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16.10.1987 - 

Trend zur Praxis bei Abiturienten hält an

KÖLN (lo) - Praxisnahe Alternativen zum Hochschulstudium bieten deutsche Unternehmen Abiturienten. Neben kaufmännischen Ausbildungen können die Hochschulberechtigten auch Ingenieur-Ausbildungsmodelle und die Ausbildung zum Technischen Assistenten vor Ort einschlagen. Diesen spezifischen Abiturientenausbildungen wird von seiten der Wirtschaft zunehmend der Charakter einer "Elitebildung" zugesprochen.

Theorie ist gut - Praxis ist möglicherweise noch besser: Diese Einsicht wächst bei immer mehr Hochschulberechtigten .

Deutsche Unternehmen stellen deshalb Abiturienten derzeit rund 10 000 Plätze für besondere Ausbildungsgänge zur Verfügung - 20 Prozent mehr als 1985. Diese fast durchweg staatlich, anerkannten Ausbildungsgänge bieten eine praxisnahe Alternative zum Hochschulstudium mit guten Karrierechancen. Über 2 000 Groß- und mittelständische Unternehmen bilden in überwiegend dreijährigen Kursen zu Wirtschafts-, Handels- und Mathematisch-Technischen Assistenten sowie zu Betriebswirten und Ingenieuren aus. Jeder Ausbildungsgang kostet die Unternehmen im Durchschnitt insgesamt 64 000 Mark. Die durchschnittliche monatliche Ausbildungsvergütung der Teilnehmer beträgt etwas über 1 000 Mark. Die Anfangsgehälter nach Abschluß der Ausbildung belaufen sich - bei einer Spannweite von 2 000 bis 5 000 Mark - im Schnitt auf 3 069 Mark. Dies ergab eine Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) über Ausbildungsgänge für Abiturienten in der privaten Wirtschaft.

Rund 63 Prozent aller Abiturienten-Sonderausbildungsplätze werden 1986/87 im kaufmännisch-betriebswirtschaftlichen Bereich angeboten - 1985 waren es noch 70 Prozent. Demgegenüber stieg der Anteil der Ansbildungsplätze im Ingenieurwesen von acht Prozent (1985( auf 12 Prozent. Zugenommen hat auch der Anteil der Angebote für Mathematisch-Technische Assistenten und Ingenieur-Assistenten, und zwar von 22 auf 25 Prozent.

Die meisten Sonderausbildungsplätze für Abiturienten stellen die Elektroindustrie mit rund 3 500 und der Handel mit 2 900 bereit. Es folgen die Chemie (1700) und die Metallindustrie (I 000).

Der Mathematisch-technische Assistent (MATA) wird betriebsintern vor allem in Großunternehmen der chemischen Industrie und der Eisen- und Stahlindustrie ausgebildet.

Der Abiturient schließt mit dem ausbildenden Unternehmen einen "gemischten" Vertrag ab, der sowohl das Anstellungsverhältnis als auch die Ausbildungsverpflichtung regelt.

Die Ausbildungsdauer beträgt zweieinhalb bis drei Jahre.

Die Abschlußprüfung wird vor der zuständigen Industrie- und Handelskammer, zumindest jedoch im Einvernehmen mit der IHK, abgelegt. Je nach firmenspezifischen Schwerpunkten werden auch in den einzelnen Ausbildungen etwas unterschiedliche Akzente gesetzt was sich jedoch hauptsächlich auf die praktische Ausbildung erstreckt.

Die theoretische Ausbildung umfaßt unter anderem Gebiete wie: Mathematik, Statistik, Operations Research, Systemtheorie, Grundlagen der Datenverarbeitung, Programmierung, Betriebs- und Volkswirtschaftslehre sowie Englisch.

Ausbildungsziel des Mathematisch-technischen Assistenten ist die Fähigkeit, wirtschaftliche und technische Probleme mit Hilfe mathematischer Verfahren und Methoden der Datenverarbeitung zu bearbeiten.

Ingenieur-Assistent

Im Unterschied zur Ausbildung des Mathematisch-technischen Assistenten kamen bis 1979 für den Ausbildungsgang zur Ingenieur-Assistentin nur weibliche Bewerber in Betracht.

Insgesamt dauert diese rein betriebsinterne Ausbildung in Großunternehmen der Elektroindustrie zwei Jahre.

Die erste Ausbildungsstufe umfaßt eineinhalb Jahre und besteht vorwiegend aus theoretischem Unterricht in Mathematik, Grundlagen der Elektrotechnik, der Nachrichtenmeßtechnik, Bauteilkunde, Technisches Englisch etc. Sie schließt mit einer Zwischenprüfung ab. Die zweite Ausbildungsstufe von einem halben Jahr dient vor allem der Einführung in den künftigen Arbeitsbereich und ist der Praxis gewidmet.

Die betriebsinterne Abschlußprüfung nach zwei Jahren dokumentiert ein Firmenzeugnis, das auch von anderen einschlägigen Unternehmen anerkannt wird.

Diesen spezifischen Abiturientenausbildungen werde von seiten der Wirtschaft zunehmend der Charakter einer "Elitebildung" zugesprochen, wie Winfried Schalffke vom Institut der deutschen Wirtschaft bestätigte. Zwölf Prozent der von den Betrieben ausgebildeten Abiturienten durchlaufen solche Ausbildungsmodelle zum Kaufmann, Ingenieur oder Technischen Assistenten.