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24.05.1991 - 

Downsizing: Mainframes sind weiterhin erforderlich

Trend zu PC-Netzen bedeutet nicht das Ende der Großrechnersysteme

Schon seid geraumer Zeit wird den Großrechnresystemen in Unternehmen von DV-Auguren das Sterbeglöckchen geläutet, zumindest aber werden ihnen schwerere Zeiten prophezeit. Der Begriff des Downsizing ist in diesem Zusammenhang in aller Munde. So rechnen beispielsweise die Marktforscher von IDC schon in absehbarer Zeit mit der Ablösung der traditionellen Mainframes und ihren herstellerspezifischen Architekturen durch verteilte Ressourcensysteme auf Mikroprozessorbasis. In deutschen Großunternehmen allerdings, so scheint es, ist die Migration hin zu PC-Netzen derzeit kein Thema, jedenfalls nicht unter einem Entweder-Oder-Gesichtspunkt. Downsizing wird zudem, sofern es Gegenstand strategischer Überlegungen ist, meist unterschiedlich interpretiert. Trotz einer unverkennbaren Entwicklung zu vernetzten Arbeitsplatz-Systemen wollen die verantwortlichen DV-Manager unisono auch in Zukunft nicht auf Host-Anwendungen verzichten. Dabei wird die Argumentation von der " technologischen Heimat " der D V- Verantwortlichen geprägt. Mainframe-Protagonisten aus der /370-Welt sehen die Dinge naturgemäß anders als MikroFreaks, die wir in einem späteren "Thema der Woche" zu Wort kommen lassen.

Downsizing ist die physikalisch-räumliche Miniaturisierung eines Rechnersystems, verstanden als Wandel beispielsweise vom voluminösen Mainframe zum handlichen PC", so lautet eine der Definitionen der IDC-Experten. Nach Ansicht der amerikanischen DV-Marktforscher liegt einer der wichtigsten Gründe für diesen Trend im Kostensektor. Ihrer Meinung nach schneiden die herkömmlichen Mainframes und Minis im direkten Preisvergleich zu standardisierten PC-Arbeitsplätzen, LANs und den zunehmend leistungsfähiger werdenden Netzwerkservern deutlich schlechter ab. Dies werde, so die IDC-Prognose weiter - gerade auch wegen der monopolistischen Preisstruktur in diesem Marktsegment - letztlich dazu führen, daß Großrechner zunehmend von der PC-Konkurrenz aus einer wachsenden Zahl von Anwendungsbereichen verdrängt werden.

Diesem IDC-Szenario entspricht zumindest in Teilbereichen die DV-Planung der BASF AG. Dort gilt für den gesamten Unternehmensbereich die Maßgabe, Anwendungen, die nicht unbedingt auf Großrechnern laufen müssen, in PC-Netze zu verlagern und neue Anwendungen nach Möglichkeit für den PC-Einsatz zu konzipieren. Mehr als 5000 PCs sind derzeit bei dem deutschen Chemieriesen vernetzt, ein Beleg für eine heterogene Rechnerlandschaft.

Entsprechend sind für die Ludwigshafener Netzplaner, die alle gängigen Betriebssysteme von Novells Netware bis hin zu Unix und VMS-Decnet im Einsatz haben, neben Sicherheitsaspekten und Investitionskosten auch Faktoren wie die Benutzerfreundlichkeit und Wirtschaftlichkeit von Systemlösungen wichtige Themen. Einen völligen Verzicht auf den Großrechner schließen die Ludwigshafener jedoch aus, gleichwohl aber bestätigen sie das Bekenntnis zu offenen Systemen und eine aufgrund der heterogen gewachsenen DV-Struktur - Ablehnung von herstellerspezifischen Lösungen.

Daß der Begriff des Downsizing auch eine Definitionsache ist und vor allen Dingen nicht unbedingt im Zusammenhang mit der Verbreitung von PC-Netzen in Unternehmen zu sehen ist, macht Michael Rudolphi, Bereichsleiter für Kommunikationstechnologie bei der Diebold GmbH, geltend. "PC-Netze haben sich in erster Linie nicht in Folge des Downsizings von Host-Anwendungen entwickelt, sondern als Integrationsbasis für isolierte Rechnersysteme", meint der Eschborner DV-Berater und verweist in diesem Zusammenhang auf den Bereich der Bürokommunikation.

Dort wird, so Rudolphi, die Entscheidung über den PC-Einsatz in der Regel abteilungsintern getroffen, entsprechend ist die quantitative Zunahme an PCs gekoppelt mit einer Ausbreitung der Systemvielfalt. Das Bestreben, diese wieder in den Griff zu bekommen, insbesondere auch geeignete Kommunikationsstrukturen in einer überwiegend heterogenen Rechnerlandschaft zu etablieren, nimmt nach Auffassung des Diebold-Experten die eigentliche Katalysatorfunktion für die PC-Vernetzung wahr.

Dies alles ist, so Rudolphi, zunächst unabhängig von etwaigen Downsizing-Strategien zu betrachten, die aus seiner Sicht eher die Entwicklung vom Host in Richtung preiswerter Midrange-Lösungen, insbesondere Mehrplatz-fähiger Unix-Systeme, beschreiben, als den direkten Schritt hin zu einem lokalen PC-Netz. Die Nachteile einer solchen Migration macht Rudolphi jedoch in einem enormen Umstellungsaufwand und in der Suche nach einer adäquaten Software fegt, die die Host-Funktionen preisgünstig ersetzen kann.

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"Für meine Begriffe hat die netzwerkfähige Software dort, wo Großrechner

eingesetzt werden, kaum eine Chance."

Dr. Michael Rudolphi, Diebold GmbH

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Zwar gebe es eine Reihe netzwerkfähiger Einzelanwendungen, etwa in der Finanzbuchhaltung, diese seien aber, so Rudolphi, allenfalls als eine Basis für den Mittelstand anzusehen.

Schwierig wird es nach Einschätzung des Marktbeobachters spätestens in sicherheitsrelevanten, kritischen Unternehmensbereichen. Für Rudolphi stellt eine LAN-Topologie aufgrund des Zusammenspiels unterschiedlichster Softwarekomponenten eine deutlich anfälligere Systemplattform dar als beispielsweise ein Unix-Mehrplatz-System. Downsizing führt für ihn daher in letzter Konsequenz eher zu Unix oder auch noch zu proprietären Lösungen wie VMS. Die nur zögerliche Marktentwicklung im Bereich netzwerkfähiger Software unter Windows und OS/2 belege dies und lasse, so Rudolphi, nur ein Fazit zu: "Für meine Begriffe hat die netzwerkfähige Software dort, wo Großrechner eingesetzt werden, kaum eine Chance."

Noch härter ins Gericht mit der Verlagerung von Host-Anwendungen auf PC-Netze geht Jürgen Thomas. Er ist verantwortlich für das Distributed Processing bei der EDS Deutschland GmbH, einer 100prozentigen Tochter von General Motors, die hauptamtlich die gesamte Datenverarbeitung der Adam Opel AG organisiert. Der Opel-Berater hält die These, daß Großrechnersysteme durch PC-Netze abgelöst werden, schlicht für "Unsinn".

Zwar gehe auch beim Rüsselsheimer Automobilhersteller der Trend eindeutig hin zu Netzwerken. Von den derzeit rund 2400 PCs sind bereits 800 Einheiten auf der Basis eines FDDI-Backbones vernetzt - binnen Jahresfrist soll die Grenze von 2000 verbundenen Arbeitsplatz-Systemen erreicht werden - , die großen Datenbanksysteme jedoch, vor allem in der Materialwirtschaft, werde aber, so Thomas, auch weiterhin der Host verwalten.

Allerdings sind nach Ansicht des EDS-Mitarbeiters dem Anwender durch die im Vergleich zu Mainframes besseren Softwarewerkzeuge in den PC-Netzen vielfältigere Möglichkeiten eröffnet worden. Man könne zwar nicht behaupten, so Thomas, daß die Datenverarbeitung nun vollständig in LANs stattfinde, aber es würden zunehmend Daten vom Host abgerufen, bearbeitet, ausgewertet und wieder in die Datenbank des Großrechners zurückgeschickt. Für die im Host verwaltete Datenmenge habe dies letztlich jedoch keinerlei Auswirkungen. Dieser Trend hin zu Client-Server-Architekturen mit Host-seitiger, zentraler Datenverwaltung und einem Teil der Anwendungen auf PCs könnte sich auch bei der Frankfurter Degussa AG auswirken. Derzeit laufen dort in PC-Netzen nach Aussage von Herbert Kollmar, Leiter der Hauptabteilung Arbeitsplatz-Systeme und anwendungsneutrale Software, ausschließlich abteilungsspezifische Anwendungen. Für sein Unternehmen kann der DV-Verantwortliche gegenwärtig jedoch noch keine Auslagerung der DV vom Host auf PC-Netze feststellen.

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"... würden auf Dauer unterm Strich die Kosten gegenüber einer Unix-Lösung deutlich zunehmen."

Reinhard Kunz, Versicherungsgruppe Deutscher Ring

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Die DV-Landschaft bei Degussa zeichnet sich laut Kollmar durch einen historisch gewachsenen, dezentralen Charakter aus. Demzufolge wurden zahlreiche Anwendungssysteme auf Abteilungsrechner gelegt, auch schon zu Zeiten, als der PC noch kein prägender Faktor der Arbeitsplatz-Gestaltung war. Diese Struktur wird, so der Degussa-Manager, nun dahingehend revidiert, daß Anwendungen, die zentrale Datenbestände erfordern, auf dem Unternehmensrechner gefahren und die Vorgänge mit lokaler Bedeutung zum Teil in PC-Netzen realisiert werden. Absolut nichts von Client-Server-Strukturen im Zusammenhang mit der PC-Vernetzung hält hingegen Horst Schäfers, Referatsleiter des Bereiches Kommunikationstechnik bei der Westdeutschen Landesbank. Für ihn sind die auf das Client-Server-Prinzip fixierten PC-Netze mit zentraler Datenhaltung nichts anderes als das Resultat einer alten Denkweise von DV-Leuten. Schäfers: "Die können sich nicht daran gewöhnen, daß sie ihre Macht über die Fachabteilungen verloren haben."

Der überwiegende Teil der WestLB-PCs ist zwar nach Angaben von Schäfers vernetzt, in der Regel jedoch für lokale und abteilungsinterne Anwendungen. Daher wird in den meisten Fällen auch ohne einen zentralen Server gearbeitet. Diese fänden, so der DV-Manager der Düsseldorfer Großbank, nur Verwendung als Kommunikationskomponente für die Host-Anbindung sowie als Zugang zu Diensten wie Telex oder Telefax.

Die Frage des Downsizings indes hat laut Schäfers, und hier ist er sich mit Diebold-Berater Rudolphi einig, nichts mit der Entwicklung auf dem PC-Sektor zu tun, sondern betrifft vielmehr die Mittlere Datentechnik. Gerade bei der WestLB ist man, so führt der DV-Verantwortliche weiter aus, derzeit dabei, den geordneten Rückzug aus einer versuchten Dezentralisierung zu bewerkstelligen. Grund: Das Problem der verteilten Daten war nicht in den Griff zu bekommen, insbesondere durch den Aufwand an gegenseitigem Updates. Alle Niederlassungen der Bank verfügten ursprünglich über mittlere Rechnerkapazitäten, die jedoch trotz modernster Verbindungen - auch per Satellitentechnik - nicht die Effektivität der Host-Anbindungen realisieren konnten. Hinzu kamen gravierende Kapazitätsengpässe.

Die Konsequenz: Es wurden zwei neue, eng miteinander verbundene zentrale Rechenzentren installiert, an die die weltweite DV der Großbank gekoppelt ist. Erste Tests verliefen, so Schäfers, äußerst erfolgversprechend. Durch die erneute Host-Anbindung sind die Response-Zeiten an den jeweiligen Arbeitsplätzen nun erheblich kürzer als bei der Bearbeitung der Daten vor Ort. Dies sei vor allen Dingen für die Unternehmensbereiche, die mit zeitkritischen Daten arbeiten, unumgänglich gewesen.

Daß das dezentrale Konzept letztlich gescheitert ist, betont Schäfers nochmals ausdrücklich, lag nicht am Netz, sondern an den zu geringen Kapazitäten der kleinen, dezentralen Rechenzentren. Schäfers abschließendes Fazit zum Thema Downsizing: "Wenn Sie draußen vor Ort alles realisieren wollen, was Sie gerne möchten, haben Sie dort einen genauso großen Brocken wie in der Zentrale stehen, und das ist ökonomisch unsinnig." PC-Netze sind für den WestLB-Manager daher ausschließlich abteilungsspezifische, begründbare und nachvollziehbare Insellösungen, die durchaus, beispielsweise im Bereich der Systementwicklung, zu mehr Anwendungsmöglichkeiten führen können.

Als zumindest zweideutige Sache erachtet auch Schäfers Kollege Kurt Vettl von der Commerzbank AG das Thema Downsizing. Für ein Unternehmen in der Größenordnung des Frankfurter Bankhauses ist nach Angaben Vettls, Mitarbeiter in der Abteilung Datenkommunikation und Netze, der Einsatz von Großrechnersystemen unabdingbar. Natürlich bestätigt auch der Experte der Commerzbank den Trend zu PC-Netzen,

vor allem im Geschäftsstellenbereich und in den einzelnen

Fachabteilungen. Die Entwicklung umfaßt aber in jedem Fall auch die weitere Integration bestehender Host-Ressourcen, besonders deshalb, weil die lange Zeit bestehenden Sicherheitsprobleme im Zusammenhang mit einem PC-gestützten Zugriff auf Host-Daten zufriedenstellend gelöst werden konnten.

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"Wenn Sie vor Ort alles realisieren wollen, ist dies ökonomisch unsinnig"

Horst Schäfers Westdeutsche Landesbank

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Ebenfalls auf die Koexistenz von Host-Systemen und PC-Netzen setzt man bei der Versicherungsgruppe Deutscher Ring. Bedingt durch die Unternehmensstruktur mit zahlreichen Geschäftsstellen und Außendienstmitarbeitern gehen dort die IS-Manager davon aus, daß auch in Zukunft aufgrund der Unternehmensgröße Host-Anwendungen gefahren werden, zugleich aber der Grad der PC-Vernetzung mit Host-Anbindung zunehmen wird. Gemäß dem Client-Server-Prinzip will der Hamburger Versicherungskonzern demzufolge die individuelle Datenverarbeitung schwerpunktmäßig hin zum PC verlagern und möglichst wenige selektive Anwendungen auf dem Host belassen.

Als einziger der Befragten mißt Reinhard Kunz, Vorstandsmitglied des Deutschen Rings, dem von IDC betonten Kostenfaktor eine - wenn auch zweitrangige - Bedeutung zu. Zwar habe sich sein Unternehmen in erster Linie für eine "Architektur des Bedarfs" entschieden, um mittelfristig viele Anwendungen möglichst nahe beim Kunden realisieren zu können. Dennoch verbleibe auch in den nächsten Jahren eine gewisser zentraler Datendurchsatz, der sich nicht beliebig dezentral organisieren lasse. Andererseits habe natürlich ein Vergleich beispielsweise zwischen Unix-Maschinen und PC-Netzen und der IBM 3090-Welt stattgefunden.

Auch wenn im Moment die Entscheidung pragmatisch im Hinblick auf eine möglichst schnelle Verbesserung des Ist-Zustandes getroffen wurde und nach Auffassung von Kunz auch in der proprietären Welt Variationsmöglichkeiten bestanden, könnte trotzdem für die Verantwortlichen beim Deutschen Ring irgendwann der Punkt erreicht werden, wo ein Umdenken sich lohne. Spätestens dann nämlich, wenn sich, so Kunz, die Preispolitik der IBM beispielsweise bei Lizenzsoftware nicht so weiterentwickle, daß diese für Anwender wie den Deutschen Ring interessant bleibe Kunz: "Wenn man zwar die Hardwarepreise weiter fallen läßt, bei den Softwaregebühren aber immer mehr draufsattelt, würden auf Dauer unterm Strich die Kosten gegenüber einer Unix-Lösung deutlich zunehmen. In diesem Punkt, das gebe ich zu, bin ich sehr unsicher."