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08.10.1976 - 

Umstellung auf DV bei Migros

Trichtertechnik für 5000 Mitarbeiter

ZÜRICH - Fast jeder der 5000 Beschäftigten war in irgendeiner Weise von der organisatorischen Änderung betroffen, als Higros in Zürich sein neues Bestellsystem mit Verkaufsprognose einführte (CW Nr. 39 vom 26. September 1975 "Migros Zürich realisiert Computer-Netzwerk"). Das Projektteam entwickelte daher eine Schulungsstrategie, die - von der personellen Seite her - einen reibungslosen Ablauf garantieren sollte. Dabei wurde - übrigens mit Erfolg - die "Trichtertechnik" angewandt. Mit zunehmender Vertiefung des Schulungsstoffes wurde die Zahl der Auszubildenden verringert. Die Mitarbeiter sollten in vier Phasen stufenweise mit dem Verbundsystem vertraut gemacht werden.

Start mit Wettbewerb

In der ersten Phase, in der die Vorurteile gegenüber dem Computer abgebaut werden sollten, wurde eine "Goodwill-Broschüre" an alle Mitarbeiter verschickt. Sie enthielt Comics, die den Computer als stets gutgelaunten Partner darstellten. Nebenbei wurden einige Grundbegriffe der Datenverarbeitung erläutert. Anhand eines Wettebwers konnte festgestellt werden, daß diese erste Informationsvermittlung bei den meisten Mitarbeitern gut angekommen war.

Hörspiel für Filialen

In der zweiten Phase mußte rund 2000 Filial-Mitarbeitern das Basiswissen über Vorteile und Handhabung des neuen Systems übermittelt werden. Jede Filiale erhielt ein musikalisch untermaltes Tonband im Hörspielstil sowie Begleithefte für die Benutzer. Die bewußt klein gehaltenen Lernalgorithmen ermöglichten den Mitarbeitern, stufenweise das Lehrziel zu erreichen. Dabei wurden gezielte Fragen gestellt, die der Lernende in seinem Begleitheft sofort beantworten mußte. Durch Rückmeldungen über das Tonband wurde die Richtigkeit der Ergebnisse bestätigt.

Übungen am Terminal

Es zeigte sich bald, daß die Mitarbeiter nicht ausschließlich programmiert lernen wollten. So wurden nachdem die Systemzusammenhänge bekannt waren - 650 Filialmitarbeiter in einer dritten Phase mit der Bedienung der Nixdorf-Terminals 720 vertraut gemacht. Nach Abschluß des zweimonatigen Kurses sollten die Teilnehmer in der Lage sein, den automatischen Bestellvorgang zu verstehen, die Bestellung einzugeben sowie Tippfehler selbst korrigieren zu können. Der Kurs begann mit einem Quiz, um die Erfolgsquote des programmierten Unterrichts feststellen zu können. Die Teilnehmer wurden in zwei Gruppen eingeteilt. Die eine Gruppe konnte praktisch an Terminals üben, auf denen ein Trainingsprogramm lief. Dabei wurde eine Bedienungsanleitung erarbeitet, die an alle Kursteilnehmer verteilt wurde. Der anderen Gruppe wurde ein Video-Ton-Programm vorgeführt, das die korrekte Terminal-Bedienung verständlich machen sollte. Außerdem wurde erklärt, wie die Verkaufsprognose zustande kommt.

In der vierten Phase wurden den Mitarbeitern konkrete Situationsinstruktionen vermittelt. Die Teilnehmer lernten den Umgang mit Magnetbandkassetten, Steuerungsprogrammen, Verbrauchsmaterial kennen und erhielten Verhaltensregeln für Störungsfälle. Damit war das Schulungsprogramm für die Mitarbeiter in den Filialen abgeschlossen.

Am schwierigsten: Schönschreiben

Parallel dazu war die Ausbildung in der Zentrale gelaufen: Die Produktmanager hatten eine Schulung bezüglich der Artikelstammdatei durchlaufen; das EDV-Personal hatte die Betriebssysteme und Programme kennengelernt sowie Kenntnisse des Warengeschäftes und der Artikelbewirtschaftung erworben. Den schwierigsten Punkt bildete die Schulung des "Bereitstellungspersonals", das einheitliche Rüstpapiere computergerecht schreiben mußte - statt der handgeschrieben Zettel, wie es früher der Fall war. Kurz vor der Umstellung wurde deswegen zum Abschluß der Ausbildung in einer Tonbildschau dargestellt, wie EDV-gerechte Zahlen zu schreiben sind.