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22.06.1984 - 

Chipentwicklung der Amdahl-Unternehmung von dem Jumbo-Desaster nicht betroffen:

Trilogy gibt Supercomputer-Entwicklung auf

SAN FRANZISKO (kul) - Die Entwicklung ihres Supercomputers hat die Trilogy Systems jetzt gestoppt. Mit dieser Entscheidung scheint einer der aufwendigsten Träume aus dem Silicon Valley beendet. Die Superchip-Produktion will Trilogy allerdings beibehalten. Mehr als 250 Millionen Dollar hatten die Investoren innerhalb der letzten vier Jahre in dieses Projekt gepumpt, um den kalifornischen Hersteller zu unterstützen. Wie die Financial Times berichtet, sind von dieser Maßnahme auch einflußreiche britische und irische Geldgeber betroffen. Marktexperten wollen nicht ausschließen, daß sich diese Financiers von Trilogys Zusage einwickeln ließen, die "Traummaschine" in Irland zu bauen.

Trilogy glaubte, einen Computer entwickeln zu können, der den Jumbo-Entwicklungen der IBM, der Japaner und auch sonst aller anderen Konkurrenten Paroli bieten würde.

Der Mann, der die grundlegende Idee für die Entwicklung des Supercomputers hatte, war wieder einmal Gene Amdahl, der "Erste Mann des Silicon Valley" und "geniale Computer-Designer", wie ihn seine Weggenossen bezeichnen. Diesen Ruf erwarb sich Amdahl als Chef-Entwickler bei IBM und später als Gründer der Amdahl Corporation, einem Produzenten IBM-kompatibler Mainframes. All diese Erfolge waren dem inzwischen 61jährigen jedoch nicht genug. Sein Ziel war es, den perfekten Computer zu bauen.

Als Amdahl seine eigene Gesellschaft gründete, sagte er IBM den Kampf an und war damit erfolgreich. "Allein dieses Durchsetzungsvermögen stellt eine beachtliche Leistung dar. Aber Amdahl konnte es nicht lassen: Er mußte den Tiger noch einmal reizen. Das war ein Fehler". So kommentiert Aharon Orlansky, Marktanalytiker bei Sutro and Company in San Franzisko.

Die Trilogy-Experten wollten eine supermoderne Form der Halbleitertechnologie, die "Wafer Scale Integration", entwickeln. Damit sollte es möglich sein, einen noch leistungsfähigeren Computer zu bauen - eine elegante, aber keine grundlegend neue Idee. Erinnert sich Marktforscher Ulric Weil vom New Yorker Institut Morgan Stanley: "IBM griff das Thema der Wafer Scale Integration bereits in den sechziger Jahren auf, kam jedoch zu der Überzeugung, daß der Einsatz dieser Technologie ein zu hohes Risiko darstellte".

Es erwies sich, daß die Entwicklung der Superchips den Verantwortlichen eine Reihe von Problemen aufgab. Deshalb mußte die Marktfreigabe des Superrechners immer wieder verschoben werden. Im jüngsten Announcement war davon die Rede, mit den ersten Auslieferungen 1987 zu beginnen - drei Jahre später als ursprünglich geplant. Orlansky: "Die Marktchance wurde verspielt".

Um Geldmittel locker zu machen, verkaufte Trilogy Optionen auf Nutzung ihrer Wafer-Scale-Integration-Technology-Lizenzen an Digital Equipment, Sperry, Bull und kürzlich auch an Control Data. Der Gesamtwert dieses "Geschäfts" wird mit 80 Millionen Dollar angegeben. All diese Lizenznehmer hoffen darauf, die Technologie bei der Entwicklung ihrer eigenen DV-Produkte einsetzen zu können. Jetzt sollen Modifizierungen der bestehenden Verträge ausgehandelt werden. Deshalb sind Vincent R. McLean (Sperry) und Francois Salle (CII-Honeywell Bull) als Direktoren von Trilogy zurückgetreten.

Da die Superchip-Entwicklung von dem Stop nicht betroffen ist, suchen die Kalifornier jetzt nach weiteren Einsatzmöglichkeiten. Trilogy-Sprecher Thomas Lerone: "Es war wirtschaftlich einfach nicht mehr vertretbar, mit der Entwicklung des Computers weiterzumachen. Das eigentliche Interesse unserer Kunden liegt auf dem Halbleiter-Sektor. Deshalb sind ihre Interessen von unserer Entscheidung auch nicht betroffen".

Dieser Meinung schließt sich dem Vernehmen nach auch die Sperry Corporation an, die 42 Millionen Dollar in Trilogy investierte. Aus Sperry-nahen Kreisen verlautete jetzt, das "Aus" für den kalifornischen Supercomputer dürfe nicht als Einbruch bei Trilogy verstanden werden. Die Amdahl-Gesellschaft könne sich vielmehr künftig ausschließlich auf die technologische Entwicklung konzentrieren. Vom Standpunkt Sperrys aus sei eine solche Entscheidung zu begrüßen, denn auf Dauer sei nichts damit gewonnen, sich zwischen Technologie und Computerproduktion zu zerreißen.

Das Unternehmen gibt allerdings zu, frühestens 1986 einsatzfähige Superchips zu haben. Der Wert von Trilogys Halbleiter-Technologie ist ohnehin schon dadurch in Frage gestellt, daß der Hersteller verlauten ließ, der geplante Rechner werde die beabsichtigte Performance nicht ganz erreichen.

Industrieexperten rechnen damit, daß Trilogy jetzt auf Untervertragsbasis für andere Elektronikkonzerne arbeiten wird. Die Amdahl-Crew könne sich damit begnügen, weniger anspruchsvolle Computer für andere Anbieter zu entwickeln oder traditionelle Mikrochips zu produzieren.