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25.11.1994

Trend zu preiswerten Hosts und Servern ist ungebrochen Windows 95 wird das meistverkaufte Desktop-Betriebssystem

Der Weg ins neue Computerzeitalter ist lang und beschwerlich. Dennoch, so der Tenor der Beitraege auf dem diesjaehrigen europaeischen IT-Symposium der Gartner Group, lohnt es sich, ihn zu beschreiten. Anwenderunternehmen werden sich allerdings entgegen anderslautenden Meldungen mittelfristig von monolithischen Mainframe-Architekturen verabschieden und auf unternehmensweite Client-Server-Loesungen setzen. So rechnen die Analysten beispielsweise damit, dass die Ausgaben fuer Unix-Hosts und -Server bereits im naechsten Jahr die Aufwendungen fuer MVS-Systeme ueberschreiten werden. Im Desktop-Sektor duerfte Microsofts Windows- Nachfolger Windows 95 - bisher vor allem unter seinem Codenamen Chicago bekannt - das beherrschende Betriebssystem werden.

Der Mainframe verliert seine zentrale Rolle. "Im Jahr 2000 wird der Grossrechner ersetzt sein durch eine Kombination aus skalierbaren, massiv-parallelen Systemen fuer datenintensive Applikationen und durch verteilte Systeme fuer die meisten anderen Anwendungen. Grossrechner werden nur noch dort eingesetzt, wo es zu teuer ist, Altanwendungen zu re-engineeren", postulierte William Caffrey, Gartner-Group-Vice-President fuer Advanced Technology Strategies.

Den Trend zu kleineren und preiswerteren Systemen kann sein Kollege, Vice-President European Executive Services Chuck White, mit statistischem Material belegen. So wurden in den USA 1994 fuer Mainframes inklusive Peripherie 43 Prozent weniger investiert als 1989. Auch bei Midrange-Systemen sanken die Ausgaben um 19 Prozent. Gleichzeitig nahmen die Aufwendungen fuer Mikrocomputer um 119 Prozent zu.

Durch die ruecklaeufige Nachfrage stehen die Grosssysteme nach Whites Ansicht weiter unter Preisdruck und sinken rapide im Wert.

Dieses Phaenomen, das offenbar der momentanen Mainframe-Hausse zuwiderlaeuft, erklaert Gartner-Mann David Norris, Research Director Platforms and Operating Systems Technologies: "Der Mainframe erlebt keine Renaissance, nur eine geringe Nachfragebelebung, die aufgrund von Lieferschwierigkeiten groesser erscheint, als sie ist. IBM nutzt diese Verknappung, die aus ungenauen Prognosen und dem Schliessen von Fertigungsstaetten resultiert, fuer ein cleveres Marketing."

Dieses kurzfristige Aufbluehen haelt Norris in erster Linie "fuer eine Reaktion auf die stark gesunkenen Preise". Er erwartet, dass diese bis zum Jahr 2000 jaehrlich weiterhin um 30 bis 40 Prozent fallen. Auch die Anbieter von Grossrechnern mit CMOS-Prozessoren werden seiner Meinung nach unter dieser Erosion zu leiden haben - auch wenn sie spaeter einsetzen duerfte. "Die Frage ist nur, ob IBM sich schnell genug an die schrumpfenden Preise anpassen kann." Der Berater rechnet damit, dass Big Blue in den naechsten sechs Jahren zwischen zwoelf und 15 Prozent seiner MVS-bezogenen Umsaetze im Hardware-, Software- und Servicesektor verliert.

Eine nichtrepraesentative Umfrage bei insgesamt 280 grossen Unternehmen, die an Konferenzen des Beratungshauses teilnahmen, zeigt ebenfalls einen eindeutigen Migrationstrend zu kleineren Systemen. Danach hegen 1994, so White, 70 Prozent der Befragten den Wunsch, Applikationen vom Mainframe abzuziehen. Allerdings raeumten die Befragten ein, dass Implementierung und Betrieb von Client-Server-Loesungen erheblich teurer kommen als traditionelle Ansaetze.

Dennoch sieht White genuegend gute Gruende, auf die neuen Architekturen zu setzen: "Sie weisen eine groessere Funktionalitaet auf, lassen sich besser den tatsaechlichen Beduerfnissen der Nutzer anpassen, und die so aufgebauten Systeme liefern schneller Resultate."

Auch Lynn Berg, bei Gartner Vice-President Distributed Computing Strategies, warnt vor dem Fehler, IT-Investitionen nur unter Kostenaspekten zu beurteilen: "Eine Client-Server-Loesung wird immer teurer sein als ein monolithisches System. Aber Unternehmen duerfen Client-Server- nicht mit Downsizing-Strategien gleichsetzen. Wir sind der Meinung, dass der Nutzen dieser Architektur in der erhoehten Produktivitaet des Endanwenders, kuerzeren Trainingszeiten und -ausgaben sowie in verbessertem Kundenservice liegt." Deshalb sollten IT-Projekte eher nach Wertschoepfungs- als nach Kostengesichtspunkten beurteilt werden.

Wichtigster Treiber der Client-Server-Entwicklung wird Lynn zufolge eine Veraenderung der IT-Philosophie. Es gehe nicht mehr so sehr darum, durch den Einsatz von DV das Management und die Prozesse eines Unternehmens effektiver zu machen, sondern darum, die Art und Weise des Geschaeftemachens selbst zu verbessern. "IT- Einsatz soll zu mehr neuen Produkten in kuerzerer Zeit und zu einer verbesserten Position gegenueber der Konkurrenz fuehren. Die DV muss die neuen Unternehmenskonzepte unterstuetzen", forderte Berg.

Vier Trends bestimmen der Analystin zufolge das Client-Server- Computing der naechsten fuenf Jahre. Nachhaltige Veraenderungen in der Industrie fuehren dazu, dass Client-Server-Architekturen als die Loesung zur Verbesserung der unternehmensweiten Produktivitaet angesehen werden. Mobile Computing macht neue Client-Server- Konzepte und Technologien notwendig, die heutige User Interfaces, Middleware- und LAN-Komponenten in Frage stellen. Auch Unternehmen mit einer konservativen Einstellung zu IT werden Client-Server- Loesungen implementieren, und zwar aufgrund der Verfuegbarkeit objektorientierter Tools und gebrauchsfertiger Applikationen. Relevanter als IT-Downsizing wird die Frage nach dem optimalen Nutzen einer Investition.

Aufgrund des ungebrochenen Trends zu preiswerteren Hosts und Servern gehen die Aufwendungen fuer Mainframe-Betriebssysteme e la MVS zurueck. Unix-Systeme wiesen laut Gartner 1994 als einziges Server-Segment substantielle Zuwachsraten auf - zu Lasten der Mainframe-Produzenten. Im Server-Bereich wird der Unix-Anteil weiter stark steigen. "1995 duerften die Ausgaben fuer Unix-basierte Server erstmals die fuer MVS-Systeme uebersteigen", schaetzte Scott Winkler, Research Director Platform and Operating Systems. Im MVS- Sektor konzentrieren sich die Ausgaben auf Upgrades und Disks. "1998 wird Unix als Mainstream-Betriebssystem fuer Grosssysteme und Rechenzentren betrachtet werden", erklaerte der Gartner-Analyst.

Auch die Desktop-Betriebssysteme veraendern sich. Durch anspruchsvolle Applikationen und den Bedarf an Client-Server- Computing duerften sie Winkler zufolge sehr viel leistungsfaehiger und raffinierter werden. In diesem Markt kaempfen nur noch Apple und IBM gegen Microsofts Betriebssystem-Dominanz. Der Mac- Hersteller werde mit weiteren Verbesserungen an System 7 die Marktfuehrerschaft im Publishing-Sektor und bei Desktop-Multimedia- Applikationen aufrechterhalten, aber bis 1997 keine neuen unabhaengigen Software-Anbieter fuer den kommerziellen Massenmarkt gewinnen koennen.

Die IBM hat es laut Winkler mit OS/2 besonders schwer. Zwar hat sie vier Millionen Lizenzen der Software verkauft, aber immer noch keine ausreichende Unterstuetzung von seiten der unabhaengigen Softwareproduzenten (Independent Software Vendors = ISVs).

Fuer Peter Sondergaard, Vice-President European Management Strategies, bleiben Microsoft und Intel die staerksten Kraefte im PC-Sektor: "Microsoft wird die Fuehrerschaft im Desktop-Bereich nutzen, um Einfluss auf andere Computer-, Kommunikations- und Bueroumgebungen zu bekommen." Bei allem Respekt glaubt der Gartner- Analyst jedoch nicht, dass die Gates-Company in die Fussstapfen der IBM tritt: "Ihre Machtfuelle wird durch Konkurrenzkaempfe begrenzt."

Der Preisdruck und die "Suite-Mania" im Windows-Applikationsmarkt sorgen fuer eine Zweiteilung des Marktes. Sondergaard sieht weiterhin Microsoft an der Spitze, gefolgt von Lotus. "Alle grossen PC-Applikationsanbieter werden objektorientierte Produkte herausbringen. OLE 2.0 und Opendoc werden die Standards fuer die Integration der Komponenten werden. Dabei duerfte OLE den Windows- Markt und Opendoc den fuer Macintosh- und OS/2-Plattformen beherrschen."

Die als "Objectware" bezeichneten Produkte betrachtet Sondergaard weniger als komplette Applikationen, sondern als Komponenten, die Anwender zu kundenspezifischen Loesungen zusammenstellen koennen.

Das waere das Ende funktional ueberfrachteter Systeme, deren Features vom durchschnittlichen Anwender nur zu 20 Prozent ausgenutzt werden, die er aber immer mitbezahlen muss.

Im Zuge der Entwicklung von Objectware-Produkten werden sich die Hersteller neu positionieren. Sie muessen sich entscheiden, ob sie mit Microsoft und Lotus auf der Basis einer breiten und vergleichbaren Komponentenbibliothek konkurrieren wollen. Das koennen nach Gartner-Ansicht nur ganz wenige. Andere Anbieter werden sich auf bestimmte Sektoren konzentrieren und versuchen, fuer diese Bereiche die besten Bestandteile anzubieten. Eine weitere Gruppe wird dazu uebergehen, Elemente fuer Microsoft- und Lotus-Suites herauszubringen, die von den grossen Produzenten nicht offeriert werden. Wieder andere verlegen sich auf Integrationsservices.

"Die Allgegenwart der Informationstechnologie wird die Geschaeftspraktiken der Unternehmen in den naechsten sechs Jahren fundamental veraendern", prognostiziert Chuck White. Angesichts des Trends zum Einsatz immer preiswerterer und gleichzeitig leistungsstaerkerer Rechner, die die Praesenz von PCs in Unternehmen enorm verstaerken, sei es sehr wahrscheinlich, dass sich seine Hypothese bewahrheite.

Die IS-Abteilungen spielen bei der Einfuehrung neuer Technologien White zufolge eine zentrale Rolle. Die Macht, die dem Endbenutzer durch die verfuegbare Informationsfuelle zuwaechst, muss reguliert werden. "Uneingeschraenkte Selbstaendigkeit des Endbenutzers kann ohne die Einhaltung von Rahmenbedingungen zur Balkanisierung des Unternehmens fuehren", warnt der Gartner-Mann. Deshalb muesse die IS-Abteilung die Rolle des "Veraenderungsagenten" spielen. Sie sei Wegbereiterin des technischen Wandels.

Neben der reinen Technologiedebatte rueckt die Diskussion um den Beitrag der IT zum Erfolg des Gesamtunternehmens immer staerker in den Mittelpunkt des Interesses: "Wenn es nur um die Kosten geht, hat Outsourcing viele Vorteile. Aber wenn IT genutzt wird, um in einem partnerschaftlichen Verhaeltnis zwischen Enduser und IS- Abteilung bestimmte Geschaeftsziele zu erreichen, dann ist der potentielle Nutzen hoch", glaubt White.

Er unterscheidet drei Arten von IT-Investitionen. Ausgaben fuer "Utility Projects" - DV-Basisfunktionen, die keinen Wettbewerbsvorteil erzeugen - sind nur zu rechtfertigen, wenn ein Upgrade Kostenersparnisse bringt. "Enhancement Projects" sollten dagegen die Wettbewerbsposition veraendern, besseren Service, niedrigere Kosten oder eine hoehere Produktivitaet ermoeglichen.

Mit "Frontier Projects" sei das Unternehmen moeglicherweise in der Lage, neue Maerkte zu oeffnen oder die Konkurrenzsituation fundamental zu verbessern. Die Risiken bei den beiden letztgenannten Projektarten sind naturgemaess hoeher. Deshalb ist hier eine genaue Abschaetzung des zu erwartenden Nutzens und der notwendigen Ausgaben unabdingbar.

Whites Fazit: "Es koennte sehr stark von der IS-Organisation abhaengen, wie erfolgreich ein Unternehmen kuenftig sein wird. Informationstechnologie wird zum integralen Bestandteil jedes Jobs. Es wird zum bestimmenden Erfolgsfaktor, IT so einzusetzen, dass die Faehigkeiten der Mitarbeiter voll genutzt werden koennen."

"Der Mainframe erlebt keine Renaissance, nur eine geringe Nachfragebelebung, die aufgrund von Lieferschwierigkeiten groesser erscheint, als sie ist." David Norris

"Microsoft wird die Fuehrerschaft im Desktop-Bereich nutzen, um Einfluss auf andere Computer-, Kommunikations- und Bueroumgebungen zu bekommen." Peter Sondergaard

"Grossrechner werden nur noch dort eingesetzt, wo es zu teuer ist, Altanwendungen zu re-engineeren." William Caffrey

"Die Allgegenwart der Informationstechnologie wird die Geschaeftspraktiken der Unternehmen in den naechsten sechs Jahren fundamental veraendern." Chuck White