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24.10.2006

Triple Play kommt in die Gänge

Jürgen Liebherr
Die Telekom startet ihre Internet-TV-Plattform "T-Home". Triple Play wird damit endlich zur Realität.

Eigentlich sollte das neue Hoffnungsprojekt der Deutschen Telekom schon zur Fifa-WM 2006, spätestens jedoch zum darauf folgenden Bundesliga-Auftakt starten. Doch bis letzte Woche mussten sich alle Fans und Förderer von Triple Play noch in Geduld üben. Technische Probleme - man munkelte von Schwierigkeiten mit der Microsoft- Plattform - und verwertungsrechtliche Fragen verzögerten immer wieder den verheißungsvollen Zusammenschluss von Internet, Telefon und Fernsehen.

Zugpferd T-Home soll neue Kunden bringen

Dabei geht es bei "T-Home" neben der Prestigefrage auch um viel Geld. Nachdem der Telekom jeden Monat zehntausende Festnetzkunden davonlaufen, braucht das Bonner Unternehmen ein Zugpferd, das vielleicht sogar verlorene Kunden zurückholen kann. So wurden in das Projekt T-Home viele Mühen und Finanzmittel gesteckt. Allein die eingekauften Internet-Live-Rechte an der Fußball-Bundesliga sowie die Verpflichtung von Franz Beckenbauer als Kommentator sollen über 50 Millionen Euro gekostet haben.

Telekomchef Kai-Uwe Ricke hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesteckt: Bis Ende 2007 will er eine Million Kunden für T-Home gewinnen. Diese sollen für die Nutzung des neuen Triple-Play-Dienstes kräftig zur Kasse gebeten werden: Ab einem monatlichen Gesamtpreis (inkl. T-Net- und VDSL-Anschluss mit Flatrate) von zirka 80 Euro gibt es den Tarif "Complete Basic". Für zehn Euro mehr ist "Complete Plus" zu haben und beinhaltet neben 60 frei empfangbaren Sendern zusätzlich 40 Pay-TV-Kanäle. Fußballfans müssen sogar noch tiefer in die Taschen greifen: Das Premiere-Bundesliga-Komplettpaket schlägt mit weiteren 9,95 Euro zu Buche. Darüber hinaus können kostenpflichtige Inhalte wie ein MTV-Paket, fremdsprachige TV-Bouquets oder Beate-Uhse-TV optional geordert werden. Für den Internet-Empfang der Sender benötigen "T-Home"-Kunden einen speziellen Media Receiver, der "zum einmaligen Bereitstellungspreis von 99,95 Euro" angeboten wird. Dafür verfügt das Gerät immerhin über einen zusätzlichen Festplatten-Rekorder mit einer Speicherkapazität von 80 GB.

VDSL gibt es nur in zehn Ausbaugebieten

Die über das Internet gesendeten Fernsehprogramme verursachen eine enorme Datenflut. Die neuen, schnellen VDSL-Anschlüsse sollen daher laut Info der Telekom "Fernsehen in HDTV Qualität, sekundenschnellen Seitenaufbau, gleichzeitiges Surfen und Telefonieren sowie einen rasanten Download sehr großer Datenvolumina" ermöglichen. Aber genau hier liegt auch der erste Knackpunkt. Das flinke Glasfasernetz VDSL gibt es bisher nur in Hamburg, Berlin, Hannover, Köln, Düsseldorf, Frankfurt/Offenbach, Leipzig, Stuttgart, Nürnberg/Fürth und München. Zwar sollen noch 40 weitere Ballungsräume erschlossen werden, doch ob das 3-Millarden-Euro-Projekt VDSL wirklich schon bis Mitte kommenden Jahres die zweite Ausbaustufe erreichen wird, ist ungewiss.

Die Telekom-Konkurrenz plant eigene Dienste

Noch ein anderer Faktor könnte dem Erfolg des Telekom-Prestigeobjekts im Wege stehen. Bei Preisen von monatlich um die 100 Euro werden wohl nur gut betuchte und technik-affine Konsumenten zuschlagen. Zumal es auch günstigere Angebote von der Konkurrenz gibt. In Hamburg und Lübeck bietet Hansenet ("Alice") bereits eine Triple-Play-Lösung an, und auch die Kabelnetzbetreiber offerieren mittlerweile Telefon, Fernsehen und Internet aus einer Dose. Mitbewerber Arcor drängt darüber hinaus die Telekom (via Antrag bei der Bundesnetzagentur) auf Teilnutzung der VDSL-Infrakstruktur und plant wohl den Aufbau eines eigenen Triple-Play-Dienstes.

Unabhängig von den konkreten Erfolgsaussichten des Telekom-Angebots sehen Experten die Marktchancen von IPTV durchaus positiv. So kommt die kürzlich veröffentlichte Untersuchung der Strategie- und Technologieberatung Booz Allen Hamilton zu dem Ergebnis, dass bereits 2011 bis zu 12 Millionen deutsche TV-Haushalte neue Bündelangebote wie Triple Play nutzen könnten. "Dem deutschen TV-Markt stehen massive Umwälzungen bevor, vergleichbar mit der Einführung des Privatfernsehens in den achtziger Jahren", so Adam Bird, Medienexperte und Geschäftsführer von Booz Allen Hamilton.

So gesehen wirkt das eingangs genannte Ziel der Telekom-Führung von einer Million Kunden nicht ganz so utopisch - vorausgesetzt T-Home funktioniert auch wirklich so, wie es propagiert wird. (ciw)