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31.05.1996 - 

Switching im Backbone sichert vorerst den Bandbreitenbedarf

Trend zu zentralen Servern stellt neue Anforderungen an das Netz

Während sich einige der Zukunfstrends noch nicht eindeutig bestimmen lassen, sind für Ralph Ungermann, CEO der First Virtual Corp. und ATM-Pionier, die großen Verlierer im Networking-Business des letzten Jahrzehnts offensichtlich: Token Ring, Bridges, XNS, MAP sowie OSI. Nach Ansicht Ungermanns waren diese Technologien vor allem deshalb zum Scheitern verurteilt, weil sie den Anwendern keinen echten Mehrwert boten und nicht die kritische Masse im Markt erlangten. Zudem habe OSI beispielsweise den Anspruch der Interoperabilität nie wirklich erfüllt. Erschwerend kam hinzu, daß die Unterstützung seitens der Hersteller fehlte. "Alle redeten von OSI, keiner entwickelte jedoch Produkte", bilanzierte Ungermann in seiner Eröffnungsrede auf dem Networking-Event die OSI-Pleite.

Ebenfalls keine Zukunft räumt der ATM-Pionier der Token-Ring-Technologie ein, da es dieser sowohl an Performance wie auch an Herstellerunterstützung fehle. Zu den klaren Siegern gehören für Ungermann dagegen Hubs, Router sowie LAN-Switches, da sie den Anwendern in Sachen Bandbreite, Segmentierung und Verkabelung einen echten Mehrwert bieten. Ebenfalls zu den Gewinnern zählt der CEO das Internet sowie TCP/IP, das im Gegensatz zu OSI in heterogenen Welten interoperabel sei.

In Anbetracht des Trends in Sachen Internet und TCP/IP glaubt auch Carsten Wegmann, Vice-President und European Research Director der Gartner Group, daß den Multiprotokoll-Netzen (MPN) die Zukunft gehört. Allerdings erkaufen sich die Anwender nach Gartner-Erkenntnissen die verbesserte Interoperabilität mit einem höheren Personalbedarf und damit steigenden Kosten. Während bei den klassischen SNA-Netzen die Beschäftigtenzahl in den vergangenen Jahren um 26 Prozent gesunken ist, rechnen die Analysten im MPN- und LAN-Bereich mit einem Anstieg um 40 Prozent. Da jedoch Experten mit fundierten Kenntnissen schwer zu bekommen sind, hätten die Unternehmen nur die Wahl, in aufwendige Umschulungsmaßnahmen zu investieren oder zum zentralistischen Supportmodell der Vergangenheit zurückzukehren.

Drohen die Personalkosten aufgrund des höheren Supportbedarfs außer Kontrolle zu geraten, so haben die IS-Shops zumindest bei der Konsolidierung ihrer LANs eine Chance, Kosten einzusparen. Nach dem Client-Server-Boom der letzten Jahre sieht die Gartner-Group mittlerweile die Tendenz, die vielen kleinen und mittleren LANs mit ihren Servern in großen Server-Farmen oder zu Super-Servern zusammenzufassen. Für diese Entwicklung sind Wegmann zufolge zwei Gründe ausschlaggebend: Erstens habe die wachsende Zahl an Servern die Netze so komplex werden lassen, daß sie kaum noch zu verwalten seien. Zweitens würden mit den steigenden Kosten bei Servern und anderen LAN-Komponenten nicht mehr die Abteilungsleiter, sondern die traditionellen IS-Verantwortlichen die Investitionsentscheidungen fällen.

Für die zentrale Installation spricht auch das ökonomische Argument. Bei einer Konsolidierung von 32 verteilten auf sechs zentrale Server errechneten die Analysten im Personalbereich Einsparungen von bis zu 80 Prozent. Zudem würden die Ausgaben für die benötigten Netzkomponenten um fast 50 Prozent sinken.

Allerdings zieht dieser Trend zur Server-Konsolidierung eine Konsequenz nach sich: Die Bandbreitenkapazitäten im Backbone müssen drastisch erhöht werden. Galt im Zuge der Client-Server-Euphorie noch die 80-zu-20-Faustregel (80 Prozent lokaler Verkehr, 20 Prozent unternehmensweites Datenaufkommen), so ist mit der zentralen Installation der Server ein Anwachsen des Verkehrs im Backbone auf 80 Prozent zu erwarten. Die verbleibenden zwanzig Prozent im lokalen Bereich kommen dann durch das Drucken im Netz sowie das File-Sharing auf lokaler Ebene zusammmen. Werden keine Infrastrukturmaßnahmen ergriffen, ist laut Wegmann mit dramatischen Performance-Einbrüchen bis hin zu kompletten Netzausfällen zu rechnen.

Aufgrund dieser Entwicklung prognostiziert die Gartner Group den Router-Herstellern vorerst goldene Jahre, getreu dem Schlachtruf "Switches für die Bandbreite, Router für die Segmentation". Denn die Switches, die für Wegmann nichts anderes als hardwarebasierte Bridges sind, führten zu großen flachen Subnetzen mit Nachteilen wie erheblichem Overhead, schlechter Verwaltbarkeit und fehlender Segmentierung.

Dafür hat die Switching-Technologie im Backbone eine erfolgreiche Zukunft vor sich. Sollte der geschilderte Trend zur Zentralisierung anhalten, dürfte das Switching im Backbone-Bereich einen Ausweg aus dem drohenden Bandbreiten-Engpaß öffnen und so die Lebenszeit der bestehenden FDDI-Installationen um 18 bis 24 Monate verlängern.

Das wären entscheidende anderthalb bis zwei Jahre, da Wegmann davon ausgeht, daß die Routing-Funktionalität des oft propagierten ATM noch bis 1997 oder 1998 proprietär bleiben wird.

1998 dürften auch die ersten wirklich funktionellen ATM-Desktop-Attachments auf den Markt kommen, die dem Anwender einen zuvor nicht erreichten Nutzen bieten. Davor setze sich im LAN allerdings die Switching-Technologie durch, da sie bei unwesentlichen Mehrkosten eine deutliche Erhöhung der Bandbreite gewährleistet. Bereits heuer rechnen die Auguren damit, daß der Preisunterschied zwischen Shared und Switched Ethernet so gering ist, daß bei Neuinstallationen das Switching bevorzugt wird, um echte 10 Mbit/s am Desktop zu gewährleisten. Bei einem weiteren Preisverfall kommen dann später auch 100-Mbit/s-Verfahren wie Fast Ethernet oder VG Anylan zum Einsatz (vgl. Grafik Seite 25).

Das Umdenken in Sachen zentrale Server-Installation bleibt auch für die Positionierung der Netzwerk-Betriebssysteme (NOS) nicht ohne Folgen. Nach Ansicht der Analysten splittet sich dieses Marktsegment in zwei Bereiche auf: zum einen Server-Betriebssysteme für generelle Zwecke, zum anderen Infrastruktur-Plattformen, wobei allerdings die Anwender die General-purpose-Lösungen bevorzugen dürften. Angesichts dieser Entwicklung erwarten die Auguren eine Neupositionierung der NOS.

LAN-Marktführer Novell sieht die Gartner Group künftig verstärkt im Sektor der Netzwerk-Infrastruktur-Dienste sowie die Integration heterogener Dienste mit Hilfe der Novell Directory Services (NDS) tätig. Bei Microsoft, für die Gartner Group einer der erfolgversprechendsten Netzwerk-Betriebssystem-Hersteller der Zukunft, sehen die Auguren dagegen starke Tendenzen, die eigene Plattform als Allzweck-Server zu positionieren.

Auf dem absteigenden Ast befinden sich dagegen laut Wegmann Banyan, Digital und IBM. So rechnet der Gartner-Manager nicht damit, daß Banyan den Übergang vom NOS-Hersteller zum Anbieter von Netzdiensten erfolgreich über die Bühne bringt. Auch in Sachen OS/2-Server sehen die Prognosen des Chefanalysten düster aus: Aufgrund der schwachen Unterstützung durch unabhängige Softwarehäuser werde Big Blues Netzplattform auch künftig ein Nischendasein führen. Ebenfalls wenig Vertrauen hat der Manager in Digitals Bemühungen, sein Betriebssystem "Pathwork" in einer Post-VMS-Welt zu etablieren.

Letztlich gehört in den Augen Wegmanns die Networking-Zukunft nur Netware und Windows NT. Dabei hat Novell, so der Gartner-Manager, technisch betrachtet sicherlich die besseren Karten, da die Netzwerker mit den NDS über eine exzellente Technologiebasis verfügten. Unklar sei jedoch noch, ob es für diese unternehmensweiten Directory-Services wirklich einen Bedarf gebe. Des weiteren erschwerten die ständigen Strategiewechsel der Networking-Company eine Zukunftsprognose. Letzlich stehe Novell seinem Erfolg selbst im Wege.

Ein besseres Zeugnis stellt die Gartner Group hier den Microsoft-Marketiers aus, die es mittlerweile erfolgreich geschafft haben, den NT Server als Trojanisches Pferd in fremden Netzen zu etablieren. Eine der stärksten Waffen des Newcomers, der erst nach mehreren Anläufen zu einer nennenswerten Größe im Networking-Business avancierte, sehen die Auguren in der Interoperabilität des NT Servers. Auf der Negativseite verbuchen die Analysten die geringe Erfahrung der Gates-Company im Unternehmensgeschäft.