Microsoft war bis Redaktionsschluß für eine Stellungnahme nicht erreichbar.