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30.08.2002 - 

Dünne Liquiditätsdecke zwingt zum Sparen

Tria IT-Solutions steckt in Finanznöten

MÜNCHEN (wh) - Nach einem kostentreibenden Expansionskurs sind die Finanzmittel der Tria IT-Solutions AG zusammengeschmolzen. Um die Liquidität zu sichern, setzt der Trainings- und Consulting-Anbieter nun den Rotstift an. Der wenig erfolgreiche ERP-Beratungsbereich wird geschlossen, das Management gestrafft.

Seit dem Börsengang im Mai 1999 ist der Umsatz der Tria-Gruppe stetig gestiegen. Im abgelaufenen Geschäftsjahr verbuchten die Münchner mit 32,9 Millionen Euro fast doppelt so viele Einnahmen wie 24 Monate zuvor. Doch das Wachstum hat seinen Preis: Tria expandierte vor allem über Akquisitionen; im Rahmen einer riskanten Corporate-Venture-Strategie kaufte das Management allein im Jahr 2000 sieben Firmen aus unterschiedlichen Bereichen wie E-Commerce, M-Commerce oder Web-Media (siehe CW 23/02, Seite 36).

Diese Strategie ging nicht auf, wie sich bereits im letzten Jahr herausstellte. Tria blieb auf den vermeintlichen Börsenaspiranten sitzen und sah sich gezwungen, hohe Wertberichtigungen auf deren Firmenwerte vorzunehmen. Die Folge war ein Bilanzverlust von 15,3 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2001, was fast der Hälfte des Umsatzes entspricht. Im ersten Quartal 2002 verbuchte Tria bei gesunkenen Einnahmen einen operativen Verlust von 122000 Euro; innerhalb von drei Monaten schmolzen die liquiden Mittel von 2,6 Millionen Euro auf rund eine Million Euro zusammen.

"Die Liquiditätsdecke ist dünn", kommentieren Finanzanalysten. Bereits im Juni stufte etwa die Bayerische Landesbank die Tria-Aktie von "Neutral" auf "Halten" herab. Mitarbeiter des Unternehmens berichten von "erheblichen Liquiditätsengpässen". Reisekostenabrechnungen dauerten mehrere Wochen, Löhne und Gehälter würden seit Ende Juni mit Verzögerung überwiesen.

Die Tria-Vorstände Richard Hofbauer (CEO) und Bernhard Schmid wehren sich gegen diese Darstellung: "Das können wir nicht nachvollziehen." Gehälter würden weiterhin pünktlich ausbezahlt. Auch von Liquiditätsengpässen wollen die Firmenchefs nichts wissen. Der Abbau liquider Mittel im ersten Quartal sei bedingt durch "Zahlungen aus dem Beteiligungsbereich", die noch auf Aktivitäten im Jahr 2001 zurückzuführen seien. Gleichwohl könne man im laufenden Jahr keine größeren Akquisitionen tätigen. Noch im vergangenen Jahr hatte Tria mehrere Trainingszentren aufgekauft, darunter vier Schulungsstandorte der Avalon Academy und die IT-Trainings-Division der Hamburger Softmatic AG.

Einräumen mussten die Vorstände, dass Tria den ERP-Beratungsbereich (ERP = Enterprise Resource Planning) zum 31. Oktober schließen wird. Die in der Tochtergesellschaft Tria IT-Training GmbH geführte Sparte sollte vor allem Dienstleistungen für SAP-Kunden vermarkten. "Aufgrund der wirtschaftlich schwierigen Lage im SAP-Umfeld ist es uns trotz intensiver vertrieblicher Anstrengungen nicht gelungen, Projekte in erforderlichem Umfang zu akquirieren", schreibt der Geschäftsführer der Trainings-Tochter, Axel Stadtelmeyer, in einer E-Mail an die Mitarbeiter. Bereits im April habe man über vereinzelte Kündigungen versucht, den Personalbestand der damaligen Auftragslage anzupassen. Leider habe sich diese seitdem weiter sehr ungünstig entwickelt.

Schwaches SAP-Geschäft

Hofbauer und Schmid versuchen, den Vorgang zu relativieren. Der Ausstieg aus der Beratung sei bedingt durch das Marktumfeld im SAP-Bereich; die Geschäfte im ERP-Consulting seien ohnehin "recht übersichtlich gewesen". Umsatzzahlen wollen sie nicht nennen.

Dass der Ausstieg aus der SAP-Beratung einzig auf ungünstige Marktbedingungen zurückzuführen ist, darf indes bezweifelt werden. Laut Jean-Christian Jung vom IT-Beratungs- und Marktforschungsunternehmen PAC hat sich der deutsche SAP-Markt im internationalen Vergleich nicht so schlecht entwickelt. Das Lizenzgeschäft etwa habe im vergangenen Quartal um fünf Prozent zugelegt, im Schulungsbereich rechne er ebenfalls mit einem moderaten Wachstum.

Konzentration auf Kernmärkte

Die Entscheidung, den ERP-Bereich einzustellen, sei Teil der schon länger verfolgten Konzentration auf Kernkompetenzen, betonen die Vorstände. Konkret bedeute dies Consulting und Training für Produkte von Microsoft, Oracle und Cisco. Allerdings seien auch zusätzliche Sparmaßnahmen nötig. So achte man etwa im Marketing-Bereich stärker als bisher auf die Kosten und sei bemüht, straffere Management-Strukturen einzuführen.

Die Zukunft malen die Tria-Verantwortlichen dennoch in leuchtenden Farben. "Wir erwarten im zweiten Quartal eine schwarze Null beim operativen Ergebnis vor Abschreibungen", sagt Schmid. Ab dem vierten Quartal würden die Geschäfte und damit der operative Gewinn wieder deutlich anziehen. In den ersten drei Monaten sei Tria im Trainingsgeschäft schwächer gestartet, die zweite Abrechnungsperiode aber entwickle sich zu "einem der stärksten Quartale in der Firmengeschichte". Ob sich diese Prognose bewahrheitet, wird sich spätestens Ende August zeigen, wenn das Unternehmen die Geschäftszahlen vorlegt.

Worauf sich ihr Optimismus gründet, erklären die Manager nur vage. Im Consulting-Bereich handele es sich meist um langfristige Projekte mit einer Laufzeit zwischen sechs Monaten und drei Jahren. Deshalb sei das Geschäft weniger konjunkturabhängig als andere Marktsegmente. Auch hinsichtlich der immer wieder angeführten "Blue-Chip-Kunden" äußern sich Hofbauer und Schmid zurückhaltend bis ungenau.

Großkunden sparen

Historisch bedingt kommt der Großteil der Tria-Kunden aus dem Bereich Banken und Versicherungen. Vier der fünf größten deutschen Banken zählten zu den Auftraggebern, sagt Schmid, auf Nachfrage nennt er die Hypo-Vereinsbank (HVB) und die Deutsche Bank. Auch mit der Allianz habe man Rahmenverträge abgeschlossen, daneben gehöre ein Automobilkonzern zur Klientel, dessen Namen er nicht preisgeben könne.

Ebenso wie die HVB fährt der Münchner Versicherungskonzern derzeit einen harten Sparkurs, der insbesondere Kürzungen für externe IT-Dienstleister vorsieht. Ähnliches gilt für die gesamte Finanzbranche. Nach Angaben von Schmid seien bislang aber keine Projekte zusammengestrichen worden.

Wie ernst die Finanzlage der Tria IT-Solutions AG tatsächlich ist, wird sich wohl erst in den kommenden Monaten herausstellen. Finanzanalysten jedenfalls geben sich durchaus skeptisch. Wie sich die Liquidität entwickeln werde, hänge zunächst davon ab, ob mit einem eventuellen negativen Betriebsergebnis weitere Belastungen anfallen. Daneben komme es darauf an, in welchem Ausmaß es Tria gelinge, ausstehende Forderungen einzutreiben und damit eine operative Entlastung zu schaffen.

"Goodwill bleibt Risikofaktor"

Wenig bekannt sei darüber hinaus, welche Kreditlinien die Banken in der derzeitigen Lage gewähren. Dies wiederum hängt in hohem Maße davon ab, welchen Goodwill die Gläubiger dem Unternehmen einräumen. In der Quartalsbilanz ist der Geschäftswert mit 12,7 Millionen Euro angegeben. Wenn dessen Nachhaltigkeit in Frage gestellt wird, habe Tria kaum noch Sicherheiten, erklärte ein Finanzexperte, der anonym bleiben wollte. "Der Goodwill bleibt ein Risikofaktor."

An der Börse jedenfalls ist das Vertrauen längst dahin: Seit dem Höhenflug im Jahr 2000 mit Notierungen über 40 Euro ist der Kurs des Tria-Papiers zuletzt auf weniger als 0,5 Euro gefallen.

Abb: Tria: Umsatz und Ergebnis

Tria hat das Umsatzwachstum der letzten Jahre vor allem durch Zukäufe erreicht. Quelle: Tria