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29.09.1978

"Trennung von IBM nur im Hardware-Bereich"

Mit Jesse I. Aweida, Chairman der Storage Technology Corporation, sprach Dieter Eckbauer

* Mister Aweida, wie wird sich der Markt für steckerkompatible Speicherprodukte entwickeln und wie wird Storage Technology in diesem Markt agieren?

Wenn wir in die Zukunft schauen, meinen wir, daß es Speicher-Produkte geben wird, die wesentlich mehr Intelligenz erhalten werden. Wenn ich an die frühen zurückdenke, dann führten wir damals mehr oder weniger simple Magnetband- und Platten-Subsysteme ein. Jetzt mit Blick auf die achtziger Jahre, glauben wir, daß wir eine Menge mehr Intelligenz in unsere Speicher-Produkte packen müssen, als wir es in der Vergangenheit getan haben. Wir werden die Voraussetzungen schaffen, die es dem Kunden ermöglichen, seine Datenspeicherungsprobleme zu meistern.

* Mit welchen Produkten?

Einige Produkte, die wir derzeit entwickeln, werden für die Online-DV sein - also für große Datenmengen. Und wir entwickeln Produkte für den Minicomputer-Markt. Außerdem haben wir kürzlich ein Telekommunikations-System eingeführt. Wir meinen, daß es in den 80ern ein hartes Rennen zwischen Datenverarbeitung und Telekommunikation geben wird. Und darum glauben wir, daß Produkte für diesen Bereich besonders gute Marktchancen haben.

* Nun ist einer Reihe von PCMs (Plug Compatible Manufacturers) die Konfrontation mit dem Marktführer nicht gut bekommen - ich erinnere nur an die Memorex-Antitrust-Klage, die bekanntlich abgewiesen wurde. Bleibt STC weiter IBM-orientiert?

Ja, weil IBM die meisten Installationen hat und weil IBM auf dem Gebiet der Software "De-facto-Standards" setzt. Denn die IBM-Kunden sind zwar bereit, die Hardware zu wechseln, nicht doch die Sorftware.

Ich glaube, daß die Anwender mit der System-Software, die sie von IBM haben, und mit den Applikations-Paketen, die sie selber entwickeln, so beschäftigt sind, daß sie nicht bereit sind, auf diesem Gebiet Experimente mit Fremdpaketen zu machen. Und doch werden sie wechseln. Sie werden die Hardware von einem Fremdanbieter nehmen, sofern diese mit der vorhandenen Software kompatibel ist - besonders dann, wenn die Hardware neue Möglichkeiten eröffnet.

* Wie nah sind wir mit den bestehenden Massenspeichern an den Grenzen der herkömmlichen Speicher-Technologie?

Ich glaube, daß wir von den Grenzen der Technik bei Magnetbändern und Magnetplatten noch ein ganzes Stück entfernt sind. Ich glaube, daß es kein Problem ist, mit den benötigten Packungsdichten Schritt zu halten. Natürlich können solche Produkte nur dann entwickelt werden, wenn auf dem Markt ein Bedürfnis danach besteht. Wir glauben nach wie vor an das Magnetband. Irgendwann innerhalb der nächsten drei Jahre werden wir bei Tapes möglicherweise Verbesserungen der Speicherdichten haben.

* Ist das Magnetband nicht ein Datenträger, der im "Sterben" liegt?

Ich bin der Meinung, daß "Sterben" nicht das richtige Wort ist. Ich bin auch der Meinung, daß sich die Anwendung des Magnetbandes ziemlich schnell geändert hat. Batch-Processing ist in der Tat keine populäre Form der Datenverarbeitung mehr. Aber es gibt Anwendungen, bei denen Magnetbänder nach wie vor unentbehrlich sind. Etwa da, wo umfangreiche sequentielle Files verarbeitet werden müssen. Aber auch für Back-up-Anwendungen wird das Magnetband noch sehr häufig verwendet. Die Anwendungen haben sich zwar geändert, aber verwendet wird es immer noch.

* Wie beurteilen Sie die Situation auf dem "Platten-Markt"?

Die Verwendung von Magnetplatten wird noch viel populärer werden, und Platten werden mit immer größeren Kapazitäten verfügbar sein. Wir erwarten innerhalb der nächsten fünf Jahre Kapazitätsverbesserungen um etwa das Achtfache gegenüber dem, was wir heute haben. Das bedeutet, daß mit einem Subsystem wie der 3350 pro Spindel statt 317 MB ungefähr 2 1/2 Milliarden Bytes gespeichert werden können. Es wird wichtig sein, ein preisgünstiges Speicher-Medium zur Verfügung zu haben. Deshalb ist das Magnetband als nicht besonders ideal anzusehen. Im Hinblick auf zukünftige Produkte sehe ich eine Entwicklung, daß neu installierte Systeme einen wesentlich geringeren Magnetband-Bedarf pro System haben werden. Aber es wird auch viel mehr Großsysteme geben. Und damit wird die Anzahl der in den nächsten fünf Jahren zu installierenden Magnetband-Einheiten um etwa 80 Prozent zunehmen.

* Wie wird sich das Preis-Leistungs-Verhältnis entwickeln?

Ich glaube, daß im Zuge der Verbesserungen der Kapazitäten die Kosten im Vergleich zu heute nur in geringem Umfang steigen werden. Aufgrund der Kostensteigerung können sich die Preise möglicherweise verdoppeln, aber keinesfalls mehr als das.

* Glauben Sie, daß die Bundesrepublik für einen Hersteller steckerkompatibler Speicherprodukte wie Storage Technology ein interessanter Markt ist?

Wir glauben das sehr wohl. Wir sind der Ansicht, daß der Markt in Deutschland groß ist. Wir meinen, daß sich die Anwender in zunehmendem Umfang für, Großsysteme entscheiden werden. Wir erwarten, daß immer mehr Großsysteme dazukommen und damit die Anforderungen an die Speicher-Leistung steigen werden. Aus diesem Grunde wollen wir unseren Anteil an diesem Markt holen.

* Aber es gibt doch auch einen Trend in Richtung "Distributed Processing" und damit zu verteilten Datenbanken.

Es ist richtig, daß mehr Distributed Data Processing betrieben wird. Aber das große Rechenzentrum wird immer noch benötigt, und wir sehen keine Anzeichen dafür, daß die große Zentrale in absehbarer Zeit ausgedient haben wird. Vielleicht werden da und dort verteilte Datenbanken gewünscht. Im zentralen Bereich wird dies jedoch dem "Hauptfeuerwehrhaus" keinen Abbruch tun.

* Gibt es einen Unterschied zwischen deutschen und dem amerikanischen Anwender?

Wir sind der Meinung, daß es zum gegenwärtigen Zeitpunkt keinerlei Unterschiede gibt. Nach unserer Ansicht sind die Bedürfnisse ziemlich gleich: Es besteht ein Bedarf an Großrechnern mit mehr Kapazität und, parallel zur größeren Kapazität, auch nach höherer Speicherleistung, um diese größere Kapazität auch verarbeiten zu können. Es gibt also für die nächsten Jahre einen hohen Bedarf an "storage products". Ich glaube außerdem, daß es IBM-Software-kompatible Produkte geben wird, die dem Anwender die benötigte Erweiterung seiner Speicherkapazität verschaffen.

* Dem deutschen Anwender wird nachgesagt, er lege besonderen Wert auf Zuverlässigkeit, und er fürchte Schwierigkeiten, wenn er von einem Fremdanbieter kauft.

Aus dieser Sicht decken sich seine Wünsche und Bedürfnisse mit denen des Data-Processing-Managers in den USA. Als Anbieter kompatibler Produkte werden wir allerdings berücksichtign müssen, daß der Anwender überzeugt werden muß, daß Fremdprodukt nicht gleichlautend heißt "Aufgabe von Zuverlässigkeit", wie er sie von IBM gewohnt ist. Lassen Sie mich noch hinzufügen, daß wir in den USA in den vergangenen sieben oder acht Jahren einen großen Bewußtseinswandel bei den Anwendern in bezug auf einen möglichen Wechsel von IBM zu einem steckerkompatiblen Lieferanten erlebt haben. Ich möchte betonen, daß wir auf der Seite der Speicher-Technologie dafür sorg?? müssen, daß unser Service mindest??? genausogut ist wie der von IBM, ja vielleicht sogar noch besser.

* Muten Sie sich da nicht ein bißchen zuviel zu?

Der Kunde beobachtet das alles sehr genau und paßt höllisch auf, ob das System aus diesem oder jenem Grunde zusammenbricht. Wir wollen sowohl von der technischen als auch von der personellen Seite aus darauf eingestellt und vorbereitet sein. Mit kompetenten Leuten, die für den Service des Produktes verantwortlich sind. Wir versuchen herauszufinden, ob es sich um einen Fehler im System oder im "storage product" handelt. Stellen wir fest, daß die Ursache für das Problem nicht bei uns zu suchen ist, werden wir dies den Anbieter wissen lassen. Auf diese Weise vermeiden wir, daß der Kunde sich in der Situation sieht, zu sagen: Ich habe ein Problem, aber ich weiß nicht, woher das Problem kommt und wer dafür zuständig ist, mein Problem zu lösen. Wir arbeiten hart, um das Vertrauen des Anwenders zu bekommen. Wir sind der Meinung, daß uns dies in den USA bereits gelungen ist. Wir wollen dies auch hier erreichen.