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14.04.1989 - 

Logistik-System bereitet ClM-relevante Daten auf:

"Troia" entlarvt trojanische Informationspferde

Informationsflut an allen Fronten. Und je unklarer ein Begriff ist, desto größer und umfassender scheinen die Informationen. Gleichzeitig wächst die Angst eine wichtige Information zu versäumen. Ein klassisches Beispiel für diese Situation ist das Zauberwort "CIM".

Der Name ist Programm und verspricht Frechheit. Nicht umsonst nennen die Initiatoren ihr Projekt Troia. Dr.-lng. Reinhard König erläuterte bei der Gründungsversammlung in Frankfurt den Namen: "Troia riecht nach List und Überrumpelung. Wir wollen den Fertigungsbetrieb erobern." Die listige Überrumpelung gilt vor allem der Informationsflut, die es den Betrieben schwer macht, CIM zu realisieren. Hier fehlen, so König (Aktiengesellschaft für Industrieplanung, Mülheim/Ruhr), normierende Methoden. Es gilt, das Informationsminimum zu ermitteln, das für eine Tätigkeit ausreicht. Zwar sind die technischen Möglichkeiten der Computer immens, doch es fehlt das dazu nötige Verständnis der informellen Beziehungen und Vorgänge in einem Unternehmen. Durch dieses Manko wuchern die Informationen aus allen das Unternehmen betreffenden Bereichen wie Technik, Finanzen, Rechts- und Sozialbeziehungen (König und seine Mitarbeiter fassen dies unter "Metawelt" zusammen).

Statt nun die Initiative weiterhin der EDV-Branche zu überlassen, soll die Fertigungsindustrie die Anforderungen an die Computerbauer stellen, damit diese die passende Technik dafür produzieren. Hierfür will Troia sammeln, erkennen, strukturieren und gestalten. Dazu sollen die für die Produktion unbedingt notwendigen Strukturen der Metawelt aufgedeckt und dargestellt werden.

Die "Troianer" verfolgen dabei des Ziel, ein Informationslogistik-System zu entwickeln, in dem nur die minimale Informationsmenge "fließt", welche zum Fertigen eines Produktes notwendig ist (Analoges gilt für das Produktionslogistik-System). Ziel ist ein Struktur- und Informationsminimum für alle Branchen.

Industrie ist am Projekt beteiligt

Damit nicht Grundlagenforschung um ihrer selbst willen betrieben wird, sieht das Konzept die Teilnahme der Industrie vor - um die Wirksamkeit des Instrumentariums zu testen. Um Ordnung in das Informationswesen zu bringen, schlagen die ClM-Vordenker vor, Kriterien zur Aufteilung der Informations- und Datenmengen in drei Teilmengen:

- nur durch Menschen,

- mit Rechnerunterstützung oder

- nur per EDV mit Rechnerautomatik zu bearbeiten

Doch auch dem Menschen gilt das Interesse. Hier sah Troia-Mitarbeiter Dr. Gerhard Sauerbrey vom Weigang Industriedienst in Frankfurt ein Hauptanliegen: "In zehn Jahren werden die Mitarbeiter rar. Da werden nur solche Unternehmen überleben können, die dank angenehmem Arbeitsfeld Mitarbeiter für sich gewinnen können." Ein wesentliches Kriterium sind dabei auch menschenfreundliche Computersysteme, von denen wir bisher sehr weit entfernt sind. Dazu die Troia-Schrift: "Die EDV hat sich im Selbstlauf am Menschen vorbeientwickelt. Das ist die Ursache der gegenwärtigen Misere".

So sollen in der ersten Phase fünf Vordenker - unterstützt von einem wissenschaftlichen Beirat. mit Experten aus Forschung und Industrie - Ideen und Konzepte erarbeiten. Gedacht ist an eine völlige Freistellung von sonstigen Verpflichtungen für mindestens sechs Monate. Um derartig hehre Ziele zu erreichen, braucht Troia jedoch Geld. Dazu wurden bereits vor rund einem Jahr Gespräche mit dem Kernforschungszentrum Karlsruhe geführt (wissenschaftlicher Gutachter: Prof. Jürgen Warnecke) .

Doch die Argumente scheinen bei der Subventionsstelle noch nicht zum Zuge zu kommen. So vermißte Dr. Thomas Martin bei der Gründungsversammlung den "sozio-technischen Bereich": "Das Konzept greift noch zu kurz. Es sind die Produzierenden unterrepräsentiert, und es fehlen auch die direkt Betroffenen." Tatsächlich stammen die Arbeitskreismitglieder bisher vorwiegend aus der Wissenschaft (unter anderem TU Hannover, TU Hamburg-Harburg, Fraunhofer-Institut Stuttgart, ETH-Zürich). Daher gilt es - so der "Troianer" Detlef F. Pape (Geschäftsführer des Instituts für Unternehmenskybernetik e . V. /Mülheim a. d. Ruhr), noch "erhebliche Überzeugungsarbeit zu leisten", um gefördert zu werden, aber auch, um Mitstreiter aus der Fertigungsindustrie zu gewinnen.

*Nikolaus Fecht ist Leiter der Öffentlichkeitsarbeit der Aktiengesellschaft für Industrieplanung, Mülheim/Ruhr.