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27.01.1995

Trennung von Intergraph Bentley uebernimmt komplette Verantwortung fuer Microstation

MUENCHEN (ue) - Nach sieben Jahren unter dem Dach von Intergraph hat sich Bentley wieder auf eigene Fuesse gestellt. Der Entwickler von "Microstation" will das Desktop-CAD-Paket forciert auf dem Markt etablieren und firmiert deshalb seit diesem Monat als selbstaendige Inc. in Exton, Pennsylvania. Zu den weltweiten Niederlassungen gehoert auch eine GmbH in Ismaning bei Muenchen.

Urspruenglich von Intergraph kommend, hatten sich die Bentley- Brueder schon einmal in den achtziger Jahren selbstaendig gemacht und unter eigenem Namen 1987 mit der Auslieferung von Microstation begonnen. Die PC- und Workstation-basierte Konstruktionssoftware sollte gegen Konkurrenzprodukte wie "Autocad" (Autodesk) oder "Caddy" (Ziegler) antreten. Intergraph, dessen CAD-System seinerzeit auf VAX-Rechnern mit Terminals lief, sah in der Microstation eine geeignete Low-cost-Loesung, die im Stand-alone- Betrieb oder als Front-end fuer das eigene System wegen des gleichen Datenformats eine volle Aufwaertskompatibilitaet garantierte.

Die Uebernahme erfolgte noch im gleichen Jahr, fortan fungierte Bentley als Entwicklungsabteilung von Intergraph. Microstation wuchs dort zu einem Schluesselprodukt heran, das vergleichbar mit Autocad als Basissoftware fuer Branchenapplikationen angeboten und zusammen mit den hauseigenen Workstations vertrieben wird.

Doch das Microstation-Engagement seitens Intergraphs soll in letzter Zeit nur noch halbherzig gewesen sein, heisst es unter Branchenkennern. Um die Microstation intensiver vermarkten zu koennen, uebt Bentley nun weltweit die alleinigen Vertriebsrechte an dem Produkt aus, wobei der Firmenneuling grundsaetzlich indirekte Kanaele benutzt.

Intergraph vorerst groesster Kunde

Als auf CAD spezialisierte Fachdistributoren wurden IEZ, Magirus Datentechnik und Prograph gewaehlt. Intergraph, derzeit noch groesster Bentley-Kunde, darf die Software ausschliesslich im Bundle mit einer Workstation oder einer Branchenapplikation verkaufen.

Rund 13 Millionen Mark will Michael Laurim, Chef der deutschen Bentley-Mannschaft, im ersten Geschaeftsjahr umsetzen, darunter faellt der geplante Verkauf von 1800 Lizenzen. Unter Intergraph- Aegide wurden 1994 rund zwoelf Millionen Mark mit dem Produkt eingenommen. Dabei rekrutieren sich die Anwender hauptsaechlich aus den Bereichen Anlagenbau, Prozessindustrie, Geografische Informationssysteme (GIS), Architektur, Hoch- und Tiefbau.

Die Firmenstrategie wird sich kuenftig auf Entwicklungs-Tools fuer die CAD-Plattform konzentrieren. Vertikale Applikationen ueberlaesst Bentley den zur Zeit 90 Geschaeftspartnern: Etwa 110 branchenspezifische Anwendungen, die auf Microstation aufsetzen, werden Ende Januar in einem druckfrischen Katalog aufgelistet. Schwerpunkte des Portfolios sind Architektur, GIS und Maschinenbau.

Um die von Bentley beanspruchte zweite Position am weltweiten Markt fuer Desktop-CAD auszubauen - Microstation folgt mit einem zehnprozentigen Anteil dem Spitzenreiter Autocad (50 Prozent) -, will das junge Unternehmen nicht nur das Produktspektrum, sondern auch die Supportstrukturen ausbauen. Den immerhin 155000 Lizenznehmern (12000 Lizenzen sind in Deutschland vergeben) wird nun das "Comprehensive Support Program" (CSP) offeriert. Neben indirekter Hotline ueber Geschaeftspartner beinhaltet die Teilnahme an der Aktion die Moeglichkeit, einen kostenlosen Versionswechsel vom derzeit noch verbreiteten Release 4 auf Version 5 vorzunehmen. Auch der Umstieg auf eine andere Plattform ist innerhalb des CSP gratis - Microstation unterstuetzt derzeit neun Betriebssysteme, darunter alle wichtigen Unix-Derivate, DOS, Windows, Windows NT (einschliesslich DEC Alpha), Macintosh und kuenftig auch den Power- PC.

Erweiterungen um Microstation

Die zu Jahresbeginn eingelaeutete Selbstaendigkeit der Bentley Systems Inc. soll mit zwei neuen Produkten unterstrichen werden:

Microstation Field Speziell fuer den mobilen Einsatz auf Pen- Computern hat Bentley die Konstruktionssoftware "Microstation Field" konzipiert. Anwender, etwa aus dem Vermessungs- und Bauwesen, koennen damit unter Windows grafische und nichtgrafische Daten ueber einen Schreibgriffel in spezielle Masken (Fieldforms) eingeben. Als Besonderheit bietet das Produkt optional eine Schnittstelle zum Global Positioning System (GPS), so dass die aktuelle geografische Position des Benutzers auf dem Display angezeigt werden kann. Eine deutsche Version steht ab April fuer 2250 Mark zur Verfuegung.

Microstation Modeler

Der neue Volumenmodellierer "Microstation Modeler" von Bentley basiert auf dem Acis-Kern der Spatial Technologies Inc. und laesst sich eigenstaendig oder integriert in Microstation 5 verwenden. Das Programm arbeitet hybrid nach dem CSG-Verfahren (Constructive Solids Geometry) und nach der B-rep-Methode (Boundary Representation). Es bietet Applikationsentwicklern das Tool "Microstation Development Language" (MDL), ueber dessen Schnittstelle sie direkt auf Acis-Funktionen zugreifen koennen, ohne dafuer eigens Lizenzen zahlen zu muessen. Das 3D-Werkzeug ist laut Hersteller voll kompatibel zum Freiformflaechen-Modellierer. Es kostet knapp 4000 Mark als Stand-alone-Loesung, etwa 12800 Mark sind zusammen mit der Microstation 5 zu bezahlen.