Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

24.04.1992 - 

Bei Ford arbeiten 4000 PCs unter X-Window

Trend zur verteilten DV unter Unix fördert X-Window-Technik

FRAMINGHAM (IDG/CW) - Immer mehr Unternehmen vertrauen auf Client-Server-Umgebungen unter Unix. Parallel dazu gewinnt auch die Entwicklung von Produkten auf Basis von X-Window-Systemen an Bedeutung. Diese am X.ll-Protokoll ausgerichtete Technologie stellt zunehmend das Bindeglied für die Integration von Rechnern dar, die unter DOS und dessen Erweiterung Windows in verteilten Umgebungen an - oft Unix-basierte - Serversysteme angeschlossen werden müssen.

Die zunehmende Zahl von Anwendern, die von der zentralen DV auf Unix-basierte Client-Server-Architekturen umschwenken, schlägt sich positiv in den Auftragsbüchern der Anbieter von X-Window-Systemen nieder Bereits 1990, als erste Produkte auf den Markt kamen, stellte das Marktforschungsinstitut IDC einen X-Window-Boom fest. Den Analysten zufolge wurden 1990 weltweit 77000 Einheiten abgesetzt, davon über 40000 in den USA. Bis 1995, so die IDC-Prognose, können die Hersteller von X-Terminals mit einer starken Nachfrage rechnen. Die IDC-Marktforscher sagen allerdings für die Hersteller momentan noch recht teurer Terminals härtere Zeiten voraus: Auch dieses Marktsegment sei zunehmend vom Preisverfall betroffen.

Steve Auditore, President der kalifornischen Marktauguren X Business Group Inc., erklärt die Beliebtheit von an den Richtlinien des X-Konsortiums ausgerichteten Produkten mit deren integrierenden Fähigkeiten: "Das X-Window-Protokoll stellt die einzige Möglichkeit dar, über alle DV-Ressourcen eines Unternehmens hinweg eine fensterorientierte Umgebung sicherzustellen." Oft dienen die zu den X.ll-Spezifikationen konformen Softwareprodukte auch als Hilfsmittel, vergleichsweise teure Workstation-Installationen zu vermeiden und vorhandene PC-Systeme zur unternehmensweiten fensterorientierten DV zu nutzen.

Ein Beispiel hierfür ist die Ford Motor Corp. Der Automobilhersteller hat sich entschieden, auf rund 4000 seiner unternehmensweit verteilten PCs die Windows-Version der Hummingbird-Software "PC-X-Server" zu installieren. Das grafikorientierte X-Protokoll wird es in Zukunft diesen Anwendern - immerhin fast zehn Prozent aller Ford-PC-Benutzer - ermöglichen, alle Netzressourcen zu nutzen und in mehreren Fenstern auf ihren Bildschirmen zu bearbeiten.

"Der kommerzielle Bereich muß auf Daten, die in den Fertigungs- und Entwicklungsabteilungen gespeichert sind, zugreifen können", erklärt ein Sprecher des Automobilherstellers zu der Ausrichtung auf die X-Technologie. Dadurch, so hofft man bei Ford, ließen sich möglicherweise die Produktionszyklen für Autos verkürzen.

Mit X-Technologie Produktionszyklen verkürzen

Als Beispiel führt er die technischen Redakteure an, die mit der X-Technologie Entwicklungszeichnungen abrufen könnten, anstatt zu warten, bis die Papierversionen die verschiedenen Stellen im Hause durchlaufen hätten.

Auch die Tudor Investment Corp. in New York vertraut der "PC-X-Server"-Software der Hummingbird-Leute. Mit dieser Emulation können die rund 200 PC-User zwischen den lokalen

DOS-Applikationen und der Workstation-residenten Unix-Anwendung wechseln. Ziel war, die eigenentwickelte, grafikintensive Datenbankanwendung auch den PC-Benutzern verfügbar zu machen, "ohne daß man gleich Sun-Workstations auf Jeden Tisch stellen muß, erklärt Netzadministrator Hyung Kim.

Sun-Workstations, so der Tudor-DV-Manager, seien - eine für die Tudor-Anwendung ausreichende Speicherkapazität vorausgesetzt - mit rund 10000 Dollar zu teuer. Die 200 unter dem Novell-Betriebssystem Netware arbeitenden PC-Anwender können dank der Hummingbird-PC-X-Software nun zwischen der auf dem Server liegenden DB-Software und ihren auf den lokalen Arbeitsstationen installierten Anwendungen wechseln, ohne jeweils ihre Rechner vorher neu starten zu müssen.

Zur Verwirklichung dieser X-basierten PC-Lösung installierte das Investment-Unternehmen laut Kim Novells die rund 300 Dollar teure TCP/IP-Treiberkollektion "LAN Workplace for DOS" auf jedem PC.

Zu diesen Kosten summieren sich die ab 400 Dollar erhältliche X-Server-Software von Hummingbird sowie eine notwendige VGA-Karte für 500 Dollar. Mit weniger als 1300 Dollar, rechnet Kim vor, lasse sich so ein Rechner zum X-Networking-Computer umrüsten.

Dem Trend zu X-basierten Systemen entsprechend, wächst auch das Angebot. So präsentierte der US-Hersteller Visual auf der Convention Unix '92 in Paris ein aufrüstbares X-Terminal, das auf eine S-Bus-Schnittstelle zugreift. Damit lassen sich Hardware-Erweiterungen hinzufügen. Das X-Terminal wird zudem mit einem Unix-API (Application Programming Interface) ausgeliefert. Visual-Vice-President Andy Nilssen erklärt, daß es mit diesem API möglich ist, buchstäblich auf jeder Unix-Workstation Terminal-Anwendungen zu entwickeln und diese auf das Visual-Terminal zu portieren. Das Terminal soll im zweiten Quartal auf den Markt kommen. Nilssen erklärt, der Preis werde mit dem für l9-Zoll-Farbgeräte konkurrieren, der bei rund 5500 Dollar liege.

Neue Leistungsmerkmale für ihre RISC-basierte Terminalfamilie meldet auch die Human Designed Systems Inc. Die Produkte sollen künftig mit dem Point-to-Point-Protokoll (PPP) arbeiten. Der CW-Schwesterpublikation "Computerworld" zufolge ermöglicht PPP, daß das Terminal komprimierte X-Applikationen über serielle Schnittstellen verarbeitet und gleichzeitig eine Ethernet-Verbindung bedient.

Auf Nischenmärkte zielt die Tektronix-Offerte, die unter anderem Low-end-X-Terminals beinhaltet (vgl. CW Nr. 14 vom 3. April 1992, Seite 36: "Tektronix setzt bei X-Terminals..."). Steve Byers, Senior ClM-Engineer bei der Cummins Engine Co., hat die Tektronix-Produkte getestet. Er bezeichnet deren XP-12-Monochrom-Variante als geeignet für textorientierte Datenbankanwendungen, etwa bei Telefon-Support und Telemarketing. Das Farb-Modell XP 18 hingegen sei für Anwender, die nur zwei bis drei Anwendungen benutzen.