Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

31.01.1992 - 

VMS soll auch auf den neuen Maschinen laufen

Trotz ACE: Digital Equipment bringt eigene RISC-Architektur

LONDON (zek) - Nach annähernd vier Jahren Entwicklungszeit will Digital Equipment (DEC) in den nächsten Wochen eine eigene RISC-Prozessorarchitektur vorstellen. Dieser Prozessor mit dem Codenamen "Alpha" soll in Zukunft die Basis bilden für sämtliche DEC-Systeme, vom "Palmtop bis zum Mainframe"; von Anfang an sollen die Betriebssysteme VMS und OSF/1 auf den neuen Maschinen laufen.

Erste Details über das neue Prozessorenprogramm hat Digital bereits vor der für Ende Februar geplanten offiziellen Ankündigung gegenüber europäischen Fachjournalisten bekanntgegeben. Bei dem Alpha-Chip handelt es sich um eine skalare 64-Bit-RISC-Single-Chip-Architektur. Die Taktfrequenz liegt nach DEC-Angaben bei 200 Megahertz. Die Leistung des in CMOS-Technologie aufgebauten Chips soll zwischen 100 und 130 Specmarks liegen, die Stromaufnahme bei 3,3 Volt.

Entwickelt wurde der Prozessortyp von Digital. Ziel war eine Basis für die Evolution der DEC-Produktpalette. Digitals bisherige Produktlinien, die VAX-Systeme und Mips-basierten RISC-Systeme, sollen durch die Alpha-Systeme zunächst nicht ersetzt, sondern ergänzt werden. VAX-Anwendern, die auf einen Alpha-Rechner umsteigen wollen, werde aber die Möglichkeit gegeben, ihre VMS-Software auch auf den neuen Rechnern Saufen zu lassen.

Außerdem, so Peter C. Graham, verantwortlicher Manager für das Alpha-Programm, sei "Offenheit" ein Schlüsselelement für den Alpha-Prozessor. Neben OSF/1 sollen in Zukunft auch weitere Betriebssysteme auf Alpha laufen, rund ein Dutzend habe man bereits getestet. Interessierte Dritthersteller können Lizenzen zum Bau des Alpha-Prozessors erwerben - sowohl zum Nachbau als auch zum Einbau in eigene Systeme.

Letztlich holt DEC mit dem eigenen RISC-Prozessor einen Schritt nach, den die anderen großen Rechnerhersteller bereits vollzogen haben: Hewlett-Packard hat bereits vor rund vier Jahren seine eigene RISC-Familie PA vorgestellt, IBM bietet seit zwei Jahren Workstations mit dem eigenen "Power"-Prozessor an. In einer Zeit der Konzentration der Computerbranche auf wenige große Hersteller, so Peter Graham, sah deshalb auch Digital die Notwendigkeit, die Prozessorherstellung in eigene Hände zu nehmen. So müßte man zum jetzigen Zeitpunkt bereits etwa eine halbe Milliarde Dollar für eine neue Chip-Fabrik aufbringen, in einem Jahr schon eine Milliarde.

Der Trend zu strategischen Allianzen

Die Trends gehen nach Digital-Auffassung eindeutig auch in Richtung Konzentration auf einige wenige Prozessorarchitekturen und zu strategischen Allianzen verschiedener Hersteller. Als Beispiele wurde die Allianz von IBM, Apple und Motorola oder das ACE-Konsortium genannt. Vorteile versprechen sich viele Hersteller auch von Vertriebs- und Serviceabkommen. So haben erst in den letzten Wochen Digital und Cray Research ein Abkommen zur Vermarktung von Crays Einstiegs-Supercomputer Y-MP EL durch DEC geschlossen. Diese Trends habe man bei DEC bereits vor vier Jahren erkannt und deshalb beschlossen, einen eigenen RISC-Prozessor zu entwickeln und zu bauen.

Im Gegensatz zu den Hauptwettbewerbern IBM und HP will DEC den Chip jedoch von Anfang an aggressiv lizenzieren, um so für eine möglichst weite Verbreitung der neuen Architektur zu sorgen. Eine ähnliche Strategie hatten bisher nur die kleineren Mitspieler Sun und Mips betrieben. Immerhin konnten beide Unternehmen im Workstation-Sektor erhebliche Anteile für ihre Architektur erringen. Als erster möglicher Lizenzpartner in Sachen Alpha gilt nach Ansicht von Branchenkennern der neue DEC-Partner Cray. Dort plant man angeblich, den Alpha-Chip in einen neuen Supercomputer einzubauen.

Erst vor rund einem Jahr haben sich die wichtigsten Hersteller von Mips-basierten Workstations, darunter auch DEC, im ACE-Konsortium auf die Entwicklung einer einheitlichen Unix-Version auf OSF-Basis geeinigt. Mit dem Alpha-Programm würde Digital aber den eigenen ACE-Bekenntnissen zum Trotz eine ganz andere Prozessorpolitik beginnen - zumal man erklärt, der neue Prozessor sei eine ideale Plattform für alle Systeme vom "Palmtop bis zum Mainframe". Obwohl also auf Dauer eine Konzentration allein auf Alpha-Systeme logisch wäre, will Digital auch in Zukunft Intel-basierte PCs und Mips-basierte Workstations anbieten. Zunächst, so heißt es in DEC-nahen Kreisen, sollen etwa zur Jahreswende 1992/1993 erste High-end-Workstations und Minicomputer auf Alpha-Basis angekündigt werden. Einstiegsmodelle sollen dann etwa ein Jahr später folgen.