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19.06.1987 - 

Tato denkt an "eine Art von Olivetti made in Germany":

Triumph soll PC-Nischenprodukte fertigen

FRANKFURT/NÜRNBERG (CW) - "Nicht völlig wertlos" waren nach Ansicht des neuerdings alleinvertretungsberechtigten Vorstandsvorsitzenden Francesco Tato die bisherigen Investitionen der TA Triumph-Adler AG in die PC-Entwicklung. Die Produktion von Computern, die in Konkurrenz zu Olivetti-Modellen stehen, dürfte jedoch in absehbarer Zeit auslaufen.

Einen "schweren Rückschlag", so TA-Sanierer Tato auf der Hauptversammlung des Unternehmens, die erstmals nicht am Firmensitz Nürnberg, sondern in Frankfurt abgehalten wurde, hat Triumph-Adler im vergangenen Jahr hinnehmen müssen. Der Vorwurf ging voll an die Adresse des früheren Mehrheitsaktionärs VW, von dem die Ing. C. Olivetti SpA 1986 den deutschen Büromaschinenkonzern übernommen hatte. Im letzten Jahr sank nicht nur der Umsatz um 16 Prozent auf 884,2 Millionen Mark und damit auf das Niveau von 1984; auch der Jahresfehlbetrag fiel mit 258,3 Millionen schlimmer aus als zu Zeiten von Tatos VW-Vorgänger Nadebusch erwartet. Der Bilanzverlust, der sich einschließlich des Verlustvortrags vom Vorjahr auf 459 Millionen Mark beläuft, hält Tato aber vorerst den Fiskus vom Hals, wenn er TA wieder in die Profitzone manövriert.

Um dort hinzukommen, läßt Tato das Geschäftsvolumen erst einmal schrumpfen. Neben dem Abbau einer bis auf über 200 000 Stück angewachsenen Lagerhalde von Schreibmaschinen verschrieb der neue Chef seinem Stab ein rigides Kostenmanagement nach dem Motto "Unser Ziel ist nicht mehr Umsatz, sondern Gewinn". Bei den Schreibsystemen strich der Vorstands-Chef wenig gefragte Modelle vom Produktionsplan. Eingekauft wird inzwischen gemeinsam mit der Mutter Olivetti; seitdem spart TA fast 30 Prozent bei den Materialkosten. Dem Kostenfaktor Personal rückt Tato mit der ersatzlosen Streichung von 2000 der heute 9000 Arbeitsplätze bis Ende 1988 zuleibe - enorme Ausgaben für Abfindungen sind bereits im Budget vorgesehen.

Beobachter sehen für TA bereits Licht am Horizont. Bestärkt werden sie in ihrer Auffassung dadurch, daß an den "zukunftssichernden Investitionen" in Sachanlagen sowie Forschung und Entwicklung nicht gespart wird - dieser Posten stieg von 145 Millionen Mark im Vorjahr auf 208 Millionen Mark. Die Investitionen für die Entwicklung einer eigenen PC-Baureihe in den letzten Jahren seien, so Tato, trotz der enttäuschenden Verkaufsergebnisse nicht als völlig wertlos anzusehen, hätten sie dem Hause doch zumindest Know-how verschafft.

Im Rahmen der Zusammenarbeit mit der Olivetti SpA wird TA nun das Me-too-Geschäft zurückschrauben und sich verstärkt der Produktion spezialisierter PC-Modelle widmen. Im Herbst soll die Fertigung eines AT-kompatiblen LAN-Rechners und eines modularen Low-end-PC anlaufen. Die Identität mit der "alten" Triumph-Adler aus VW-Zeiten und mit ihrem Produktimage opfert Tato bewußt: "Wir wollen möglichst viel erhalten und versuchen, aus TA eine Art 'Olivetti made in Germany' zu machen", erklärte der italienische Trouble-shooter den noch mit zwei Prozent am Unternehmen beteiligten deutschen Kleinaktionären.