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27.02.1978 - 

Hürden für die Anbieter von Standard-Anwendungsprogrammen:

Trend zur Eigenprogrammierung hält an

MÜNCHEN (de) - Nahezu 90 Prozent der verwendeten Anwendungs-Software wurde von den Benutzern entwickelt. Dies stellten die Marktforscher der IDC Deutschland fest. Angesichts der Tatsache, daß die Kosten für die Programmierung im eigenen Hause oft die der Hardware übersteigen, sollte sich eigentlich jeder EDV-Anwender - so IDC - am Markt nach geeigneten Fremdpaketen umsehen, zumal Software-Produkte der Gefahr der Überalterung ausgesetzt seien und der Gesetzgeber ständig neue Richtlinien erlasse. Demnach ist die Frage der Beschaffung von Softwarepaketen für jeden Anwender ein aktuelles Thema. Den folgenden Beitrag zum Problem "Software-Auswahl" haben wir dem IDC-Report 19/20 (Band 3) vom 31. Oktober 1977 entnommen:

Um den Begriff Anwendungssoftware klar zu definieren, ist es einfacher, die Programme aufzuzählen die in der Regel nicht dazugehören - Hilfsprogramne (Mischen, Sortieren, Umsetzen),

- Datenbanken,

- Generatoren,

- Compiler,

- Emulatoren und Simulatoren,

- Testhilfen,

- Programmbibliotheken,

- Entscheidungstabellenübersetzer

Prinzipiell unterscheidet man zwischen Standard-Anwendungssoftware (mehrere Einsätze in verschiedenen Betrieben) und Individual-Anwendungssoftware (eigenerstellte Software).

Die Anwendungssoftware dient zur Bewältigung der kommerziellen und technischen Aufgaben innerhalb eines Unternehmens und wird zur Rationalisierung betrieblicher Verrichtungsabläufe eingesetzt. Im Durchschnitt sind - unabhängig von einer Branche - zirka 350 Programme pro Unternehmen eingesetzt, wobei innerhalb eines Lohn- und Gehaltsprogrames die Lohnabrechnung, die Kir(..)nsteuerberechnung sowie die Sozialabgaben jeweils als ein eigenes Programm gesehen werden.

Die hauptsächlichsten Einsatzgebiete für Anwendungssoftware sind:

- Personalwesen einschließlich Lohn- und Gehaltsabrechnung

- Rechnungswesen

- Finanzbuchhaltung

- Kreditoren

- Debitoren

- Kostenrechnung

- Lagerhaltung und Materialwirtschaft

- Marketing und Vertrieb (Auftragsabwicklung)

- Produktionsaufgaben (Fertigungsplanung, -steuerung)

- Statistiken

- Technisch-wissenschaftliche Anwendungen

Warum wurde in der Vergangenheit fast ausschließlich selbst Programmiert? Hierzu ist zu bemerken:

EDV-Neuanwender standen häufig vor dem Problem, die Voreingenommenheit der einzelnen Abteilungen gegenüber dem Computer abzubauen. Um sich gegen den Vorwurf der Überflüssigkeit zu wehren, sahen sich die EDV-Fachleute gezwungen, jeden nur möglichen Wunsch hinsichtlich Auswertungen, Betriebsabläufen und ähnlichem zu erfüllen. Andererseits war man bemüht, sich zu etablieren und eine gewisse Sonderstellung einzunehmen. So zielte die Politik der EDV-Leiter, Organisations- und Rechnungswesen-Leiter dahin, alles im eigenen Hause abzuwickeln. Um die Programmierung der Individuallösungen vornehmen zu können, mußte entsprechend qualifiziertes Personal eingestellt werden. So hat sich im Laufe der Zeit ein fester Personalstamm gebildet, der auch beschäftigt werden muß. So schließt sich der Kreislauf: Das preisgünstigere Standardpaket wird mit Rücksicht auf die Personalsituation abgewiesen, der Trend zur Selbstprogrammierung hält an.

Alibi für die Eigenprogrammierung

Führende Mitarbeiter mit entsprechendem Verantwortungsgefühl lassen sich in der Zwischenzeit nicht mehr beirren. Sie haben erkannt, daß Kauf oder Miete von Anwenderprogrammen im Endeffekt erheblich kostengünstiger sein können.

Die Hersteller hatten sich mit der bereits beschriebenen Situation mehr oder weniger abgefunden. So wurden beispielsweise Software-Pakete erstellt, die vom Markt überhaupt nicht gefordert und nur in seltenen Fällen als Übergangslösungen eingesetzt wurden, die freilich erweitert und angepaßt werden mußten. Eine Software-Lösung für Alltagsprobleme im eigentlichen Sinne wurde nicht angeboten; somit gaben auch die Hersteller dem verantwortlichen Personenkreis eine Alibifunktion zur Selbstprogrammierung.

Rückweg verbaut

In der Mehrzahl der angesprochenen Unternehmen ist die EDV bereits soweit integriert, so daß ein herkömmliches Arbeiten gar nicht mehr denkbar, wäre. Bei zusätzlicher Belastung ist die Klärung der Frage, ob Kauf oder Miete der Software, nicht mehr zu umgehen. Programmierern im eigenen Haus bietet sich in jedem Falle die Möglichkeit, entsprechende Schnittstellen zu bereits vorhandenen Programmen zu definieren und Verknüpfungen vorzunehmen.